Konzepte

Das folgende Paper zur Graduiertenförderung an der Philosophischen Fakultät I der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg ist auch als Download im pdf-Format erhältlich.

Vorschläge des Vereins Gradnet e.V. zur Reform der DoktorandInnenausbildung an der Phil Fak I der FAU Erlangen-Nürnberg

Vorbemerkung

In Anbetracht der engen Verbindung der beiden philosophischen Fakultäten, die sich sowohl in der Fächerwahl der Mehrzahl der Studierenden als auch in der Mitgliederstruktur des Vereins Gradnet e.V. niederschlägt und in Anbetracht der schwachen Stellung der beiden philosophischen Fakultäten innerhalb der FAU Erlangen-Nürnberg insgesamt, halten wir eine Reform der DoktorandInnenausbildung, die sich nur auf die Phil Fak I bezöge, für den falschen Ansatz. Zumindest in diesem Punkt sollten die beiden philosophischen Fakultäten eng zusammen arbeiten. Das würde auch viele der an den Grenzen der einzelnen Disziplinen angesiedelten Dissertationen im Sinne einer interdisziplinären Zusammenarbeit unterstützen und im positive Synergieeffekte erzeugen. Sinne der zu schaffenden Strukturen in der DoktorandInnenausbildung

Ziele

Wir sehen die Promotion als forschungsorientierte Ausbildungsphase. Dabei müssen auch über das Spezialgebiet der Dissertation hinausgehende Fachkenntnisse und Schlüsselqualifikationen erworben werden können.

Grundsätzlich streben wir eine klar strukturierte und institutionell verankerte DoktorandInnenausbildung an - nicht zuletzt im Hinblick auf eine Verkürzung der Promotionszeiten. Themen und Format dieser Ausbildung müßten unter Einbindung der Promovierenden festgelegt und auf ihre Bedürfnisse abgestimmt werden, so daß Raum für Eigenverantwortlichkeit und Eigeninitiative geschaffen wird.

Wir möchten eine breite, alle Promovierenden der Philosophischen Fakultäten integrierende Struktur schaffen, die über die punktuelle Förderung der DFG-Graduiertenkollegs hinausgeht. Dabei lehnen wir Auswahlverfahren oder die Schaffung einer Wettbewerbssituation um freie Plätze unter den Promovierenden ab.

Konzepte

Um diese Ziele zu erreichen, ist es nötig, die wichtigste Grundlage für die Erstellung einer Dissertation in einem angemessenen Zeitraum (3 bis 4 Jahre), nämlich die finanzielle Unabhängigkeit der Promovierenden, zu bedenken. Des weiteren ist eine die beiden philosophischen Fakultäten umfassende Struktur der Doktorandenausbildung zu schaffen. Nötig ist auch ein Rahmen, in dem der wissenschaftliche Nachwuchs in Vortrags- und Publikationsangelegenheiten unterstützt wird. Schließlich ist es unseres Erachtens wichtig, die Vernetzung sowohl innerhalb der Fakultäten als auch über universitäre und nationale Grenzen hinweg zu fördern.

Grundlegend wäre die Erfassung aller aktuellen DoktorandInnen an beiden philosophischen Fakultäten hinsichtlich des Themas und Standes ihrer Promotion, ihrer institutionellen Einbindung, ihrer finanziellen Absicherung und nicht zuletzt ihrer Wünsche und Bedürfnisse hinsichtlich einer neu zu schaffenden Doktorandenstruktur an den philosophischen Fakultäten. Das ließe sich vielleicht über ein Lehrforschungsprojekt der Soziologie kostengünstig verwirklichen.

