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Beitrag zur Ersten Internationalen Erlanger Graduiertenkonferenz „PostModerne Diskurse zwischen Sprache und Macht. Erlangen 20.-22.November 1998

„Dies ist ein freier Mensch” François Mitterand [1]

Der „Kult der Kälte”: Männlichkeit und Faszination im Werk Ernst Jüngers. Ein kritischer Nachruf auf die Nachrufe.


Am 17. Februar 1998 verstarb Ernst Jünger im Alter von 102 Jahren, wenige Wochen vor seinem 103. Geburtstag am 29. März. Am darauffolgenden Tag schreibt die Berliner Zeitung von dem „Kult der Kälte”, den Jünger und seine Generation „als Selbstschutz vor Krieg, Niederlage und Inflation” um sich aufgerichtet hätten. [2]

Dieser „Kult der Kälte” scheint wie ein Motto auch über den anderen Nachrufen zu stehen, die in den Redaktionen schon bereit liegen. Immer wieder werden Motive der Kälte, der Distanziertheit, der Unberührbarkeit Jüngers bemüht, aber auch das scheinbar gegensätzliche, emotionale Motiv des Rausches. Diese beiden Motive stellen die hauptsächlichen Bestandteile der Faszination dar, die einmütig als das herausstechende Merkmal des Jüngerschen Werkes und des Autors [3] beschworen wird.
Diese Faszination mag angesichts der ‘Umstrittenheit’ Jüngers zunächst verwundern, in den Nachrufen wird die Umstrittenheit jedoch zu einem Merkmal der Faszination.

In den Nachrufen, die, für diesen Anlaß vorbereitet und immer wieder aktualisiert, keine spontane, sondern ausgewählte und durchdachte Äußerungen darstellen, werden sowohl ‘Umstrittenheit’ als auch ‘Faszination’ des Autors noch einmal formuliert. Das Ensemble der Nachrufe stellt somit eine abschließende Zusammenfassung dar, aus der sich sowohl die gegenwärtigen Züge der Wahrnehmung des Autors und seines Werkes wie auch die Konturierung zukünftiger Erinnerungen ablesen lassen. [4]

Das Schema der Berichterstattung zu Jüngers Tod stellt sich mit geringen Abweichungen folgendermaßen dar: Eine Nachricht, meist mit Foto, auf der Titelseite, berichtet vom Tod Jüngers, seinem Alter, Wohnort und wenigen Daten aus Leben und Werk. Auf weiteren Seiten, im Feuilleton oder auf den aktuellen Seiten, wird das Leben und das Werk des Autors in mehreren Beiträgen gewürdigt. Eine Sammlung von Äußerungen mehr oder weniger prominenter Zeitgenossen aus Politik und Kultur zu Jünger, seiner Bedeutung, seiner Person und seinem Werk ergänzt die Berichterstattung. Gerade durch dieses auffällige letzte Element der Zitatensammlungen äußern sich auf wenigen Seiten und innerhalb weniger Tage in den untersuchten Medien relativ viele Menschen zu Jünger. [5] Die Analyse der ergibt auch, daß es sich bei den Autoren ausschließlich um Männer handelt. Die einzige Ausnahme, soweit mir bekannt, ist Brigitte Sauzay, die als Leiterin des Sprachendienstes des französischen Außenministeriums den damaligen Staatspräsidenten François Mitterand auf seinen Reisen begleitete. Sie berichtet in der Zeit über die Begegnungen zwischen Mitterand und Jünger und über die Gespräche, die sie mit dem Präsidenten über seine Begeisterung für Jünger führte. Sie gibt ein Gespräch folgendermaßen wieder:

„Monsieur le Président, es wäre von einer Frau zuviel verlangt, diesen Schriftsteller zu lieben”, erwiderte ich. „Ich mag die ,Stahlgewitter’ nicht, hasse den Krieg, glaube nicht, daß er den wahren Menschen offenbart. Ich kann diesen virilen Elitismus nicht leiden. Noch schlimmer ist ,Auf den Marmorklippen’ , das als anti-faschistisches Buch gepriesen wird und nichts anderes ist als eine Apologie der Diktatur, das Hohelied auf eine Welt voller Verachtung für die Schwachen, den Pöbel.” ... „Ach, Sie sind nun mal eine Frau, Sie verstehen nichts davon”, lächelte Mitterrand und zuckte die Achseln .... [6]

In diesem kurzen Fragment wird der Autor Jünger in einen mehrfach geschlechtsspezifisch konnotierten Zusammenhang gestellt. Die Lesende Sauzay stellt sich selbst explizit als Frau vor, die mit der Erwartungshaltung konfrontiert ist, „diesen Schriftsteller zu lieben”, also eine höchst emotionale Beziehung aufzunehmen. Doch diese Liebe ist zuviel verlangt, denn: sie mag die Stahlgewitter nicht, sie haßt den Krieg, sie kann den virilen Elitismus nicht leiden, sie durchschaut die Mamorklippen als begeisterte Rechtfertigung für Diktatur und Verachtung der Schwachen. Ob man diese Einschätzung nun teilt oder nicht - die Antwort Mitterands zielt auf eine Ebene jenseits von Zustimmung oder Gegenargument: es scheint, als ob er ihre Einschätzung durchaus teile, nur sei sie, anders als er, aufgrund ihrer Geschlechtszugehörigkeit nicht dazu in der Lage, Jünger richtig zu verstehen. Somit habe sie zwar auf ihrer Ebene recht mit dem, was sie an seinen Werken ablehnt, er aber könne all dieses sehen und den Autor gleichzeitig auch schätzen. Dieses kann er jedoch deswegen, weil er ein Mann ist. Diese doppelte Lesart Jüngers, die die Wahrnehmung von Kriegsbegeisterung oder Verachtung der Schwachen und davon unberührter Faszination zusammenzubringen weiß, ist bei Mitterand an die Geschlechtlichkeit gebunden. Männer können Jünger verstehen, Frauen nicht. Dieses Verständnis bezieht sich jedoch nicht unbedingt auf Jüngers ideologische Positionen, sondern funktioniert unabhängig davon. Was steckt also in einer solchen, wenn auch lakonisch hingeworfenen, so doch bemerkenswert sicheren Bemerkung wie der zitierten an Gewißheiten über Männer und Frauen? Warum ist es für Mitterand ebenso selbstverständlich, Jünger mitsamt all seiner Lobeshymnen auf Krieg und Verachtung schätzen zu können, weil er ein Mann ist, wie es für Sauzay selbstverständlich ist, ihn wegen dieser Haltungen nicht lieben zu können, weil sie eine Frau ist? Welche verborgene Rezeptionsebene, so läßt sich fragen, haben Männer, die sie Jünger verstehen und schätzen läßt?

Im folgenden geht es mir darum, ausgehend von dieser anekdotisch vorgebrachten Erzählung von den geschlechtsspezifischen Lese- und Liebesreaktionen auf Jünger, Hinweise zu finden, die solche erstaunlichen Gewißheiten beider Geschlechter über die Männlichkeit in Jüngers Werk erklären können. Dabei geht es mir nicht um essentialistische Aussagen über Männer, sondern um die Konstruktionsmechanismen einer spezifischen Männlichkeit, die in den Texten über Jünger hervorsticht. Den Spuren anderer, möglicher Männlichkeitskonzepte [7] werde ich nicht nachgehen.

Die ausschließliche Reaktion männlicher Autoren auf Jüngers Tod und deren Betonung des Faszinierenden an Jünger bei gleichzeitiger Abwesenheit weiblicher Stimmen (bis auf die bereits zitierte von Brigitte Sauzay, die Jünger nicht nur nicht faszinierend findet, sondern auch die Faszination für Jünger nicht versteht und sie ablehnt) wirft also Fragen auf. Ist Ernst Jünger ein ‘Männerautor’? Welche Attraktion des Jüngerschen Leben und Werk ist es, die offensichtlich Männer über politische Lager und Generationen hinweg immer wieder zu faszinieren vermag, gleichzeitig aber Frauen gar nicht zu erreichen scheint. [8] Ich will im weiteren nicht der geschlechtsspezifischen Rezeption der Werke Jüngers nachgehen, wohl aber der Frage, welcher Art die Faszination ist, die in den Nachrufen auf Jünger deutlich wird. Ich frage mich, ob und was diese Faszination mit Bildern von Männlichkeiten zu tun hat oder aus männlichen Sehnsüchten und Selbstbildern entsteht, denen sich der Autor - in Werk und Person - als Projektionsfläche anbietet. Dabei werde ich insbesondere auf die beiden Motive von ‘Kälte’ und ‘Rausch’ eingehen, und nachzeichnen, wie in den Nachrufen mittels dieser Bilder der Begriff der ‘Faszination’ gefüllt und konturiert wird. Ich möchte dem Zusammenhang der starken Betonung von Distanz, Abstand, Einzelgängertum, Unnahbarkeit mit dem Phänomen der Faszination, die dieser Schriftsteller und sein Werk ausstrahlen, in einem Streifzug durch die Nachrufe zu Jüngers Tod in der deutschen Presse nachgehen. Die Anziehungskraft des aristokratischen Einzelgängers voller sozialer Distanz, sowohl als Jüngersche Selbstinszenierung wie auch als vornehmliche Lesart seiner Person und seiner Helden, ist dabei durchweg männlich konnotiert und in der expliziten Abgrenzung vom Weiblichen begründet.

