The great obsession of the nineteenth century was, as we know, history [...] The present epoch will perhaps be above all the epoch of space. We are in the epoch of simultaneity: we are in the epoch of juxtaposition, the epoch of the near and far, of the side-by-side, of the dispersed. We are at a moment, I believe, when our experience of the world is less that of a long life developing through time than that of a network that connects points and intersects with its own skein. schreibt Michel Foucault in "Of Other Spaces"1 und skizziert damit, den für ihn, zentralen Paradigmenwechsel des 20. Jahrhunderts. Bedingt durch politische, soziale und technologische Entwicklungen führen die Migration realer Personen und die zunehmende Zirkulation von Zeichen, Diskursen und Waren über nationale Grenzen hinweg zu einer Entwicklung, die die Konzepte Nation und nationale Identität als unhaltbar erscheinen läßt. Die Nation als imaginäre Gemeinschaft2, die auf der Vorstellung eines homogenen Organismus mit gleichen, scheinbar natürlichen Interessen, der sich linear durch die Zeit bewegt, beruht, wird als Fiktion entlarvt, die auf diskursiven Ausschließungsverfahren beruht, wobei Geschlechterdifferenz und Ethnizität eine zentrale Rolle spielen. So wird z.B. die ethnische Frau als absolut Anderes der westlichen Kultur konstituiert. Insbesondere durch die Auflösung kolonialer Strukturen, der Migration ehemals Kolonisierter in die westlichen Staaten und der damit verbundenen Auflösung der deutlichen Trennung von innen und außen, Eigenem und Fremden, wird das Fremde zu einem Phänomen, das als Verdrängtes innerhalb des eigenen kulturellen Diskurses sichtbar wird. Migration, im Unterschied zur traditionellen Reise mit festgelegtem Herkunfts- und Zielort, wird zu einer unfreiwilligen Bewegung im Raum, bei der weder Herkunfts- noch Zielort klar vorgegeben sind3. Aus der Auflösung der Fiktion einer nationalen Identität und dem Phänomen der Migration folgt für das Subjekt die Notwendigkeit, sich innerhalb konkurrierender kultureller Diskurse neu zu verorten. Eine zentrale Rolle spielen hierbei Markierungen und Transgressionen kultureller Räume, da hierüber Handlungsmöglichkeiten und -verbote strukturiert bzw. neuverhandelt werden. Das Konzept kultureller Räume sei hierbei als diskursive Formation verstanden und unterliegt narrativen Strukturierungsverfahren4. Dieses Konzept der Räumlichkeit geht davon aus, daß Subjektivität nicht nur im Rahmen historischer Narration entsteht, sondern auch entscheidend durch die soziale und kulturelle Markierung des Raumes geprägt wird5. Geographie als diskursive Formation bedeutet, daß bei der Konstitution kultureller Räume Machtverhältnisse, Differenzierungs- und Ausschließungsverfahren ebenso eine entscheidende Rolle spielen wie in allen anderen Diskursen. Individuelle Subjektivität wird damit weniger von einem linearen Verständnis der Entstehung geschlechtlicher, kultureller und nationaler Identität geprägt als von der Bewegung zwischen Differenz und Identität. Diese Bewegung kann als Bewegung zwischen imaginären oder tatsächlichen Orten im kulturellen Raum verstanden werden. Insbesondere die Theorien des Postkolonialismus weisen auf die zentrale Rolle des Konzepts Ethnizität hierbei hin. Die Aufrechterhaltung der Fiktion von Nation, von Eigenem und Fremden ist nur möglich, wenn der Ausschluß des kolonialen Anderen konstituierendes Moment ist. Postkoloniale Theorien betonen hier das Interesse an Momenten des Überganges und des Bruchs, die diese Konstruktion sichtbar machen. Eine besonders wichtige Rolle muß bei der Diskussion von Konzepten kultureller Differenz und kultureller Räume der Betrachtung der Geschlechterdifferenz zukommen, da die mitgedachte Konstruktion von Männlichkeit und Weiblichkeit jedem Diskurs inhärent ist und kulturelle Ausschließungsverfahren über Geschlechterdifferenz legitimiert werden. Im New York der Jahrhunderwende und der 20er Jahre wurden die Konflikte und Polarisierungen zwischen den verschiedenen kulturellen Gruppen in einer Art Mikrokosmos am deutlichsten sichtbar. Am Umbruch in die Moderne stellen James' und Whartons Texte die Möglichkeiten literarischen Schreibens und eine völlig veränderte Großstadtwahrnehmung zur Disposition. Als Prämisse sei hierbei gesetzt, daß über das Zeichen New York kulturelle Räume markiert werden, die, verstanden als diskursive Formationen, geschrieben und gelesen werden. Dabei werden geschlechtliche und kulturelle Subjektivitäten produziert und normiert. Da in diesem Prozeß jedoch auch 'illegitime' Subjektivitäten produziert werden, findet immer auch eine Transgression und Aneignung von Räumen statt, die wiederum zu einer Verschiebung führt
In den Textlektüren soll es um diesen Prozeß gehen. Hierbei wird insbesondere zu fragen sein, wie durch Transgressionen Räume neu konstituiert werden. Untersucht werden soll also, wie in James' und Wharton's sehr unterschiedlichen Texten Räume auf mehreren Ebenen konstituiert werden. Nicht zuletzt geht es dabei auch um den Raum des literarischen Textes. The Custom of the Country und The American Scene verhandeln die aktuellen Debatten und Diskurse ihrer Zeit mit ästhetischen Mitteln und über plot Strukturen. So läßt sich als gemeinsame Beobachtung an den literarischen Texten im Vorfeld formulieren, daß die Transgression und Aneignung kultureller Räume textintern über heterosexuelle Geschlechterbeziehungen sowie über Familienstrukturen verhandelt wird. Hierbei sei geschlechtliche Subjektivität im Rückgriff auf Judith Butler so verstanden, daß sowohl Sex als auch Gender keine ontologischen Konzepte sind, sondern erst durch kulturelle Diskurse hergestellt werden6. Außerdem beziehe ich mich auf Kaja Silvermans Überlegungen zum Zusammenhang zwischen dominant fiction und geschlechtlicher Subjektivität7. Silvermans Begriff der dominant fiction lehnt sich zunächst an den Ideologiebegriff Althussers an, um dann davon auszugehen, daß die dominant fiction von der Symbolischen Ordnung und den ökonomischen Verhältnissen bestimmt wird. Sie wird aufrechterhalten, durch die dominanten kulturellen Erzählungen Geschlechtliche Subjektivität entsteht durch die Verortung des individuellen Subjektes in die kulturelle Ordnung einer Kultur. Notes
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