Finanzielle Grundsicherung

Die Grundlage eines eigenständigen und hochwertigen Forschungsbeitrages in Form einer Dissertation ist die finanzielle Unabhängigkeit, wenn dieser Beitrag in einem angemessenen Zeitrahmen erstellt werden soll. Diese finanzielle Absicherung kann entweder über Stellen in Projekten oder am Lehrstuhl oder über eine externe Finanzierung über Stipendien erfolgen. Wichtig wäre in letzterem Falle eine enge Zusammenarbeit der Fakultäten mit Stiftungen und staatlichen Stellen, um möglichst für alle Promotionswilligen eine Grundsicherung zu erreichen. Denkbar wäre auch eine stärkere Verwendung der von der Universität verwalteten Stipendienfonds (wobei hier über eine Erhöhung des einzelnen Stipendiums nachgedacht werden müßte).

Strukturierungen

Institutionelle Einbindung

Wichtigste Forderung in diesem Bereich ist die gesicherte Einbindung der Promovierenden über einen Doktorandenstatus an der Fakultät. Die Bedingungen und Verfahren für den Beginn und die Erstellung einer Promotion müssen transparent sein.

Übergangsphase

Einer der größten Verzögerungsfaktoren ist die Übergangsphase vom abgeschlossenem Studium bis zum eigentlichen Beginn der Promotion. Das Finden einer sinnvollen und bearbeitbaren Themenstellung und das Schreiben von Exposés für die Bewerbungen bei Stiftungen, meist neben einer Erwerbsarbeit, sind meist langwierige Beschäftigungen, im Bereich der Geistes- und Sozialwissenschaften beträgt diese Zeitspanne zwischen 1,5 und 2,9 Jahre (Wissenschaftsrat 2002, 10). Gerade hier kann mit einer gezielten Betreuung viel Zeit gewonnen werden.

Wir schlagen deshalb vor, unmittelbar im Anschluß an die Magister-/Examensprüfung, fakultätsweit einen etwa einwöchigen »Grundkurs Promotion« anzubieten (er könnte bei Interesse eventuell auch für PrüfungskandidatInnen geöffnet werden). In diesem Grundkurs sollten Hilfestellungen zur Entscheidungsfindung, eine Erläuterung der örtlich vorhandenen Infrastruktur, Beratung und Unterstützung bei der Ausarbeitung einer Fragestellung, der Erstellung eines Exposés für Stipendienanträgen geboten werden. Dieser Grundkurs kann natürlich nicht die fachspezifische, inhaltliche Betreuung am Lehrstuhl ersetzen, die nach wie vor sehr wichtig bleibt, aber er kann die Lehrstuhlinhaber von dem formalen Teil der Promotionsberatung entlasten.

Dieser Grundkurs müßte von einem kontinuierlichen Beratungs- und Informationsangebot begleitet sein, damit später sich ergebende formale Fragen und Probleme effektiv bearbeitet und beantwortet werden können.

Promotionsphase

Wenn die Finanzierung gesichert ist und die Arbeit an der Promotion beginnt, sollte auch eine intensivere Betreuung der Promovierenden einsetzen. Nicht nur in fachlich-inhaltlicher Hinsicht, eine Arbeit, die nach wie vor hauptsächlich vom Lehrstuhl geleistet werden muß, sondern auch im Sinne eines speziellen Lehrangebotes für Promovierende.

Dieses könnte in der vom Wissenschaftsrat vorgeschlagenen Form des Promotionskollegs organisiert werden: etwa in Form von gemeinsamen Veranstaltungen für alle DoktorandInnen der Philosophischen Fakultäten und in selbstgewählten und selbstorganisierten Sektionen, die nach thematischen oder methodischen Ähnlichkeiten, Gemeinsamkeiten oder Interessen gegliedert sein könnten.

Das gemeinsame Veranstaltungsprogramm könnte umfassen:

  • einen »Aufbaukurs Promotion«, in dem die Themen des Grundkurses vertieft werden könnten
  • Methodenseminare (je nach inhaltlichen Schwerpunkten)
  • wissenschaftliches Schreiben
  • Vortrags- und Präsentationskurse
  • Didaktik der Hochschullehre (könnte kombiniert werden mit bezahlten Lehraufträgen für die DoktorandInnen)
  • Projekt- und Wissenschaftsmanagement
  • Publikationsberatung
  • Informationen zu Berufsmöglichkeiten und Arbeitsmarkt
  • Beratung zum wissenschaftlichen Bewerben in der Endphase der Promotion

Diese Angebote könnten je nach Wunsch der DoktorandInnen geändert oder ergänzt werden. Hier wäre auch an eine Koordination der verschiedenen Oberseminare in inhaltlicher Hinsicht zu denken.