Die Macht der Metapher

Wenn ich mich in erster Linie mit den Bildern in den untersuchten Texte beschäftige, dann vor allem wegen der nahezu unbegrenzter Fähigkeit von Metaphern , als Orte „ideologischer Inszenierungen”, (Huhnke) zu fungieren. Metaphern agieren auf der Ebene der Assoziation, der mitgelieferten Information, sie stellen die affektive Dimension von Texten oder genereller von Sprache her. Für politische Texte gilt, so der Politologe Edelman, daß mit Metaphern Argumente ins Spiel gebracht werden, die weder verifiziert noch falsifiziert werden können. [9] Die Wirksamkeit dieser ‘Argumente’ speist sich aus der Verbindung verschiedener Wirklichkeitsbereiche und den daraus erwachsenden Emotionen. ”Politische Ereignisse können so mit einem starken Affekt geladen werden, der seine Ursprung in psychischen Spannungen hat, in der Wahrnehmung von wirschaftlichen, militärischen oder sonstigen Bedrohungen und im Zusammenspiel von sozialen und psychologischen Reaktionen.” [10] Die Vielfältigkeit der Quellen, aus denen sich das emotionale Verstehen von Metaphern speist, weist weit über den politischen Raum hinaus. Es läßt sich vielmehr vermuten, daß ein Gewebe metaphorischen Vorverständnisses zur jeweiligen affektiven Aufladung wahrgenommener Metaphern unabhängig von verschiedenen Textsorten zur Verfügung steht. Bei meiner Frage nach den spezifischen Mustern der Rezeption Jüngers als ‘Faszinosum’ werde ich mich auf diese ‘Vorfabrikationen’ [11] der Sprache beziehen, aus deren Fundus spezifische Verstehensformen geschöpft, weitergegeben und neu geweckt werden.

Auf dieser Ebene und in den dort zur Anwendung gebrachten Sprachmustern vollziehen sich auch Strategien von Machtausübung und -sicherung. Die Kommunikationswissenschaftlerin Brigitte Huhnke stellt in einer eingehenden Analyse des Verhältnisses von Macht und Geschlecht in verschiedenen Printmedien fest, daß männliche Dominanz sich vor allem diskursiv, also über die Sprache in allen lebensweltlichen Kontexten durchsetzt. [12] Gerade weil die rationale Rechtfertigung männlicher Vorherrschaft immer problematischer werde, gewinne die symbolische Reproduktion patriarchaler Gewaltverhältnisse zunehmend größere Bedeutung. [13] Die Herstellung männlicher Ich-Identitäten in der Abgrenzung von allem Weiblichen verstärke diesen Prozeß von der Seite des Individuums her. [14] Worte transportieren Werte, d.h., vermittelt durch Sprachnormen und Wahnehmungsgewohnheiten rufen Worte affektive Urteile hervor - jenseits rationaler Urteile. Dieckmann spricht davon, daß Worte „die Dinge als gute oder böse, nützliche und schädliche” indizieren. [15] Dieses Eigenleben der Begriffe ist bei näherem Hinschauen reich und voller vielfältiger Traditionen, zu denen als Grundform binären Denkens immer auch die Opposition der Geschlechter und eine damit einhergehende Wertung gehört. Die Metapher selbst ist uneindeutig, aber sie öffnet über ihr Eingebundensein in ein „metaphorisches Netz” [16] den Weg zu einer Art Kommunikation der Affekte, in der eine Vielzahl von psychischen und mentalen Bedürfnissen zum Ausdruck kommen.

Mit Metaphern strukturieren Menschen ihre alltagsweltliche Erfahrung. Sie wirken auf Denkprozesse und auf daraus resultierendes Handeln (Lakoff/Johnson 1980, 3) Mit dem gezielten Einsatz wird es für die Sprachhandelnden möglich, „ihre Adressaten zu Komplizen ihrer Sichtweisen zu machen” (Brisante Wörter 1989, 663). Edelman behauptet sogar, daß sich das ganze Denken metaphorisch äußert, daß „innere oder äußere Konflikte und Leidenschaften als Katalysator unserer Bindungen an einen ausgewählten Bereich von Mythen und Metaphern wirken, der Wahrnehmungen der politischen Welt formt.” [17]

Zum Verständnis der hier angesprochenen Konflikte und Leidenschaften ist, vor allem wenn man sie an die Verhandlung von Machtzugängen bindet, eine geschlechtsspezifische Ausdeutung erforderlich. Wenn ich mich nun den Nachrufen auf Jünger aus einer solcherart skizzierten Perspektive zuwende, werde ich, unter Rückgriff auf die Ergebnisse der sich in den letzten Jahren etablierenden Männerforschung, „Männlichkeit” als ein affektives Zusammenspiel von Leidenschaften und Konflikten betrachten, das sich im umkämpften Feld der symbolischen Vorherrschaft zu behaupten sucht.


Jünger als Faszinosum

Die Nachrufe zu Jüngers Tod bescheinigen diesem übereinstimmend Größe und Bedeutung. Von „Jahrhundertfigur” [18] und „Epochenaneignung” [19], von einer „Jahrhundertgestalt”, in der sich „epochenprägende Tendenzen kristallieren” [20], von „Jahrhundertdiagnose” [21] ist die Rede. Paul Virilio sieht in ihm das „menschgewordene Jahrhundert” [22], der Schriftsteller Durs Grünbein meint, mit ihm sei „das Jahrhundert zu Grabe getragen” worden [23]. Jünger verstarb kurz vor seinem 103. Geburtstag. Angesichts dieses hohen Alters bei geistiger und körperlicher Rüstigkeit ist die Betonung dieser Zeitzeugenschaft nicht verwunderlich. Auch die Tagebücher Jüngers rechtfertigen sie: er war Beobachter und Chronist über einen Zeitraum von mehreren Generationen, denen er allen Zeitgenosse war. Er lebte über ein Jahrhundert und er erlebte fast ein ganzes Jahrhundert, auf dessen Beginn wir als auf eine weit entfernte, lang vergangene Zeit blicken. [24]

Neben der Bedeutung als langjährigem Zeitzeugen steht die Bedeutung des Schriftstellers. Die Würdigung des Schriftstellers tritt jedoch auffällig hinter der der Person zurück. Beispielsweise bei Wolf Jobst Siedler:
„Man kann nicht gerade sagen, daß Ernst Jünger einen nennenswerten Beitrag zur deutschen Literatur der letzten Jahrzehnte geleistet hätte. Aber seine Figur war immer mehr als seine literarische Produktion. Er war ein Klassiker ohne klassische Werke. ... Und doch gehörte Ernst Jünger ohne Zweifel zu den großen Gestalten unseres Jahrhunderts. Das hatte mit jener sonderbaren Unbeteiligtheit zu tun.” [25]

Die Bedeutung der Person wird über die Zeitzeugenschaft hinaus auch von denen anerkannt, die ihn als Schriftsteller eher zweitrangig finden. So schreibt Peter von Becker im Tagesspiegel, Jünger sei nach 1945 „nichts anderes als eine aparte Randfigur des literarischen Lebens” gewesen, seine Erzählungen wirkten, im Vergleich mit Kafka, Thomas Mann oder Brecht „in ihrem hölzernen, teils schwülstigen Neoromantizismus leblos”. Als wahrhaftigem Chronisten der Faszination des Tötens gebühre ihm jedoch Anerkennung, während die „Verehrung und Verklärung” die ihm entgegengebracht werde, wohl „an seinem ungeheuren, durch keine Greisenschwäche entstellten Alter" lag. [26] Auch Rudolf Augstein, der wie kein anderer die undemokratischen und antisemitischen Seiten Jüngers beleuchtet, der ihn einen „kriegsbrünstigen Abenteurer”, „Antisemit” und Feind der Weimarer Republik nennt, und der seine schriftstellerischen Qualitäten höchst ambivalent beurteilt, wenn er schreibt: „Er war ein großer Stilist - freilich immer näher am Rande des Kitsches als die beiden Antipoden Brecht und Mann.”, kommt zu dem Schluß: „ Von Jahr zu Jahr weniger umstritten, wird der Tote nun endgültig ins Pantheon erhoben werden. Mit fast 103 Jahren dürfte dies unvermeidlich sein.” [27]

Trotz solcher Beteuerungen liegt die in den Nachrufen geschilderte Faszination nicht in erster Linie in dem beeindruckenden Alter, nicht in der langjährigen Zeitzeugenschaft Jüngers und auch nicht in der Achtung vor seinem Werk begründet. Vielmehr ist es das Ineinanderfließen von Werk und Leben Jüngers und die darin zu lesende Attitüde des immer distanzierten Beobachters, die den Kern der Faszination ausmacht.

Kälte und Distanz

Kälte und Distanz gelten als vorherrschend sowohl in Jüngers Werk als auch in seinem Leben. Sie werden als Überlegenheit, als Freiheit gelesen. Jünger sei ein ”Autor der Kälte, ... ‘ohne Liebe’, ... ohne Geschichte.” [28] Die FAZ betont die Ungebundenheit und „innere Freiheit” Jüngers. [29] Für die Frankfurter Rundschau liegt die Faszination Jüngers in der „Souveränität ... mit der dieser Autor in seinem in die Literatur hineinverlagerten Leben immer neue Sinnangebote ausarbeiten konnte.” [30] Diese immer erneuerten Sinnangebote scheinen in Widerspruch zu der vielfach beteuerten Treue des Schriftstellers zu sich selbst zu stehen. [31] Sie machen aber dort Sinn, wo die ‘Souveränität’ als entscheidend gelesen wird. Jünger sein einer „der unabhängigsten, freiesten Menschen dieser Zeit”, so sein Verleger, den „Aufrichtigkeit” und radikale Unbedingtheit” auszeichnen. [32] Jünger wird als unbeeinflußbar und widerständig wahrgenommen, daran ändert auch der Wechsel politischer Auffassungen nichts. Die Kraft zur Selbstsetzung Jüngers wird häufig auch mit Nietzsches Formel vom Willen zur Macht verknüpft. [33] Die Todesnähe Jüngers als junger Soldat 1914-1918 und sein Überleben der mörderischen Schlachten wird in diesem Zusammenhang als Überwindung des Todes gelesen, die ihm die spätere Haltung der Distanz zu allem Lebenden ermöglichte. [34] Selbstsetzung, Unabhängigkeit und Ungerührtheit als wesentliche Merkmale der Distanziertheit Jüngers lassen sich in drei Figuren, die in den Nachrufen entworfen werden, eingehender betrachten: der Figur des Beobachters, des Aristokraten und des Dandys.

