Der Arbeitsbegriff in der ökonomischen Theorie und das Ehrenamt - ein ArbeitsprogrammBettina Hollstein „Was
uns bevorsteht, ist die Aussicht auf eine Arbeitsgesellschaft, der die Arbeit
ausgegangen ist, also die einzige Tätigkeit, auf die sie sich versteht.
Was könnte verhängnisvoller sein?” (Hannah Arendt, Vita activa)
Gliederung 1 ProblemstellungIn
der öffentlichen Meinung stellt die Arbeitslosigkeit das wichtigste
Problem der 90er Jahre dar. Mit Hinweis auf das sinkende Erwerbsarbeitsvolumen
seit den 60er Jahren befürchten viele, daß der Arbeitsgesellschaft
die Arbeit ausgehe, wie es Hannah Arendt bereits vor 40 Jahren vorausgesagt hat.
[1]
Andere hingegen sind der Meinung, daß ausreichend Arbeit vorhanden sei
und durch Senkung der relativen Preise für Arbeit, die Nachfrage danach
erhöht werden könne.
[2]
Diese letztgenannte Kontroverse betrifft aber nur die Erwerbsarbeit, die
über den Arbeitsmarkt angeboten und nachgefragt wird, nicht aber die
Nichterwerbsarbeit
[3],
die immer wieder als Alternative zur Erwerbsarbeit vorgeschlagen wird.
[4]
Die
Ökonomie untersucht gesellschaftliche Probleme, bei denen es darum geht,
bestimmte Ziele mit knappen Mitteln, die für alternative Ziele eingesetzt
werden können, zu erreichen (Robbins, 1933, S. 16). Konkret geht es im
Fall der Arbeit darum, wie Arbeitsleistung
[5]
eingesetzt wird, um bestimmte gesellschaftlich erwünschte Leistungen zu
erstellen. Zu den gesellschaftlich erwünschten Leistungen gehören
neben den Reproduktionsleistungen, die über Märkte angeboten werden
(Güter und Dienstleistungen), auch solche Reproduktionsleistungen, die
nicht über Märkte, sondern über den familiären Kontext,
Gruppen und Verbände unentgeltlich bereitgestellt werden. Mit der
Bereitstellung von Leistungen über Märkte beschäftigt sich die
Ökonomie schon seit langem und in großer Ausführlichkeit. Es
stellt sich nun die Frage, ob sie Arbeit nur als Erwerbsarbeit begreifen kann,
oder ob auch die Nichterwerbsarbeit, die einen bedeutenden Anteil an der
Reproduktion der Gesellschaft hat, im Rahmen der ökonomischen Theorie
untersucht werden kann. Dies hängt davon ab, was sich hinter dem
Arbeitsbegriff in der Ökonomie verbirgt.
Hierzu
ist eine Rekonstruktion des Arbeitsbegriffs in der ökonomischen Theorie
notwendig sowie die Gegenüberstellung dieses Arbeitsbegriff mit
Begriffsbildungen aus benachbarten Disziplinen, um eventuelle Verengungen des
Arbeitsbegriffs in der Ökonomie aufzuspüren. Die stete Um- und
Neubildung von wissenschaftlichen Begriffen, mit denen die komplexe
Wirklichkeit erfaßt werden soll, ist laut Max Weber der Ausgangspunkt der
Kulturwissenschaften (Weber, 1968, S.184). Daher scheint die vergleichende
Betrachtung des Arbeitsbegriffs in den verschiedenen sozialwissenschaftlichen
Disziplinen ein geeigneter Ausgangspunkt für eine interdisziplinäre
Betrachtung zu sein, wie sie hier angestrebt wird. Ob ein weiter oder ein enger
Arbeitsbegriff für die Analyse sinnvoller ist, hängt von dem zu
betrachtenden Problem ab. In dieser Arbeit soll das Ehrenamt, als eine
besondere Form der Nichterwerbsarbeit, untersucht werden. Es stellt sich dabei
die Frage, ob durch eine Erweiterung des ökonomischen Arbeitsbegriffs
diese Problematik besser analysiert werden kann, als im Rahmen der
traditionellen ökonomischen Herangehensweise. Ziel der Betrachtung kann es
dabei nicht sein, einen Arbeitsbegriff zu entwickeln, der alle Facetten der
realen Arbeit berücksichtigt, da nur durch Abstraktion eine Eindeutigkeit
[6]
erreicht werden kann, die für das wissenschaftliche Arbeiten notwendig ist
(Weber, 1984, S. 38). Vielmehr geht es darum, den Grad der Abstraktion so zu
wählen, daß das zu untersuchende Problem - hier das Ehrenamt -
adäquat behandelt werden kann.