Daneben sollte eine ständige, individuelle Beratung/Betreuung (zusätzlich zur fachlich-inhaltlichen) für das Promotionskolleg zur Verfügung stehen. Eventuell könnte auch eine Supervision oder eine psychologische Betreuung in regelmäßigen Abständen angeboten werden.

Die selbstorganisierten Sektionen der Promovierenden sollten ein Forum zur gemeinsamen, interdisziplinären Arbeit an einem bestimmten thematischen
Schwerpunkt ermöglichen. Sei es in Form von Arbeitsgruppen, Workshops, Vorträgen oder Tagungen. Hierfür wäre eine geringe finanzielle Unterstützung durch die Fakultäten von Vorteil. Weitere Mittel könnten dann wäre von den Promovierenden selbst eingeworben werden.

Vernetzungen

Über diese Strukturen, die selbst schon eine interdisziplinäre Vernetzung innerhalb der Fakultäten fördern, wäre eine weitergehende Vernetzung, sei es über Verbindungen der Universität, der Lehrstühle oder der Promovierenden selbst, über die Fakultäts-, Universitäts-, Landes- und Staatsgrenzen hinweg, erstrebenswert.

Eine wichtige Hilfe bei dieser Vernetzung kann die Öffnung der Promotionskollegs für ausländische DoktorandInnen sein. Grundbedingung hierfür ist ebenfalls die gesicherte finanzielle Basis (bei möglicher Finanzierung über den DAAD oder über spezielle Stipendienprogramme einzelner Stiftungen).

Eine weitere Möglichkeit zur Vernetzung stellt die internationale und interdisziplinäre Erlanger Graduiertenkonferenz des Vereins Gradnet e.V. dar, die dieses Jahr zum sechsten Mal stattfindet. Hier wäre eine dauerhafte Förderung durch die Philosophischen Fakultäten wünschenswert, allerdings sollte es nicht zu inhaltlichen oder organisatorischen Einschränkungen kommen. Die Organisation könnten Promovierende aus dem Promotionskolleg übernehmen und so wertvolle Erfahrungen in der Organisation von Tagungen und der Publikation von Tagungsbänden sammeln.

Abzuklären wäre noch, inwieweit die Graduiertenkollegs der DFG in die Promotionskollegs eingebunden werden könnten.

Organisatorische Leistungen der Philosophischen Fakultäten

Es wäre unseres Erachtens mindestens eine Post-Doc-Stelle für die Organisation des Promotionskollegs nötig, eventuell teilbar in zwei halbe Stellen für je eine der Fakultäten.

Des weiteren müßten die für die Promotionskollegs geleisteten Stunden der Professoren und wissenschaftlichen Mitarbeiter auf das Lehrdeputat angerechnet werden.

Darüber hinaus müßten Räumlichkeiten und Arbeitsmöglichkeiten für die Promovierenden zur Verfügung gestellt werden.

Zusammenfassung

Insgesamt läßt sich unseres Erachtens mit relativ geringem finanziellem Aufwand eine sinnvolle Struktur für die Promovierendenausbildung an den Philosophischen Fakultäten schaffen, die zum einen die Qualität der DoktorandInnenausbildung entscheidend verbessern könnte und zum anderen der Profilierung der Philosophischen Fakultäten und des Universitätsstandorts Erlangen dienen würde, indem sie »eigene« DoktorandInnen an die Universität binden und externe DoktorandInnen anziehen würde. Der entscheidende Punkt für die Promovierenden wird sein, ob es gelingt, die Hilfestellungen für die Erreichung einer gesicherten Finanzierung so effektiv zu gestalten, daß alle oder zumindest die übergroße Mehrzahl sich während der Arbeit an der Dissertation um diesen Aspekt keine Sorgen machen muß.