DIE FIGUR DES BEOBACHTERS
Die Ungerührtheit Jüngers als Daseinsform ist das von Hans-Ulrich Treichel im Tagesspiegel am meisten bemühte Motiv, wobei er das Hauptmerk auf den Beobachter legt. „Distanzierte Gelassenheit”, „sachlich registrierend”, mit „statischem Interesse an den Katastrophen” des Jahrhunderts, mit „verhaltener Ironie” die „Konturen einer katastrophischen Moderne diagnostisch” nachzeichnend und erhellend: Jünger wird hier mit den Insignien moderner Wissenschaftlichkeit ausgestattet. Seine „aristokratische Kühle”, der „Eiseshauch” seiner Unantastbarkeit bleibt jedoch suspekt, wie auch sein Blick, der die „Menschen wie Automaten oder bestenfalls wie Insekten betrachtet”. Auch sich selbst gegenüber „ungerührt und nicht ohne düsteres Pathos” beschreibt er seine Zerrissenheit Ende des Zweiten Weltkrieg. Und wirklich Insekten gleich betrachtet Jünger Menschen dann, wenn er etwa als Besatzungsoffizier in Paris gegen seinen ursprünglichen Willen die Exekution eines deutschen Deserteurs beaufsichtigt und dies mit den Worten kommentiert: „Im Grunde war es höhere Neugier, die den Ausschlag gab”. [35] Von einer „unbezweifelbar hellsichtigen, außerordentlich präzisen Neugier” spricht Wolfram Schütte [36], und Stephan Speicher, der Jünger als Wissenschaftler eher als „Hüter eines Naturalienkabinetts, nicht eines Zoos” ansieht, ist dennoch von der Schärfe seiner Beobachtung beeindruckt. [37]
Immer wieder wird die Beobachtungsfähigkeit Jüngers auch in den Dienst einer Exkulpation gestellt, indem betont wird, daß das Beschreiben der Realität nicht mit deren Befürwortung gleichzusetzen sei. Was in der Politik noch schlicht klingt [38], erhält bei Becker die Weihen feldforschender Objektivität: In den Stahlgewittern beschreibe Jünger „von innen teilnehmend und verstehend ... das erschreckende, aber wirkliche Faszinosum des Tötens und die Euphorien des Töters.” Das sei keine „Ästhetisierung des Krieges, sondern ein Stück subjektiver, sich in der Präzision des Wahrgenommenen objektivierender Wahrheit ... von betörendem Schrecken.” [39] Der gleichzeitige Verweis auf die präzise Wiedergabe der Wirklichkeit und die dadurch ausgelöste ‘Betörung’ kann einen Hinweis darauf geben, wie sehr das Beharren auf der als kühle Beobachtung gewerteten Haltung Jüngers zugleich die „Unterströmung” [40] mitträgt, mit der Jünger seine Leser zu faszinieren weiß. Unabhängig von der grundsätzlichen Frage nach dem Verhältnis von Literatur und Realität, lese ich in dieser Formel vor allem ein Unbehagen des Autors gegenüber seiner eigenen faszinierten Leselust ausgedrückt, der mit dem Verweis auf die ‘Realität’ oder ‘Wahrheit’ auszuweichen versucht wird. Dem kühlen und präzisen Beobachter Jünger wird insgesamt von allen Seiten Anerkennung gezollt. Bei Stefan Breuer heißt es sogar: „Ein Beobachter dieser Statur ist nicht zu ersetzen”. [41]

DIE FIGUR DES ARISTOKRATEN
Aus der Figur des Beobachters erwächst auch die des Aristokraten, der Distanz und Ungerührtheit thematisiert. „Die Wissenschaftlichkeit Jüngers, seine biologische Leidenschaft war die eines vornehmen und fruchtbaren Dilettanten.” [42]Der Aristokrat ist der Vornehmste [43]. Er ist einerseits durch Herkunft von der Masse abgehoben, andererseits entwickelt er Lebenshaltungen und Prinzipien, die ihn auch jenseits tatsächlich vornehmer Herkunft auszeichnen. In den Nachrufen wird Jünger häufig als Aristokrat beschrieben, und in den Zuschreibungen wird das Aristokratische an Freiheit, Distanziertheit und Überlegenheit gebunden. „Er hat das Risiko nie gescheut und dabei eine Freiheit und Gelassenheit gewonnen, die ihn in die Nähe jener Aristokraten rückt, die so viele seiner Romane bevölkern”, schreibt Breuer, und fügt hinzu: „Der kalte Blick, den man ihm bescheinigt hat, die stete gegenwärtige Distanz nicht nur zu anderen, vielmehr auch zur eigenen Person ...” kennzeichne ihn. [44] Auch Hellmuth Karasek sieht den aristokratischen Träumer, der das „Plebejertum von Faschismus und Kommunismus” nur verachtet, und die Kälte darin: „Er ließ Nähe nicht zu, seine Höflichkeit bestand aus Distanz”. Auch er ist fasziniert von dieser „scharf geschliffenen Jahrhundertfigur.” [45] Schütte beschreibt seinen „‘Aristokratismus’, der unbedingt auf nicht bloß körperliche Distanz hielt,” als „Maske einer anerzogenen Haltung ..., sich nicht ‘gemein’” zu machen. [46] In der Jungen Freiheit ist er ein „Edelmann” [47], in Focus ein „aristokratischer Anarchist, einer, der sich jeder Eingemeindung entzieht” [48], und wird dort sogar „zum letzten Ritter des letzten Kaisers”. [49]

Aristokratisches und Todesnähe Jüngers verbinden sich zur existentialistischen Überhöhung seiner Erfahrungen als ‘Meister des Überlebens’: „Was war sein Geheimnis? Etwa daß er ein ‘Herr’ war, der im Sinne der Hegelschen Phänomenologie sein Leben einsetzte und sich dadurch über die natürliche Existenz, also auch über den Tod erhob?” [50] Auch Jünger selbst stellt seine Umstrittenheit selbstbewußt in den Kontext aristokratischer Behauptung vor Gesellschaft und Tod: „Der Titel steht mir zu. Die Politik gibt nur den Anlaß, mein Verhältnis zum Tode den eigentlichen Grund. Es wirkt auf viele stimulierend, auf viele ärgerlich.” [51] Harald Hartung schließt sich dieser Selbstzeichnung Jüngers an: „Im Abenteurer, den Tod und Untergang nicht schreckten, war ein Platoniker verborgen, der das unbewegliche Zentrum hinter aller Zeit sah.” [52] Mit solchen Zuschreibungen wird Jünger den schwierigen politischen Auseinandersetzungen des Jahrhunderts entzogen, er bewegt sich quasi in einer selbstgesetzten Sphäre jenseits menschlichen und gesellschaftlichen Lebens. Die (Selbst) Inszenierung der Distanziertheit Jüngers dürfte hiermit ihren Höhepunkt erreicht haben.
In die Figur des Aristokraten fließt auch die Jüngersche Figur des Anarchen ein, etwa in Focus: ”Für das für ihn typische Einzelgängertum erfand er sich einen Titel, den des ‘Anarchen’ - ein aristokratischer Anarchist”. [53] In Eumeswil hat Jünger seinen Anarchen anschaulich vorgestellt.
Hier ist zu differenzieren: die Liebe ist anarchisch, die Ehe nicht. Der Krieger ist anarchisch, der Soldat nicht. Der Totschlag ist anarchisch, der Mord nicht. Christus ist anarchisch, Paulus nicht. Da freilich das Anarchische das Normale, so ist es auch in Paulus vorhanden und bricht zuweilen mächtig aus ihm hervor. Das sind nicht Gegensätze, sondern Stufungen. Die Weltgeschichte wird durch Anarchie bewegt. In summa: der freie Mensch ist anarchisch, der Anarchist nicht. [54]

Der Anarch hält sich alle Wege offen, die Moral gilt für ihn nicht, Regelsysteme wie Ehe, Armee, Religion auch nicht. „Der Anarch - oder auch der ‘Waldgänger’ - ist souverän und verfügt über sich und seine Rolle in der Gesellschaft. Dienst und Freiheit sind dabei keine Gegensätze”. [55] Er entscheidet immer neu, jenseits der Gesellschaft. Darin ist er der Inbegriff des freien Menschen. Die antibürgerliche Note dieser Haltung ist offensichtlich, und sie wird auch als Figur, in der des Dandys thematisiert.