Die
ehrenamtliche Tätigkeit wird - wie der gesamte Nonprofit-Sektor - im
gesellschaftlichen Diskurs kaum wahrgenommen. Erst in jüngster Zeit wird
der Nonprofit-Sektor überhaupt als Gegenstand wissenschaftlicher
Betrachtung ausgemacht
[7].
Mit dieser „Unsichtbarkeit” der ehrenamtlichen Arbeit im
wissenschaftlichen Diskurs geht auch eine Minderbewertung der ehrenamtlichen
Arbeit gegenüber der Erwerbsarbeit im gesellschaftlichen Diskurs einher.
Hierbei spielt der geschlechtsspezifische Aspekt eine herausragende Rolle. Eine
Erweiterung des Arbeitsbegriffs in der Ökonomie, der eine adäquate
Erfassung der ehrenamtlichen Arbeit ermöglicht, müßte auch
diese geschlechtsspezifische Problematik darstellen können.
Theoretische
Begriffe konkretisieren sich in Institutionen. So konkretisiert sich die
Erwerbsarbeit über die Institution Arbeitsmarkt in der Gesellschaft. Die
Nichterwerbsarbeit hingegen ist in Form von Normen und Handlungsweisen in
gesellschaftlichen Gruppen und Verbänden institutionalisiert. Es stellt
sich die Frage, ob durch die Wahl eines erweiterten Arbeitsbegriffs in der
ökonomischen Theorie auch andere Institutionalisierungsmöglichkeiten
außerhalb des Marktes
[8]
in den Blick kommen, analysiert und bewertet werden könnten, die mit dem
bisherigen theoretischen Instrumentarium keine Berücksichtigung fanden.
2 ForschungsstandZur
Arbeitsproblematik gibt es eine Fülle von kaum überschaubarer
Literatur in den einzelnen Disziplinen, die bisher wenig aufeinander Bezug
nehmen. Im Bereich der Ökonomie gibt es mehrere Schulen, die zu
unterschiedlichen wirtschaftspolitischen Empfehlungen bezüglich der
Bekämpfung von Arbeitslosigkeit gelangen. Darüber hinaus wurde eine
ökonomische Theorie des Ehrenamts im Rahmen des Rational Choice-Ansatzes
entwickelt
[9],
die auch innerhalb der ökonomischen Theorie nicht unumstritten ist. Im
Rahmen der feministischen Ökonomie wurde die Reproduktionsarbeit im
privaten Haushalt als Form der Nichterwerbsarbeit analysiert. Trotz der sehr
unterschiedlichen Ansätze, die einerseits zu konträren
wirtschaftspolitischen Empfehlungen (angebots- vs. nachfrageorientierter
Strategie) bezüglich der Erwerbsarbeit kommen und andererseits ganz
unterschiedliche Herangehensweisen bezüglich der Nichterwerbsarbeit
praktizieren (Rational Choice, feministische Ökonomie), basieren alle auf
einem gemeinsamen Paradigma, das grundlegend für den ökonomischen
Arbeitsbegriff ist.