DIE FIGUR DES DANDYS
Eine weitere Figur der Nichteinmischung, der ‘désinvolture’ stellt der Dandy dar. Junge Freiheit , FAZ und die tageszeitung beschreiben Jünger als Dandy, aber die Haltung überlegener, wenn auch spielerischer Gleichgültigkeit und antibürgerlicher Attitude, die den Dandy auszeichnen, finden sich z.B. auch in der Welt: „Jünger liebte die unbürgerliche Situation der Geheimdienste, Drogenkonsumenten, Piraten, die Robinsonaden, Schiffs- und Hotelbrände - und die Fremdenlegion”; sein „snobistischer Hang zum Ausgefallenen”, seine „Neigung zum Anrüchigen” prägten seine Lektüre”. [56] Focus nennt ihn einen „Autor unzeitgemäßer Gedanken und antibürgerlicher Gefühle” [57], die FAZ spricht von seinem „Heißhunger, der im Bürgertum nicht zu stillen war.” [58] Der Dandy ist jedoch kein feinsinniger Schöngeist, sondern bereit, die Welt als Material spielerischer Aneignung ohne moralische oder ästhetische Vorbehalte anzunehmen. „Die Verbindung des Dandy mit dem Soldaten scheint unbeschadet” [59], heißt es in der FAZ, und der Philosoph Hans-Georg Gadamer lobt Jüngers „Selbstdisziplin, diese Urtugend des Soldaten.” Darin ist Jünger „ein Mann, dessen Wort einen erreichte und einen nötigte.” [60] Doch das Soldatische als Tugend losgelöst vom Krieg vermag die Nachwelt nicht mehr zu verstehen: „Daß er dem Menschen in der Hölle des Krieges ein Denkmal soldatischer Tugenden gesetzt hat, ist dem Bewußtsein unserer Tage nur noch peinlich.” [61] Die Junge Freiheit beschäftigt sich deutlich am intensivsten mit dem Topos des Dandys und weist ihm die Brückenfunktion in die Gegenwart zu. Dort ist Jünger zunächst der „Dandy, der die Bürger schockte”. [62] Aus der Figur des Dandys entfaltet sich ein Mix von Ausbruchs- und Überlegenheitsphantasien, die jedoch nicht auf das Außerhalb der Gesellschaft zielen, sondern auf den souveränen Einsatz im gesellschaftlichen Machtspiel. So erscheint Jünger dort als Abenteurer, der die „Ausbruchserfahrung”, die „Intensität des Lebens” und unvermittelte Erlebnisse sucht, wobei diese Suche nach „Grenzerfahrung” als dem Prinzip des Dandyismus folgend beschrieben wird.. Der Dandy ist das „überlegende Individuum”, er „verachtet die Masse und jede Mittelmäßigkeit”. Er ist fasziniert von der Macht, aber läßt sich nicht zu Machtspielen provozieren. „Den Willen zur Macht hat er sublimiert zum Willen zum Stil.” [63] Bei Jünger selbst lautet das: „Meine heutige Wertung ist nicht politischer, sondern stilistischer Natur.” [64] Deutlich programmatisch interpretiert der Historiker Günter Maschke Jüngers Werk als Auftrag: „Heute ist die Lage ungleich schwieriger, doch gerade deshalb ist das Erlernen der Jüngerschen désinvolture unsere oberste Pflicht.” [65]
Für die tageszeitung ist Jünger „ein rabaukischer Dandy und Fachautor für national-revolutionäre Kriegsprosa”, weiterentwickelt zum „Gestus der heiter gelassenen Nichtbefaßtheit”. [66] Dort wird im Zuge des Versuchs, Jünger vor „bloß ideologiekritischer Betrachtung” zu retten, auch auf Frankreich verwiesen, wo man Jünger, statt ihn als „kriegsverherrlichend und ‘präfaschistisch’” zu denunzieren, „als bohemistisch-dandyhaften Artisten” zu nehmen weiß. [67] Das Ideal ungerührter Selbstbezogenheit wird im Bild des Dandy sowohl auf die Gesellschaft hin (Soldat) als auch gegen sie (Bürgerschreck) gewandt. Dem Dandy ist es egal, in welchen Bezug zur Gesellschaft er sich stellt, denn seine Beweggründe zum Handeln haben mit ihr nichts zu tun: „Insofern scheint es mir, daß ich damals unter mein Niveau gegangen bin, aber nicht deshalb, weil ich mich als Nationalist, sondern weil ich mich überhaupt beteiligte.” [68]
Der Wille zum Stil geriert sich so als Phantasma der Selbstschöpfung ohne Bezüge zur umgebenden Welt, die nur als Material der Selbstinszenierungen von Interesse ist: „Stil als Mittel der narzißtischen Selbstdarstellung, aber auch der Distinktion, der Perfektion, des Raffinements, der Provokation und der Exekution. Die Subjektivität des Individuums und seine gesellschaftlichen Ambitionen werden eingeschmolzen in die Rituale der Selbststilisierung ...”. [69] Der Dandy Jünger wird in einem weiteren Schritt zum modernen coolen Held konvertieren, dessen Lebensprinzipien anders als die der „bürgerlich-spießigen Klientel” [70] der zeitgenössischen Jugend attraktiv erscheinen können.


Coolheit - der kühle Rausch


„Von Nüchternheit und Notwendigkeit berauscht” lautet die zentrale Bildunterschrift im Spiegel, dann bezeichnet er Jünger als „coolen Dandy”, der in seiner „antibürgerlichen Vision ... Geschwindigkeitsrausch ... und die nüchterne Brutalität des Daseinskampfes” miteinander verschmelzt. [71] Die Sehnsucht nach dem Rauschhaften hat schon der frühe Jünger: „Als Jünger sich 1914 freiwillig meldete, sucht er ... das gleiche ‘Afrika, das er durch die Fremdenlegion hatte erreichen wollen - das Wilde, Elementare, Nicht-Reglementierte.” [72] Die Suche nach den Räuschen wird er beibehalten, dazu kommt jedoch paradoxe permanente Versuch, die Räusche unter Kontrolle zu halten, Rausch und Souveränität in einem kühlen Rausch miteinander zu verbinden. Die Coolheit zeitgenössischer Jugendkulte schließt an einen solchen Gestus unmittelbar an.

Wenn der zu Beginn dieses Aufsatzes zitierte Speicher den Kult der Kälte im Dienste einer Trennung von Resten ‘sentimentaler Bürgerlichkeit’ sieht, verstanden als Ablehnung jeglicher humanitärer Rücksichtnahme, möchte ich diese Lesart in Frage stellen. Kälte und Sentiment schließen sich nicht aus: einmal verbinden sie sich in der Lust an der Kälte selbst, zum anderen steht hinter dem Kult der Kälte, wenn er wie hier als Ungerührtheit und Härte gemeint ist, immer die Trennung in Objekte der Kälte und Orte der Erwärmung. Der Jüngerschen Ungerührtheit angesichts der Härten und Grausamkeiten in den Schützengräben des ersten Weltkrieges steht das Gefühl von überwältigendem Glück in existentiellen Momenten entgegen. So schreibt sein Bruder Fritz nach einer schweren Verwundung: „In die tödliche Ermattung, in der ich mich befand, drang jetzt ein Bewußtsein des Glückes ein, das sich mehr und mehr verstärkte und das sich Wochen hindurch bei mir erhielt.” [73] Und Jünger selbst am Rande des Todes in der Schlacht: „Und seltsamerweise gehört dieser Augenblick zu den ganz wenigen, von denen ich sagen kann, daß sie wirklich glücklich gewesen sind. In ihm begriff ich, wie durch einen Blitz erleuchtet, mein Leben in seiner innersten Gestalt ... Dort war weder Krieg noch Feindschaft mehr.” [74]
Der Kult der Kälte findet hier seine Grenze in der existentiellen Erfahrung der Todesnähe, die Kälte in Glück verwandelt. Indem diese Wandlung jedoch einer Erhebung oder Entrückung gleichkommt, und nicht von Angst oder Schmerz gezeichnet ist, bleibt sie dem Kult der Kälte dennoch verhaftet: im Motiv der Ungerührtheit, die es ermöglicht, Erfahrungen von Schmerz und Todesnähe in Glück zu transformieren. Die Ambivalenz und das oft Paradoxe solcher Lesarten läßt sich auch mit dem Begriff des kalten Rausches fassen: Der Rausch der Ungerührtheit. So registriert Curt Hohoff zustimmend schon beim frühen Jünger „unsentimentale Härte und die Verachtung des selbstverschuldeten Jammers”, eine Haltung, die sich letztendlich als Faszination auf Generationen von Lesern übertragen habe. [75] Eine andere Lesart, die ebenfalls die Wendung von Berührung in Ungerührtheit, von Passivität in das Phantasma der Aktivität beschreibt, bietet Breuer an: „Jünger hat die Übermacht der Todesmaschinerie, der technisch-administrativen Gewalt, nur ertragen, indem er sich mit dem Aggressor identifizierte. Was ihm angetan worden war, sollte nun auch anderen angetan werden. Vor daher der Sadismus, der seine Kriegstagebücher durchzieht.” [76]

Das Motiv von Kälte und Rausch als kühler Betrachtung des Rauschhaften finden wir auch bei Schütte, der Jünger als einen beschreibt, der „in extremen Selbsterfahrungen einen extrem kühlen Kopf zu bewahren” sucht. Treichel besteht noch deutlicher auf der Verbindung von Distanziertheit und Leidenschaften in der Haltung Jüngers: auch die „archivarische Liebe zur belebten und unbelebten Natur” des Käfersammlers Jünger sei eng mit dessen „Vorlieben und Interessen ... für Räusche und Katastrophen , für Krieg und Gewalt verwoben.” So habe Jünger den Jäger immer für den Bruder des Kriegers gehalten, und als solcher versteht er sich, wenn er den „Feldrain zur Heerstraße” wandelt. Solche Erkenntnisse widersprechen der gemeinhin vertretenen These, der späte Jünger habe mit dem martialischen der Jugend nichts mehr gemein, sie zeigen aber auch wie sehr die verschieden Formen der Rauscherfahrung - Krieg, Archivieren, Jagen, Sammeln - die Form kühler Leidenschaftlichkeit annehmen können.

DROGEN
Die Jüngersche Kälte ist also nicht ohne Rausch zu denken, und dieser Rausch eröffnet ihm vor allem die antibürgerlich gestimmten Herzen. Nicht nur Rotwein und Champagner, auch illegale Drogen wie LSD, gehörten zu Jüngers Rauschmitteln. Seine Berichte über die Einnahme von Haschisch und LSD in den siebziger Jahren ebneten ihm langfristig den Weg in das seinen Kriegsgelüsten vielleicht weniger zugeneigte alternative Milieu. In der Taz dient die Drogenerfahrung Jüngers und seine Berichte darüber der Eingemeindung in die „Linke”: der antibürgerliche Effekt des Drogenkonsums ist das verbindende Glied. [77]

Jünger selbst hat seine LSD-Räusche als Kälte-Räusche, die ihm den Ansprüchen der Welt entziehen, beschrieben:
„Der ‘Schnee’ vereist. ... Wenn das Gehirn einfriert und sich zu einem Eisblock wandelt, kann
es ebensowenig Gedanken bilden, wie sich am Nordpol Wasser aus einem Eimer gießen oder aus einem Brunnen sprühen läßt. ... Dafür wächst das Bewußtsein geistiger Gegenwart und Macht. Das Gehirn denkt nicht mehr dieses oder jenes, es fühlt sich selbst in seiner unbeschränkten Fülle ...Damit entfällt viel Täuschung, auch Einbeziehung in die Ansprüche der Welt.” [78]

Daß es der kühle Rausch, und nicht die Droge ist, die Jünger sucht, hat auch der Schriftsteller Ian Buruma beobachtet: „Jünger hat den Drogenrausch brillant beschrieben. Mit kalter Präzision benannte er das heiße Erlebnis des Rausches - hervorgerufen durch Drogen oder Gewaltanwendung. Dem Nachkriegsdeutschland hat es an Rausch gefehlt”. [79] Seine letzte Bemerkung führt zur Aktualität der Jüngerschen Rauscherlebnisse.

TECHNO
Eine „Verwandtschaft des Protestgestus der Beat-Generation mit jugendbewegten, Jüngerschen Sentiments” [80] konstatiert die Junge Freiheit . Die Modernität Jüngers im Sinne aktueller Jugendkultur wird durch seine Eingemeindung in die Raverkultur oder Techno-Szene jedoch noch deutlicher als in den Konzepten von Dandyismus, Drogenrausch oder Beat-Kultur. Unter dem programmatischen Titel „Der erste deutsche Raver. Ernst Jünger: Stoff für jugendliche Gemüter, nicht für Bürger auf der Suche nach einem Ersatz-Goethe” polemisiert die Junge Freiheit gegen brave Klassiker und „konservative Breitcord- und Jankerträger”. [81] Jüngers „Lebe gefährlich” sei die Devise jugendlicher Gemüter und er selbst „ein Autor für die Menschen, die tatsächlich im Hier und Jetzt leben.” Jünger gilt hier als der Prophet eines echten, „nackten und rohen” Lebens. Er blende ein, was eine aufgeklärte Gesellschaft ausblende. Moderne High-Tech-Welt und Kontrollgesellschaft stehe der Behauptung und Erfahrung des Lebens entgegen. Mit solcherlei zivilisationskritischen Tönen fühlen sich die Autoren im Gefolge Jüngers: „Ein neuer Tanz kann bedrohlicher werden, als jede Kritik”, wird dieser fast drohend zitiert. Doch auch ihnen gilt das Prinzip des Rausches nichts ohne das der Kälte: „Der Anarch ist einsam. ... Seine Wirklichkeit ist Ruhe und Rausch.”

Auch die tageszeitung findet Jünger in der Techno-Szene wieder. Harald Fricke schreibt über den Techno-Poeten Rainald Goetz und dessen Auffassung, daß Techno am Rande zum Absturz angesiedelt sei, und folgert:

„Hierin zumindest trifft sich die Sehnsucht nach Auflösung und Auslöschung im ewigen Basswummbeat mit dem Endzeitpathos bei Ernst Jünger (außerdem gehören beide zur Drogenfraktion, die einen guten Trip als von ‘Erleben beseelte’ Experience schätzen.) Für einen Skandal taugt ein solches Bekenntnis wenig, schließlich hatte Goetz im Nachruf auf Jünger explizit die Affinität zum Thema gemacht: „Daß der Tod, den er im Übermut der Jugend herausgefordert hatte, ein überlanges Leben nicht von ihm weichen wollte - das vielleicht schrecklichste, traurigste und menschlichste Bild seines Lebens.” [82]

Hier verkennt Goetz - und mit ihm Fricke - daß ein solches trauriges Bild eines individuellen anderen Lebens für Jünger selbst völlig uninteressant war. Räusche oder Berührungen außerhalb distanzierter Selbsterfahrung spielten für ihn keine Rolle. Das Menschliche war ihm - zumindest was die Inszenierung seiner Person angeht - fern. Schütte beschreibt eindringlich die soziale Beschränktheit des Konzepts der Selbstbezogenheit:
„Ernst Jüngers Ahumanismus, wo nicht sogar Antihumanismus legte eine harsche Kälte-Zone um seine Person und sein Werk,” ebenso wie sein „demonstratives Desinteresse an der ‘sozialen Frage’, an Ethik und Moral, die nicht allein dem erkennenden Ich gelten. Grenzerfahrungen, die seiner ‘désinvolture’, auf die er sich soviel zugute hielt, verschlossen blieben.” [83]


Heiß oder Kalt - Temperaturen als Geschlechterthermometer

Das Konzept der Kälte in Jüngers Werk wie auch in der Inszenierung und Wahrnehmung seines Lebens ist skizziert. Begreifen wir ‘Kalt’ als metaphorischen Begriff, so eröffnet er, zusammengenommen mit seiner binären Entsprechung ‘Heiß’ einen Raum von Konnotationen, der auch Hinweise auf die geschlechtsspezifische Bedeutung dieser Begriffe gibt. Die konnotativen Zuordnungen auch zu den Geschlechtern können im historischen Verlauf allerdings erheblich verändern oder sogar in ihr Gegenteil verkehren. [84]

Die Empfindung von ‘heiß’ oder ‘kalt’ ist zunächst ein alltägliches, sinnlich tief verankertes, allgemeingültiges und gegenwärtiges Erfahrungsmuster, das sich damit zur Metaphorisierung hervorragend eignet und dementsprechend verbreitet ist. [85] Die Verfestigung von Erfahrungen in Metaphern entspricht dem weiter oben vorgestellten Prozeß der „Vorfabrikation” von Wahrnehmungen, die als Alltagsassoziationen wiederkehren.
‘Heiß’ bedeutet in einem solchen Verständnis ‘gefährlich’, aber auch spannend und interessant, wie etwa ‘heiße Sache’, ‘heißer Tip’, ’heißer Draht’. ‘Heiß’ ist gleichzeitig stark geschlechtlich konnotiert, was sich in Formulierungen wie ‘heiß’ für geschlechtlich erregt, ‘heiße Frau’, ‘heißer Typ’ oder ‘heiße Nummer’ ausdrückt. Diese Ausdrücke sind - wenn auch sehr umgangssprachlich - durchaus positiv wertend, die Bedeutungen von ‘gefährlich’ und ‘spannend’ schwingen weiterhin mit.

Ein erster Blick auf Jüngers Konzepte von Abenteurertum, Kriegsbegeisterung, Jagd-- und Sammlerleidenschaft, Drogenrausch und erotischem Draufgängertum könnte also durchaus den Assoziationsraum ‘Heiß’ nahelegen. Doch genau das Gegenteil ist der Fall: Kälte und Kühle bestimmen eindeutig, wenn nicht ausschließlich, das Vokabular der Nachrufe.

Der Assoziationsraum ‘Kalt’ ist, anders als ‘heiß’, vorwiegend negativ konnotiert. ‘Kalt’ ist ebenso wie ‘heiß’ auch ein geschlechtlicher Begriff. Er fungiert als Chiffre für sexuelle Kälte, für die Unfähigkeit zum sexuellen Genuß. In der vulgären Ausdeutung von kalt = frigide= Kühlschrank zeigt sich seine negative und abwertende Potenz.
‘Kalt’ bezieht sich jedoch vor allem auf den Gefühlsbereich. Ein ‘kalter Mensch’ gilt als unangenehm, ein ‘kalter Blick’ als abwertend, eine ‘kalte Stimme’ als zurückweisend. Die Anwendung des Begriffs ist unweigerlich negativ wertend. Erst in geschlechtsspezifischer Verteilung lassen sich auch positive Werte finden. So schwingt in den genannten Ausdrücken die Konnotation ‘Macht’ immer mit: nur ein Mächtiger wagt es, diese Form der Gefühlskälte auszuspielen. Diese Konnotation ist aber an Männlichkeit gebunden. Für Frauen im öffentlichen Leben ist es vernichtend, als kalt zu gelten. Huhnke zitiert ein Beispiel aus dem Spiegel, in dem Hillary Clinton mit Vokabeln der Kälte und der Härte abgewertet wird: „Da bebte die sprayharte Schwungtolle über Hillarys hoher Stirn, da blitzten gletscherkalt die blauen Augen, da mischte sich Gift in ihre Stimme” [86]. Männlichkeit ist hingegen durchaus an Härte und Kälte gebunden. Über Jünger schreibt Augstein: „Er badete jeden Morgen kalt, was ihn hart ankam.” [87]

Nimmt man als Drittes den eigentlich vermittelnden Begriff der ‘Wärme’ hinzu, so zeigt sich der geschlechtsspezifische Konnotationsgehalt der Temperaturen noch deutlicher. ‘Wärme’ ist als weibliche Eigenschaft positiv und hoch willkommen, im Kontext mit Männlichkeit entwickelt sie hochgradig abwertende Potenz, gekoppelt mit stark geschlechtlicher Bedeutung. So lebt der ‘warme Bruder’ als verachteter Homosexueller nicht nur im Gegensatz zum ‘kalten Krieger’ (Franz Josef Strauß), sondern auch in den ‘Warmduschern’ , als die die aus den Weltmeisterschaftsspielen 1998 ausgeschiedenen deutschen Fußballer tituliert wurden, fort. Den kalten Bädern Jüngers haben sie nichts entgegenzusetzen.

Eine positive Wertung von ‘kalt’ findet jedoch auch im Jugendjargon statt: ‘Cool’ ist eine außerordentlich positiv besetzte Vokabel, die in ihrem Anwendungsbereich kaum Schranken findet. Der oben zitierte „coole Dandy” ist dafür ein hervorragendes Beispiel, gerade weil es von den historischen Konnotationsbereichen der beiden Begriffe her eigentlich völlig unpassend ist. ‘Cool’ funktioniert aber vor allem als positive Chiffre von Distanziertheit und Überlegenheit, ein ‘cooler Typ’ ist jemand, der sich nicht aus der Ruhe bringen läßt, der macht, was er will, der sich, aus der Perspektive der Jugend, von ‘den Erwachsenen’, also dem Regelwerk der bürgerlichen Gesellschaft, nichts sagen läßt.
In dem Begriff des ‘Coolen’, zusammengenommen mit der Machtdimension und der damit verbundenen männlichen Konnotation der ‘Kälte’, finden sich also tatsächlich die entscheidenden Elemente der aktuellen Rezeption Jüngers wieder. Die begriffliche Verwendung im Spiegel, vor allem aber die explizite Lesart in der Jungen Freiheit zeigen die Sensibilität für diese Zusammenhänge.