In
anderen Disziplinen der Sozialwissenschaften wie Soziologie, Philosophie,
Psychologie usw. wird neben dem Rohstoff Humankapital der personale Charakter
der Arbeit herausgestellt. Dadurch, daß Arbeit untrennbar mit der Person,
die sie leistet, verbunden ist, ist sie ein „wesentlicher Bestandteil des
Lebens der Individuen und entscheidet über die Teilnahmemöglichkeit,
den Status, das soziale Ansehen und die Identität des Einzelnen ... in der
Gesellschaft.” (Wittmann, 1996, S. 2) Um methodisch eine gemeinsame Basis
zur Ökonomie zu finden, sollen in erster Linie die
sozialwissenschaftlichen Ansätze herangezogen werden, die sich wie die
ökonomische Theorie auf den methodologischen Individualismus beziehen
[10].
Im
Bereich der Betriebswirtschaftslehre, insbesondere der Personalwirtschaft,
wurde versucht, den ökonomischen Arbeitsbegriff um die subjektbezogene
Komponente zu erweitern, da man feststellte, daß personenbezogene Aspekte
(Motivation, Zufriedenheit, Interesse am Arbeitsobjekt usw.) von entscheidender
Bedeutung für die Arbeitsleistung sind (Staehle, 1979, Sp. 76ff). Hierzu
zählen die Entwicklungen, die sich unter dem Stichwort
„Humanisierung der Arbeit” zusammenfassen lassen (Staehle, 1979,
Sp. 79f). In diesem Zusammenhang gibt es Versuche, zu einem die Ethik
integrierenden Arbeitsbegriff zu gelangen (Wittmann, 1996, S. 20ff) bzw. zu
einer Integration der Beriebswirtschaftslehre in die Sozialwissenschaften
(Schanz, 1990). Allerdings wird auch hier in der Regel der Arbeitsbegriff auf
die Erwerbsarbeit beschränkt.
[11]
Zusammenfassend
kann man sagen, daß es in der ökonomischen Theorie ein gemeinsames
Paradigma gibt, aus dem ein bestimmter, zweckrationaler Arbeitsbegriff
erwächst, der grundsätzlich sowohl Erwerbsarbeit als auch
Nichterwerbsarbeit beschreiben kann, aber personenbezogene Aspekte ausblendet.
Diese stehen in anderen Disziplinen der Geistes- und Sozialwissenschaften im
Vordergrund, ohne daß von einem einheitlichen Paradigma in diesen
Bereichen gesprochen werden könnte. Ansätze, die beide Aspekte
(Zweckrationalität und Personalität) verknüpfen, finden sich im
Bereich der Betriebswirtschaftslehre, insbesondere der Personalwirtschaft,
wobei sich diese allerdings auf die Erwerbsarbeit beschränken.
3 Arbeitsprogramm3.1 Rekonstruktion des Arbeitsbegriffs in der ökonomischen TheorieUm
eine Rekonstruktion des Arbeitsbegriffs in der ökonomischen Theorie zu
erreichen, werden als Ausgangspunkt makroökonomische Arbeitsmarktmodelle
in Lehrbüchern der Ökonomie, getrennt nach Modellgruppen, untersucht.
Hierbei wird nicht eine ausführliche Diskussion der einzelnen Modelle
erfolgen, sondern in erster Linie auf die zugrundliegenden methodologischen
Annahmen (homo oeconomicus
[12],
methodologischer Individualismus usw.) eingegangen, die allen ökonomischen
Theorien - auch unterschiedlicher Ausrichtung - zugrunde liegen. Insbesondere
werden die Elemente, die den beiden Hauptmodellgruppen (Neoklassik und
Keynessche Ökonomie) gemein sind, herausgearbeitet. Diesem Arbeitsbegriff
der „mainstream-Ökonomie”
[13]
soll der klassische Arbeitsbegriff
[14]
gegenübergestellt werden, um auch hier die Gemeinsamkeiten
herauszuarbeiten. Darüber hinaus sollen aber auch Weiterentwicklungen, wie
die Institutionenökonomie, untersucht werden, die aus den Grundmodellen
entwickelt wurden. Da die Betrachtung des Ehrenamts im Zentrum der Untersuchung
stehen soll, werden außerdem ökonomische Theorien des Ehrenamts
Berücksichtigung finden sowie Theorien zur Reproduktionsökonomie in
privaten Haushalten aus der Sicht der feministischen Ökonomie.