Ist es zunächst erstaunlich, daß ein negativer Begriff wie ‘kalt’ soviel Bewunderung und Fasziniertheit auslöst, wie es im Falle der Jüngerschen Kälte geschieht, so trägt die geschlechtsspezifische Ausleuchtung maßgeblich zum Verständnis dieser Faszination bei.


Weiblichkeit

In den Nachrufen wird, wie auch in Jüngers Werk, nur wenig über Männlichkeit oder Weiblichkeit explizit geäußert. In einer Welt des „höheren Indianerspiels”, wie sich Thomas Mann einmal über Jünger äußerte [88], braucht es keine Frauen. Um bei dem Bild zu bleiben: was allen squawgeschädigten Mitspielenden eine Selbstverständlichkeit ist, leuchtet denen, die für gewisse symbolische Handlungen auf die Schwester von Winnetou zurückgreifen wollen, selten ein. Das Feuilleton scheint, bis auf wenige Ausnahmen, das Weibliche bei Jünger nicht zu vermissen. Eine Ausnahme ist Becker im Tagesspiegel. Er beschreibt die Werke Jüngers als „eingesperrt in eine Männerwelt, der die weibliche Hälfte fehlt - jene androgyne Phantasie, die seit Shakespeare fast alle Weltliteratur (auch die homosexueller Autoren) als Erfahrung und Vorstellung bestimmt.” [89] Mit diesem analysierenden, abgrenzenden Blick auf den Jüngerschen Kosmos, gehört Becker zu den wenigen, die dieses augenfällige Merkmal der Schriften Jüngers überhaupt bemerken. Ohne dem nachgehen zu wollen, was diese „weibliche Hälfte” denn ausmachen könnte, kann der Mangel an „androgyner Phantasie” als treffsichere Beschreibung für die monosexuelle Gefühlswelt der Jüngerschen Helden einerseits und die entweder abwesende oder holzschnittartig gezeichnete Zweigeschlechtlichkeit gelten. [90] Auch die Feststellung Hartungs, ”das Weibliche spielt in seinem Werk so gut wie keine Rolle” unterstreicht vor allem die Reduziertheit des Weiblichen bei Jünger, wenn sie sich auf den auf Heiner Müller zurückgehenden Ausspruch bezieht, „bevor Frauen für ihn eine Erfahrung sein konnten, war es der Krieg.” [91] Diese Anspielung auf Jüngers Jungfräulichkeit wird dem Begehren Jüngers nach einer männlichen Welt nicht gerecht. Daß Sexualität in Jüngers Werk vor allem der Inszenierung von Macht dient, steht dem nicht entgegen. [92] Leben und Werk begegnen sich auch hier: „Otto Weiniger, der versuchte, die sittliche und seelische Minderwertigkeit der Frau nachzuweisen, der Marquis de Sade ... und die Geschichten aus Tausendundeiner Nacht entzückten ihn mit ihrer so märchenhaften wie brutal-erotischen Poesie”. [93] Und als Besatzungsoffizier in Paris notiert er genüßlich: „Dort eine Revue mit nackten Frauen vor einem Parkett von Offizieren und Beamten der Besatzungsarmee mit einem Pelotonfeuer von Sektpfropfen. Die Körper gut gewachsen bis auf die Füße... Auch tritt das Hahnenhafte der gallischen Rasse stark hervor. Les poules.” [94]
Jüngers Beziehungen zum Weiblichen erreichen nur die Ebene schablonenhafter Nutzbarmachung weiblicher Sexualität. Bei allen Rauscherfahrungen fehlt die von Liebe und Erotik vollständig, die Figur des Liebenden kommt nichtvor.

Auch Jüngers antisozialer Gestus richtet sich insofern gegen das Weibliche, als er das Soziale mit der verachteten Welt des Bürgers identifiziert, die zugleich als weibliche konzipiert ist. [95] Der Bürger bei Jünger ist damit weiblich, Antipode des männlichen Anarchen. Die Jüngersche Welt kennt damit weder Männer noch Frauen, sondern sie wird bevölkert von ‘weiblichen’ Bürgern und ‘männlichen’ Männern.

Männlichkeit
Der Bezug der Nachrufenden auf die Männerwelt Jüngers ist, wie wir gesehen habe, vor allem impliziter oder schlaglichtartiger Natur. Die tageszeitung , insgesamt bemüht, Jünger als antibürgerliche Figur zu würdigen und das „platte Etikett ‘faschistischer Ästhetik’” [96] nicht weiter zu bemühen, bezeichnet an anderer Stelle seine Biographie als Mischung aus „Rationalität und Rausch, aus Stil und Männerphantasie” [97] und sein Werk als „Macho- und Landserstil” [98]. Einen analytischen Zugang zu Männlichkeit oder Männerphantasien, zu männlicher Leserschaft oder männlicher Ästhetik bieten die Nachrufe nicht. Dabei bietet die moderne Männlichkeitsforschung durchaus fruchtbare Ansätze, den hier aus der Perspektive der Nachrufe eröffneten Raum männlicher Ideale zu deuten. Ein wesentliches Ergebnis maskulinistischer Männerforschungen [99] ist die Behauptung und versuchte (Re) Etablierung spezifischer Männerräume, die in strenger Abgrenzung von den Frauen explizit als männlich deklarierte Werte verkörpern, in die die Jungen/ Männer vermittels verbindlicher Rituale eingeführt werden. [100] Dieses Muster getrennter Räume, scharf von einander abgesetzter geschlechtsspezifischer Werte und initierender sowie männerverbindender Rituale zeichnet nicht nur dieses spezifische Genre moderner Männlichkeitssuche aus, sondern stellt gleichzeitig den Gegenstand analysierender Männlichkeitsforschung dar. Von Theweleits Männerphantasien bis zu den jüngsten historischen Forschungen George L. Mosses oder psychoanalytisch ausdeutender Literaturwissenschaft wird die männliche Identitätsentwicklung in das Spannungsverhältnis von der Loslösung von der mütterlichen/weiblichen Welt der Geborgenheit hin zu einer immer in Abgrenzung dazu zu bestimmenden Welt der Männlichkeit gestellt. Männlichkeit ist danach vor allem ein höchst fragiles Konstrukt, das der ständigen Bestätigung und Erneuerung bedarf. Alle Einbrüche des Weiblichen, in diesem Konstrukt zu verstehen als die tätigen Werte der sorgenden und pflegenden frühkindlichen (weiblichen) Betreuungspersonen, gefährden die Stabilität der Männlichkeit. [101] „Er hat all diese Sümpfe durchschritten und dabei seine faszinierende Klarheit behalten”, schreibt die Junge Freiheit . Diese Leistung habe er mithilfe einer „Dressur des Blickes” bewältigt, die als „permanente Technik der Wachheit ...das kleinste Detail, den geringsten Hinweis” erfassen könne. [102] Heftige Kontrollphantasien verbinden sich hier mit einer Beschreibung der Welt als feindlichem Sumpf, dem es zu entfliehen gilt. Theweleit hat es in seinen Männerphantasien in bislang unübertroffener Intensität und Nachdrücklichkeit verstanden, den Entstehungs- und Wirkungsgeschichten einer solchen Phantasmen nachzuspüren. Bezogen auf die Freikorpsangehörigen, junge Veteranen des Ersten Weltkriegs, beschreibt er eine Generation, zu der auch Ernst Jünger gehört. Die Bedeutung des ‘Sumpfes’ als bedrohliches Phantasma der um ihre Körpergrenzen ringenden soldatischen Männer hat er ausführlich belegt. [103] Auf die Bedeutung des kontrollierenden Blickes zur Abwehr der drohenden Subjektverlustes in der ‘Masse’ hat Weigel hingewiesen. [104] Doch Jünger ist kein soldatischer Mann, sondern ein Anarch mit soldatischen Tugenden. Anders als die Männer, deren Lebensgeschichten sich Theweleit zuwendet, ist er nie Kadett gewesen. Er ging als Freiwilliger in den Krieg, ohne die Offiziersschule besucht zu haben. Aus dieser Perspektive läßt sich eines der augenfälligsten Spannungsverhältnisse in seinem Werk beschreiben: Jünger teilt die männlichen Werte seiner Generation soldatischer Männer, aber sie waren ihm nicht in dem Maße ‘durch den Körper gegangen’ (oder in ihn hinein geprügelt) wie den Kadetten Theweleits. Daraus erwächst seine mal als romantisch[105], mal als kitschig[106], mal als pennälerhaft[107] beschriebene Freiheit gegenüber diesen Werten. Seine Disziplin - das ist der aristokratische Geist Jüngers - ist die des Vornehmen, des Freien. Er ist der Herr, nicht der Knecht seiner Tugenden. Ihm sind die soldatischen Tugenden Material seiner Selbstinszenierung, wie auch der seiner Helden. Seine Helden gehorchen in Würde allein den Zwängen einer in sie hineingewachsenen Tradition. Die Figur des Anarchen, die Jünger stets begleitete, ist Ausdruck dieser Freiheit und m.E. der Kern seiner in viele Richtungen anschlußfähigen Anziehungskraft. Der Anarch ist die ambivalente Figur dessen, der die männlichen Werte lebt, ohne sich in die Zwangsverhältnisse männlicher Identität und männlicher Hierarchien zu begeben. Inwieweit ein solcher Entwurf mehr als ein Phantasma sein kann, soll hier, auch für die Person Jünger selbst, nicht entschieden werden. Sicher ist aber, daß darin ein Potential steckt, männliche Sehnsüchte nach Unabhängigkeit, Souveränität und Distanziertheit sogar den eigenen Leidenschaften gegenüber anzusprechen, ohne den brüchigen Zustand männlicher Identität ins Auge fassen zu müssen. Der „Gestus der kulturkritischen Subversion und die Flucht in eine behagliche Metaphysik des Unberührtseins von den Anfechtungen der Gegenwart” [108] kommt damit nicht allein der Sehnsucht neuer Rechter und alter Linker entgegen, wie Herzinger in der Zeit meint, sondern vor allem der männlichen Sehnsucht nach Selbstinszenierung und Ungerührtheit.

Schlußbemerkung

Die Faszination, die Jünger auslöst, so läßt sich vorerst zusammenfassen, scheint in einem Werk und einer Biographie zu liegen, die dem Phantasma von Selbstschöpfung und Souveränität als Bestandteil verbreiteter moderner Männlichkeitskonstrukte Nahrung gibt. Der ‘Kult der Kälte’, von dem Stephan Speicher in Bezug auf die Nachkriegsgeneration nach dem Ersten Weltkrieg spricht, wirkt in solchem Licht wie ein früher Vorläufer eines aktuellen Kults der Coolheit, der sich als Chiffre für Männlichkeit überhaupt darstellt. Ein Blick in die Würdigungen Jüngers anläßlich seines sechzigsten Geburtstages 1965 fällt ebenfalls auf anerkennende Schilderungen ungerührter Distanziertheit. So schreibt Ernst Niekisch:

Augenmensch ist Ernst Jünger in der Tat, wobei ebensosehr an das körperliche wie an das geistige Auge zu denken ist. Jünger will sehen, will eine Sache bis in ihre letzten Tiefen durchdringen, will das Bild, das er gewinnt, nicht durch Gefühlseinflüsse irgendwelcher Art verzerrt, verschönt oder verhäßlicht in sich aufnehmen. ... So erklärt sich die Haltung der kühlen Distanz, die er allen Dingen und auch Menschen gegenüber an den Tag legt.

Aber er behandelte den Krieg nicht, um menschliche Tapferkeit zu feiern oder um in die Abgründe der Unmenschlichkeit des Krieges hinabzublicken: kühl und nüchtern beobachtete er, wie sich der Krieg durch die Technisierung gewandelt hatte. [109]

Beobachtung und Blickkontrolle, Gefühlskälte und kühle Distanz, Nüchternheit im Zentrum des Grauens: es scheint, als ob die durch Kälte und Rausch vermittelte Faszination an ein spezifisches Männlichkeitskonstrukt anschließt, das über politische Lager und Generationen hinweg prägend ist. Daß Ernst Jünger an einem warmen, sonnigen Frühlingstag beerdigt wurde, hielt der junge Chefredakteur der Jungen Freiheit für unpassend. Angemessen wäre Donner und Blitz, Hagel und Graupelschauer gewesen. [110]





Quellen
Berliner Zeitung
18.2.98 :3 (BZa) Stefan Breuer: Der Krieg ist unser Vater, er hat uns gezeugt.
:3;12 (BZb) Das Jahrhundert in einem Leben: Schriftsteller, Gelehrte und Künstler
über Ernst Jünger.
:11 (BZc) Stephan Speicher: Mit dem Scherenfernrohr.

Frankfurter Allgemeine Zeitung
18.2.98 :1 (FAZa) Ernst Jünger gestorben.
: (FAZb) An der Zeitmauer. Stimmen zum Tode von Ernst Jünger.
: (FAZc) Harald Hartung: Staunend vor dem ungeheuren Jahrhundert.
19.2.98 : (FAZd) Zerrissene Seele. Reaktionen auf den Tod Ernst Jüngers.
23.2.98 :35 (FAZe) Frank Schirrmacher: Besuche in der Dämmerung. Uhrzeit, Sonnenzeit,
Sanduhrzeit - In Wilflingen wurde Ernst Jünger beerdigt.

Frankfurter Rundschau
18.2.98 :3 (FRa) Wolfram Schütte: Jahrhundert-Gestalt.
:8 (FRb) Harro Segeberg: Wege und Irrwege einer Epochenaneignung.

Der Tagesspiegel
18.2.98 :25 (TSa) Hans-Ulrich Treichel: Forscher der menschlichen Natur.
:25 (TSb) Hellmuth Karasek: Jahrhundertfigur.
22.2.98 : (TSc) Peter von Becker: Homer des Krieges.
23.2.98 :25 (TSd) Kanzler Kohl würdigt Ernst Jünger.

die tageszeitung
18.2.98 :3 (TAZa)Erhard Schütz: Das Leben baut Totes ein.
:3 (TAZb)Klaus Modick: „...das jedes Ding viele Seiten hat”. Eine Mixtur aus
Verwandtschaft und Feindschaft: die kulturelle Linke und Jünger.
23.2.98 :10 (TAZc)Harry Nutt: Das Lob der Widersprüchlichkeit.
: (TAZd)Unterm Strich: zur Beerdigung von E. J.
27.2.98 : (TAZe)Wiglaf Droste: Ernst Jünger lebt: Brei auf Stelzen marschiert weiter.
7./8.3.98:13f (TAZf) Harald Fricke: Hohepriester der Vivisektion. Über Renè Magritte.
:14 (TAZg)Harry Nutt: „In manche Arena gestürmt”. Ein Gespräch mit Walter Jens.
2./3.5.98: (TAZh)Harald Fricke: Im Club der dichten Dichter. Anschwellendes
Kriegsgetrommel. Über Reinhold Goetz’ Erzählung ‘Rave’.

Die Welt
18.2.98 :1 (Wa) Ernst Jünger starb im Alter von 102 Jahren.
:3 (Wb) Curt Hohoff: Ein Augenmensch, der tief ins Innerste sehen wollte.

Focus
23.2.98 : (Fa) Helmut Markwort: Empfehlungen für einen jungen Mann.
:46f (Fb) Stefan Sattler/Rainer Schmitz: Jenseits von Gut und Böse.
Den Anfechtungen unseres Jahrhunderts hielt er stand: der Tod eines
Unzeitgemäßen.
:47 (Fc) Zitate

Junge Freiheit
20.2.98 :1 (JFa) Ganzseitiges Foto im Stil einer Todesanzeige.
:3 (JFb) Dieter Stein im Gespräch mit Heimo Schwilk: „Ein Ozean erfüllter
Augenblicke”. Zum Tod von Ernst Jünger.
:4f (JFc) Von den Toten zu den Titanen. Intellektuelle äußern sich gegenüber der
Jungen Freiheit zum Tode des Dichters Ernst Jünger.
27.2.98 : (JFd) Jürgen Hatzenbichler/Manuel Ochsenreiter: Der erste deutsche Raver.
: (JFe) Michael Meyer: Ein Dandy, der die Bürger schockte.
: (FJf) Dieter Stein: Ein heiterer und privater Abschied vom letzten Krieger.
(JFg) Rolf Hochhuth: Ein Anarch auf großer Fahrt.

Der Spiegel
23.2.98 :3 (SPa) Hausmitteilung
:204ff (SPb) Anarch des Jahrhunderts.
:206f (SPc) Rudolf Augstein, Das Selbst als inneres Erlebnis.

Die ZEIT
19.2.98 :13f (Za) Thomas Assheuer: Der beste Feind der Moderne. Ästhet des Schreckens,
Chronist des Jahrhunderts, Poet der Käfer.
:14 (Zb) Richard Herzinger: Spät entdeckte Leitfigur. Warum Ernst Jüngers
Werk bei Linksintellektuellen salonfähig wurde.
:15 (Zc) Jürgen Busche: Die Macht ehrt den Geist. Helmut Kohl besuchte den
Dichter und fand kein Thema.
:15 (Zd) Brigitte Sauzay: „Ein Stück Deutschland”. Mitterand und Jünger - die
Dolmetscherin erinnert sich.
Jünger, Ernst, In Stahlgewittern, 32. Auflage Stuttgart 1990.
Sämtliche Werke, Stuttgart 1983.


Literatur

  1. Arnold, Patrick M., Männliche Spiritualität. Der Weg zur Stärke. Mit einem Vorwort von Robert Bly, a. d. Amerik. von Thomas Poppe, Kösel-Verlag, München 1994.
  2. Berger, Peter L.; Luckmann, Thomas, Die gesellschaftliche Konstruktion der Wirklichkeit. Eine Theorie der Wissenssoziologie, Frankfurt am Main 1987.
  3. Betcher, R. William//und William Pollock, Die Ferse des Achilles, München/ Leipzig 1993.
  4. Dieckmann, Walter, Sprache in der Politik. Einführung in die Pragmatik zur Semantik der politischen Sprache, Heidelberg 1969.
  5. Edelman, Murray, Politik als Ritual. Die symbolische Funktion staatlicher Institutionen und politischen Handelns, Frankfurt am Main 1990.
  6. Engelfried, Constance, Männlichkeiten. Die Öffnung des feministischen Blicks auf den Mann, Weinheim und München 1997.
  7. Erhart, Walter/Britta Herrmann (Hg.), Wann ist der Mann ein Mann? Zur Geschichte der Männlichkeit, Stuttgart/Weimar 1997.
  8. Farbige Säume. Ernst Jünger zum Siebzigsten Geburtstag, Stuttgart 1965.
  9. Gottschalch, Wilfried, Männlichkeit und Gewalt. Eine psychoanalytisch und historisch soziologische Reise in die Abgründe der Männlichkeit, Weinheim und München 1997.
  10. Hagemann-White, Carlo/ Maria S. Rerrich (Hg.), FrauenMännerBilder. Männer und Männlichkeit in der feministischen Diskussion, Bielefeld 1988.
  11. Heringer, Hans Jürgen, "Ich gebe Ihnen mein Ehrenwort". Politik, Sprache, Moral, München 1990.
  12. Huhnke, Brigitte, Macht, Medien und Geschlecht. Eine Fallstudie zur Berichterstattungspraxis der dpa, der taz sowie der Wochenzeitungen Die Zeit und Der Spiegel von 1980-1995, Opladen 1996.
  13. Laqueur, Thomas, Auf den Leib geschrieben. Die Inszenierung der Geschlechter von der Antike bis Freud, Frankfurt am Main 1992.
  14. Mosse, George L., Das Bild des Mannes. Zur Konstruktion der modernen Männlichkeit, Frankfurt am Main 1997.
  15. Rohr, Richard, Der wilde Mann. Geistliche Reden zur Männerbefreiung, München 1990.
  16. Theweleit, Klaus, Männerphantasien Bd.1, Reinbek bei Hamburg 1987.
  17. Bd.2, Frankfurt am Main 1978.
  18. Weigel, Sigrid, Topographien der Geschlechter. Kulturgeschichtliche Studien zur Literatur, Reinbek bei Hamburg 1990.