[15]
Anhand der zugrundeliegenden gemeinsamen Annahmen aller genannten
ökonomischen Theorien soll der Arbeitsbegriff, wie er in der Ökonomie
Verwendung findet, näher definiert und erläutert werden. Weiterhin
soll ermittelt werden, welche Arten von Fragestellungen mit diesem
Instrumentarium untersucht werden und untersucht werden können. Diese
sollen systematisch zusammengestellt werden, so daß im Umkehrschluß
deutlich wird, welche Fragestellungen mit Hilfe der ökonomischen Modelle
bislang nicht oder nur unzureichend analysiert werden konnten.
3.2 Erweiterung des Arbeitsbegriffs anhand der Erkenntnisse anderer DisziplinenWährend
die Ökonomie durch den Rückgriff auf das Modell des homo oeconomicus
eine Reduktion von Komplexität erreicht, die erklärungsstarke Modelle
ermöglicht, versuchen andere Disziplinen die Komplexität des
menschlichen Subjekts durch idealtypische Kategorien wie Werte, Weltbilder,
Mentalitäten usw. zu erfassen. Der arbeitende Mensch wird hier in seinem
Gesamtkontext betrachtet. Der Mensch muß sich die
„Weltfülle” aneignen und „bewältigt tätig die
Wirklichkeit um ihn herum, indem er sie ins Lebensdienliche
verändert” also „tätig umarbeitet” (Gehlen, 1986,
S. 37). In der hegelschen Philosophie verwandelt der Mensch arbeitend die
gegebene Natur, so daß es Fortschritt und geschichliche Entwicklung gibt,
verändert darüber hinaus sich selbst (Kojève, 1996, S. 69) und
bildet so sein Bewußtsein.
[16]
Aufgrund der Tatsache, daß demnach Arbeit untrennbar mit dem Menschsein
verbunden ist, ist sie eine zentrale Kategorie in den kulturwissenschaftlichen
Disziplinen, die mehr in ihr sehen als den Rohstoff Arbeitsvermögen oder
Humankapital und eine ganzheitlichere Erfassung der Arbeit anstreben. Hier
spielen Dimensionen wie Sinngebung, Identität, sozialer Status usw. eine
entscheidende Rolle. Diese Aspekte spiegeln sich unter anderem wider in
Sprichworten, die die Rolle der Arbeit im gesellschaftlichen Leben beleuchten:
„Arbeitsschweiß an Händen hat mehr Ehre als ein goldener Ring
am Finger.”, „Nach getaner Arbeit ist gut ruhn.” oder
„Wo Arbeit das Haus bewacht, kann Armut nicht hinein.” (Siebert,
1994, S. 12).
Während
in der ökonomischen Theorie nur das zweckrationale menschliche Verhalten
betrachtet wird
[17],
will die Soziologie nach Max Weber das soziale Handeln auch aufgrund
wertrationaler, affektueller und traditionaler Kategorien erklären (Weber,
1984, S. 44). Die Bedeutung dieser Aspekte soll insbesondere in Bezug auf das
Ehrenamt, das gesellschaftlich sinnvolle Arbeit erbringt, untersucht werden,
wobei sich Fragen ergeben nach der spezifischen Leistung des Ehrenamts für
eine Gesellschaft, seinen typischen Charakteristika und der Umstände,
unter denen es zu ehrenamtlicher Tätigkeit kommt. Da es zur ehrenamtlichen
Arbeit eine große Anzahl auch empirischer Untersuchungen im
soziologischen Bereich gibt, wird an dieser Stelle auf die entsprechende
Literatur zurückgegriffen, die nicht weiter empirisch überprüft
werden soll
[18].
Besondere Berücksichtigung soll auch hier die geschlechtsspezifische
Betrachtung haben, die auch empirisch von hoher Relevanz ist.