[1] zitiert nach Wb
[2] „Der Kult der Kälte diente als Selbstschutz einer von Krieg, Niederlage und Inflation demoralisierten Generation, die sich in der Krise auch von den Rückständen sentimentaler Bürgerlichkeit trennte. Nach der nationalsozialistischen Katastrophe fiel diese Haltung in sich zusammen, das hat Jüngers Geltung geschadet”, Stephan Speicher in der Berliner Zeitung am 18.2.98.
[3] Die Nachrufe beziehen sich natürlich mehr auf den Autor als auf sein Werk, dennoch ist es erstaunlich, wie wenig Jünger tatsächlich als Schriftsteller gewürdigt wird, und wieviel mehr seine Person als Träger der Faszination herausgestellt wird, wobei eine Vermischung der Helden seiner Werke mit Jüngers Vita selbst augenscheinlich ist.
[4] Der Textkorpus umfaßt die Nachrufe auf Ernst Jünger in den Tageszeitungen Berliner Zeitung, Der Tagesspiegel , die tageszeitung , Frankfurter Allgemeine Zeitung , Frankfurter Rundschau , Die Welt , den Wochenzeitungen Junge Freiheit und Die Zeit sowie den Wochenmagazinen Der Spiegel und Focus in der Zeit vom 18.2.98 bis 23.2.98.
[5]Ich habe 69 Personen gefunden, die sich unter ihrem Namen zu Jüngers Tod schriftlich äußerten. Die meist namenlos gebliebenen Verfasser/innen der Nachrichten sind hierbei nicht berücksichtigt. 68 Männer gegenüber einer Frau äußern sich direkt zu Jünger. Nimmt man die in verschiedenen Artikeln zitierten Aussagen anderer Personen zu Jüngers Tod hinzu, stellt sich dieses Verhältnis noch extremer dar: die Anzahl der sich äußernden Männer steigt an, Brigitte Sauzay bleibt die einzige Frau. Schriftstellerinnen, Journalistinnen, Politikerinnen - sie alle scheinen sich zu Jünger nicht zu äußern oder werden nicht zu ihm befragt.
[6] Zd
[7] Zu dem modernen Forschungskonzept, von ‘Männlichkeiten’ anstelle von ‘Männlichkeit’ zu sprechen, vergl. Erhart/Herrmann, Der erforschte Mann?, in: Erhart/Herrmann, S. 3-31.
[8] Es wäre interessant, der Frage nachzugehen, ob und in welcher Weise Jünger geschlechtsspezifisch rezipiert wurde und wird. Mir liegen keine Untersuchungen dazu vor. Auch die Rezeptionskanäle zu untersuchen wäre interessant: Schule und Universität vermittelten nach meiner Erfahrung Jünger zumindest in den siebziger und achtziger Jahren nicht. Das mag sich geändert haben. Möglicherweise gibt es eine familiale Vermittlung Jüngers, vor allem seiner frühen Schriften, zwischen den männlichen Generationen.
[9] zit. nach Huhnke, S. 111.
[10] Edelman, zit. nach Huhnke S. 82
[11] Berger/Luckmann, S. 25.
[12] Huhnke 1996, vgl. hierzu besonders S. 18.
[13] In diesem Zusammenhang finde ich die Beobachtung von Huhnke interessant, daß sich vor allem im Feuilleton Sprachmuster zur Verunglimpfung weiblicher Ansprüche auf Teilhabe an gesellschaftlicher und symbolischer finden lassen. Vergl. Huhnke 1996, S. 186, 228.
[14] vergl. Huhnke 1996, S. 57
[15] Dieckmann, S. 53.
[16] Heringer, S. 62.
[17] Huhnke, S. 84.
[18] TSb
[19] FRb
[20] FRa
[21] FRb
[22] FAZb
[23] FAZb
[24] von einem „Uralten” spricht mystifizierend der Lyriker Karl Mickel, während Adolf Endler an eine noch zu Lebzeiten Jüngers von ihm formulierte spöttische Beschreibung erinnert, in der er Jünger als „hundertjährige mystagogische Knallerbse” bezeichnet. BZb Nicht nur in der Wortwahl bleibt er der einzige, der mit Spott und der Versagung von Ehrfurcht auf Jünger zu reagieren wagt.
[25] BZb
[26] TSc
[27] SPc
[28] BZc
[29] „Er sah sich ja selbst als den Unverbundenen, als Anarch, der seine innere Freiheit unter allen Umständen bewahrt.” FAZc
[30] FRb
[31] z.B. Hermann Kant:„Immerhin, der Mann war konsequent, und da bleibt Achtung nicht aus.” BZb; Kritischer Joachim Fest: „Er hat zwar immer darauf bestanden, daß er sich in allen Turbulenzen nie gewandelt habe und immer bei sich selbst geblieben sei. ... Tatsächlich war er aber viel unruhiger, stärker erfaßt und sogar getrieben vom Zeitenwandel, als er je wahrhaben wollte.” Diese Lesart weist auch auf die Anstrengung Jüngers hin, das Bild seiner Ungerührtheit aufrecht zu erhalten. Doch auch Fest spricht ihm schließlich „starke Unbeirrbarkeit” zu. BZb
[32] BZb
[33] SPb; JFe, BZb
[34] BZa, auf das Motiv der Todesnähe und Todessehnsucht Jüngers in den Nachrufen werde ich nicht weiter eingehen. Es wäre jedoch ebenfalls eine lohnende Untersuchung.
[35] TSa
[36] FRa
[37] „Doch hat die Distanz des Ernst Jünger zu seiner Zeit auch einen Blick von einzigartiger Schärfe hervorgebracht und Beobachtungen, die bleiben werden.” BZc
[38] z.B. Erwin Teufel, Ministerpräsident von Baden Württemberg: ”Zu Unrecht wird Jünger geschmäht, denn Kriegsbeschreibung ist eben nicht mit Kriegsverherrlichung gleichzusetzen.” TSd.
[39] TSc
[40] BZb
[41] BZa
[42] BZc
[43] Brockhaus in fünfzehn Bänden, München 1997.
[44]BZa
[45] TSb
[46] FRa
[47] JFc
[48] Fb
[49] Fb, dort eingeführt als Zitat aus der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
[50] BZa
[51] FAZc
[52] FAZc
[53] Fb
[54] Eumeswil, Sämtliche Werke, Bd. 17, S. 41
[55] JFb
[56] Wb
[57] Fb
[58] FAZc
[59] FAZa
[60] FAZb
[61] Wb
[62] JFe
[63] JFe
[64] zitiert nach TAZa
[65] JFc
[66] TAZa
[67] TAZb
[68] zitiert nach TAZa
[69] JFe
[70] JFe
[71] SPb
[72] BZa
[73] In Stahlgewittern , S. 203
[74] ibid., S. 317
[75] Wb
[76] BZa
[77] TAZb
[78] JFe
[79] FAZb
[80] JFc
[81] JFd
[82] TAZh
[83] FRa
[84] Die Bedeutung von ‘heiß’ und ‘kalt’, bezogen auf männliche und weibliche Körper war z.B. in der griechischen Antike, aber auch in der frühen Neuzeit, geradezu gegenteilig verteilt. Vergl. Laqueur.
[85] mir bekanntes jüngstes Beispiel ist der gerade erschienene Roman „Bald” von Stephan Krawczyk, der in die Abschnitte „Kalt”, „Wärmer”, „Heiß” und „Kühl” unterteilt ist. Volk & Welt 1998.
[86] Der Spiegel 4.10.93, zit. nach Huhnke, S. 208
[87] SPc
[88] zit, nach SPb
[89] TSb
[90] eine eingehendere Betrachtung der Begegnungen von Männern und Frauen in Jüngers Werk würde allerdings nicht allein einen ‘naiven’ Mangel an ‘androgyner Phantasie’, sondern auch eine aggressive Abwehr weiblicher Subjektivität zu Tage bringen.
[91] FAZc
[92] Ein bezeichnendes Beispiel aus dem Roman Eumeswil: ”‘Um die Gunst buhlen’: das ist auch eine Kunst. Die Redensart ist vermutlich von einem erfunden, dem es wie dem Fuchs mit den Trauben ging. Allerdings, wenn der Buhler erst im Kabinett sitzt, ändern die Dinge sich. Die Masse erkennt dann, wie die Liebste, freudig ihren Herrn, nachdem sie ihn ins Kämmerlein gelassen hat.” Eumeswil, Sämtliche Werke Bd. 17, S.16. Zur Symbolisierung von Sexualität und Weiblichkeit in Jüngers Tagebüchern s. auch Weigel, 1990, S. 142, 149ff.
[93] Wb
[94] SPb
[95] vergl. Der Arbeiter , Sämtliche Werke Bd. 8, hier besonders S. 28.
[96] TAZb
[97] TAZc
[98] TAZg
[99] vergl. zu diesem Begriff und insgesamt zu einem Überblick zur und Kategorisierung von Männerforschung Engelfried, S. 39-57. Einen Überblick über Männerforschung in verschiedenen Disziplinen geben auch Erhart/Herrmann, Der erforschte Mann?, in Erhart/Herrmann, S. 3-31.
[100] z. B. Arnold, Betcher, Rohr
[101] vergl. hierzu Engelfried, Erhart/Herrmann, Gottschalch, Hagemann-White, Mosse
[102] JFc
[103] Theweleit 1987, besonders S. 403ff
[104] Weigel 1990, besonders S. 193ff
[105] JFc
[106] SPc; TAZc
[107] TAZa, über die Afrikanischen Spiele : „eine der schönsten männlichen Jugenphantasmen”.
[108] Zb
[109] Ernst Niekisch, Die Gestalt des Arbeiters, in: Farbige Säume S. 93-98, hier S. 94.
[110] JFf
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