[19] Die
so erarbeiteten Ergebnisse sollen systematisch zusammengefaßt werden zu
einem Entwurf eines erweiterten Arbeitsbegriffs, der sich am Begriff der
Tätigkeit orientieren könnte und weitere Rationalitäten neben
der ökonomischen Rationalität berücksichtigt. Er sollte
darüber hinaus das Ehrenamt als gesellschaftliche Arbeit genauer
definieren können als der ökonomische Arbeitsbegriff. Ein solcher
Entwurf wird sich wahrscheinlich nicht im Rahmen traditioneller
ökonomischer Modelle darstellen lassen, da die Komplexität der
diversen, oben genannten Rationalitäten bewußt beibehalten werden
soll. Es soll aber versucht werden, ein Schema zu entwickeln, das einen
systematischen Zugang zu diesem Arbeitsbegriff ermöglicht und den
interdisziplinären Dialog anregen kann.
3.3 Institutionalisierungsformen alternativer ArbeitsbegriffeSchließlich
soll die Institutionalisierung der Arbeit in der Lebenswelt untersucht werden.
Grundsätzlich wird davon ausgegangen, daß Strukturen, Ziele und
Ergebnisse der Arbeit gesellschaftlich geregelt (Neuberger, 1985, S. 118) und
somit gesellschaftlich gestaltbar sind. Die vorhandene Institutionalisierung
des traditionellen ökonomischen Arbeitsbegriffs als Erwerbsarbeit in der
Bundesrepublik soll beschrieben werden und deren Folgen für die Gestaltung
der sozialen Sicherungssysteme. Dann sollen aus den Reduzierungen des
Arbeitsbegriffs resultierende Ausgrenzungsmechanismen, die bestimmte
Tätigkeiten als „Nichterwerbsarbeit” definieren und somit
disqualifizieren, untersucht werden. Die Analogien zwischen den
Strukturmerkmalen des Arbeitsbegriffs in der ökonomischen Theorie (s.
erster Abschnitt) und der Institutionalisierung der Arbeit als Erwerbsarbeit am
Arbeitsmarkt sollen dargelegt werden. In der Institution Markt soll die Idee
der effiziente Allokation von Ressourcen, inkl. des Humankapitals verwirklicht
werden. Alternative und/oder komplementäre Vorstellungen des
Arbeitsbegriffs müssen auch andere Formen der Institutionalisierung
finden, um gesellschaftlich relevant zu werden, wobei die Institutionalisierung
sowohl aufgrund der Internalisierung des erweiterten Arbeitsbegriffs durch die
Akteure als auch durch staatliche Rahmenbedingungen und entsprechende
Steuerungsmaßnahmen erfolgen kann.
Die
bestehende Institutionalisierung des Ehrenamts in der Bundesrepublik soll dem
Arbeitsmarkt gegenübergestellt werden. Darüber hinaus sollen neue
Vorschläge alternativer Institutionalisierungen von Arbeit, wie sie von
Beck und anderen empfohlen werden, unter Berücksichtigung des erweiterten
Arbeitsbegriffs betrachtet und bewertet werden.
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[1]
Dieser Meinung sind beispielsweise Ulrich Beck, Iring Fetcher, André
Gorz und andere, die ihre Thesen zum Thema „Arbeit und ihre
Zukunft” im Heft 6-7, 1998 der Gewerkschaftlichen Monatshefte publiziert
haben.
[2]
Zu unterscheiden sind hier zwei gegensätzliche Positionen. Prof. Siebert,
Mitglied des Sachverständigenrats, vertritt beispielsweise eine
neoklassische Position und fordert Lohnflexibilisierung nach unten,
Deregulierung usw. zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit (Heuser, 1998, S.
20). Prof. Matzner, als Beispiel für die Gegenposition, setzt auf
geringere Zinsen, stabile Wechselkurse und weitreichende institutionelle
Regelungen z. B. des Steuersystems (Matzner, 1998, S. 5f).
[3]
Dieser Begriff soll zunächst in Abgrenzung zur Erwerbsarbeit benutzt
werden, ohne eine positive Definition davon zu geben. Eine Kritik dieses
Begriffs soll im Rahmen des dritten Teils der Arbeit erfolgen.
[4]
Neben dem Vorschlag von Ulrich Beck (Beck, 1998, S. 330f) zur Einführung
von Bürgerarbeit sei auf die Vorschläge zur Eigenarbeit in
Kooperationsringen von Offe und Heinze verwiesen (Offe, 1990).
[5]
Arbeitsleistung ergibt sich aus den knappen Mitteln Humankapital und für
die Arbeit verwandte Lebenszeit.
[6]
Das Bemühen um eine eindeutige Problemformulierung, die für das
wissenschaftliche Arbeiten notwendig ist, bedeutet nicht, daß jedes
Problem eindeutig ist bzw. eine eindeutige Lösung hat.
[7]
Ein Beispiel auf internationaler Ebene ist das Johns Hopkins Comparative
Nonprofit Sector Project, dessen interdisziplinärer Forschungsverbund fast
30 Länder umfaßt (Erhardt, 1997, S. 9).
[8]
Neben der Bürgerarbeit gibt es in der aktuellen Diskussion
Vorschläge zur Eigenarbeit, Netzwerkstrukturen, Reform des Ehrenamts usw.
[9]
Die ökonomische Theorie des Altruismus stellt einen Teilaspekt der von
Gary S. Becker entwickelten Haushalts- und Familienökonomie auf Basis des
Rational-Choice-Ansatzes dar (Becker, 1993, S. 317ff).
[10]
In dieser Frage sei auf Max Weber verwiesen, der sich explizit von dem
häufig auch gegenüber Ökonomen angeführten Vorwurf
distanziert, die individualistische bzw. rationalistische Methode mit einer
individualistischen bzw. rationalistischen Wertung zu verwechseln. „Das
ungeheure Mißverständnis jedenfalls, als ob eine
„individualistische”
Methode
eine (in
irgendeinem
möglichen Sinn) individualistische
Wertung
bedeute, ist ebenso auszuschalten, wie die Meinung: der unvermeidlich (relativ)
rationalistische Charakter der
Begriffsbildung
bedeute den Glauben an das
Vorwalten
rationaler Motive oder gar: eine positive
Wertung
des „Rationalismus”.” (Weber, 1984, S. 36)
[11]
Ein ähnliches interdisziplinäres Forschungsprogramm zur Theorie der
Arbeitsbeziehungen wird unter dem Stichwort „Arbeitspolitik”
verfolgt. Allerdings bezieht es sich ebenfalls nur auf die Erwerbsarbeit und
ist selbst nicht abschließend ausgearbeitet (Metz, 1993, S. 550ff).
[12]
Der homo oeconomicus verfolgt als Individuum rein zweckrational die
Maximierung seines Nutzens gemäß stabiler Präferenzen.
[13]
Es wird davon ausgegangen, daß sich in Lehrbüchern die
„mainstream-Theorien” finden lassen, die sich in der scientific
community durchgesetzt haben.
[14]
Der klassische Arbeitsbegriff bezieht sich hier auf die ökonomische
Theorie der Klassik, zu der u. a. Smith, Ricardo und Marx zu zählen sind.
[15]
Während sich die traditionelle Ökonomie auf marktwirtschaftliche
Prozesse beschränkt, will die feministische Ökonomie den
„Nichtmarktbereich der Haushaltsproduktion, der frauendominant
ist,” untersuchen (Zameck, 1997, S. 28).
[16]
"Durch die Arbeit kommt es aber zu sich selbst.” (das Bewußtsein)
(Kojève, 1973, S. 119)
[17]
Max Weber bezeichnet die Vorstellung, daß es konkretes soziales Handeln
geben könne, das nur der Zweckrationalität entspräche, als einen
„konstruktiven Grenzfall” (Weber, 1984, S. 46).
[18]
Beispielhaft seien hier die Darstellungen von Anheier (1997), Notz (1989) und
Backes (1987) genannt.
[19]
Etwa 80 % der unmittelbaren Hilfs- und Betreuungstätigkeit der sozialen
ehrenamtlichen Arbeit wird durch Frauen geleistet (Notz, 1989, S. 16).
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