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Gabriele
Kämper, Weserstraße 6, 12047 Berlin, Tel. 623 59 21,
e-mail:gkaetjge@mailszrz.zrz.tu-berlin.de Beitrag zur Ersten Internationalen Erlanger Graduiertenkonferenz „PostModerne Diskurse zwischen Sprache und Macht. Erlangen 20.-22.November 1998 „Dies ist ein freier Mensch” François Mitterand [1]Der „Kult der Kälte”: Männlichkeit und Faszination im Werk Ernst Jüngers. Ein kritischer Nachruf auf die Nachrufe.Am
17. Februar 1998 verstarb Ernst Jünger im Alter von 102 Jahren, wenige
Wochen vor seinem 103. Geburtstag am 29. März. Am darauffolgenden Tag
schreibt die
Berliner
Zeitung
von dem „Kult der Kälte”, den Jünger und seine Generation
„als Selbstschutz vor Krieg, Niederlage und Inflation” um sich
aufgerichtet hätten.
[2]
Dieser
„Kult der Kälte” scheint wie ein Motto auch über den
anderen Nachrufen zu stehen, die in den Redaktionen schon bereit liegen. Immer
wieder werden Motive der Kälte, der Distanziertheit, der
Unberührbarkeit Jüngers bemüht, aber auch das scheinbar
gegensätzliche, emotionale Motiv des Rausches. Diese beiden Motive stellen
die hauptsächlichen Bestandteile der
Faszination
dar, die einmütig als das herausstechende Merkmal des Jüngerschen
Werkes und des Autors
[3]
beschworen wird.
Diese
Faszination mag angesichts der ‘Umstrittenheit’ Jüngers
zunächst verwundern, in den Nachrufen wird die Umstrittenheit jedoch zu
einem Merkmal der Faszination.
In
den Nachrufen, die, für diesen Anlaß vorbereitet und immer wieder
aktualisiert, keine spontane, sondern ausgewählte und durchdachte
Äußerungen darstellen, werden sowohl ‘Umstrittenheit’
als auch ‘Faszination’ des Autors noch einmal formuliert. Das
Ensemble der Nachrufe stellt somit eine abschließende Zusammenfassung
dar, aus der sich sowohl die gegenwärtigen Züge der Wahrnehmung des
Autors und seines Werkes wie auch die Konturierung zukünftiger
Erinnerungen ablesen lassen.
[4] Das
Schema der Berichterstattung zu Jüngers Tod stellt sich mit geringen
Abweichungen folgendermaßen dar: Eine Nachricht, meist mit Foto, auf der
Titelseite, berichtet vom Tod Jüngers, seinem Alter, Wohnort und wenigen
Daten aus Leben und Werk. Auf weiteren Seiten, im Feuilleton oder auf den
aktuellen Seiten, wird das Leben und das Werk des Autors in mehreren
Beiträgen gewürdigt. Eine Sammlung von Äußerungen mehr
oder weniger prominenter Zeitgenossen aus Politik und Kultur zu Jünger,
seiner Bedeutung, seiner Person und seinem Werk ergänzt die
Berichterstattung. Gerade durch dieses auffällige letzte Element der
Zitatensammlungen äußern sich auf wenigen Seiten und innerhalb
weniger Tage in den untersuchten Medien relativ viele Menschen zu Jünger.
[5]
Die Analyse der ergibt auch, daß es sich bei den Autoren
ausschließlich um Männer handelt. Die einzige Ausnahme, soweit mir
bekannt, ist Brigitte Sauzay, die als Leiterin des Sprachendienstes des
französischen Außenministeriums den damaligen Staatspräsidenten
François Mitterand auf seinen Reisen begleitete. Sie berichtet in der
Zeit
über die Begegnungen zwischen Mitterand und Jünger und über die
Gespräche, die sie mit dem Präsidenten über seine Begeisterung
für Jünger führte. Sie gibt ein Gespräch
folgendermaßen wieder:
„Monsieur
le Président, es wäre von einer Frau zuviel verlangt, diesen
Schriftsteller zu lieben”, erwiderte ich. „Ich mag die
,Stahlgewitter’ nicht, hasse den Krieg, glaube nicht, daß er den
wahren Menschen offenbart. Ich kann diesen virilen Elitismus nicht leiden. Noch
schlimmer ist ,Auf den Marmorklippen’ , das als anti-faschistisches Buch
gepriesen wird und nichts anderes ist als eine Apologie der Diktatur, das
Hohelied auf eine Welt voller Verachtung für die Schwachen, den
Pöbel.” ... „Ach, Sie sind nun mal eine Frau, Sie verstehen
nichts davon”, lächelte Mitterrand und zuckte die Achseln ....
[6] In
diesem kurzen Fragment wird der Autor Jünger in einen mehrfach
geschlechtsspezifisch konnotierten Zusammenhang gestellt. Die Lesende Sauzay
stellt sich selbst explizit als Frau vor, die mit der Erwartungshaltung
konfrontiert ist, „diesen Schriftsteller zu lieben”, also eine
höchst emotionale Beziehung aufzunehmen. Doch diese Liebe ist zuviel
verlangt, denn: sie mag die Stahlgewitter nicht, sie haßt den Krieg, sie
kann den virilen Elitismus nicht leiden, sie durchschaut die
Mamorklippen
als begeisterte Rechtfertigung für Diktatur und Verachtung der Schwachen.
Ob man diese Einschätzung nun teilt oder nicht - die Antwort Mitterands
zielt auf eine Ebene jenseits von Zustimmung oder Gegenargument: es scheint,
als ob er ihre Einschätzung durchaus teile, nur sei sie, anders als er,
aufgrund ihrer Geschlechtszugehörigkeit nicht dazu in der Lage,
Jünger richtig zu verstehen. Somit habe sie zwar auf ihrer Ebene recht mit
dem, was sie an seinen Werken ablehnt, er aber könne all dieses sehen und
den Autor gleichzeitig auch schätzen. Dieses kann er jedoch deswegen,
weil er ein Mann ist. Diese doppelte Lesart Jüngers, die die Wahrnehmung
von Kriegsbegeisterung oder Verachtung der Schwachen und davon unberührter
Faszination zusammenzubringen weiß, ist bei Mitterand an die
Geschlechtlichkeit gebunden. Männer können Jünger verstehen,
Frauen nicht. Dieses Verständnis bezieht sich jedoch nicht unbedingt auf
Jüngers ideologische Positionen, sondern funktioniert unabhängig
davon. Was steckt also in einer solchen, wenn auch lakonisch hingeworfenen, so
doch bemerkenswert sicheren Bemerkung wie der zitierten an Gewißheiten
über Männer und Frauen? Warum ist es für Mitterand ebenso
selbstverständlich, Jünger mitsamt all seiner Lobeshymnen auf Krieg
und Verachtung schätzen zu können, weil er ein Mann ist, wie es
für Sauzay selbstverständlich ist, ihn wegen dieser Haltungen nicht
lieben zu können, weil sie eine Frau ist? Welche verborgene
Rezeptionsebene, so läßt sich fragen, haben Männer, die sie
Jünger verstehen und schätzen läßt?
Im
folgenden geht es mir darum, ausgehend von dieser anekdotisch vorgebrachten
Erzählung von den geschlechtsspezifischen Lese- und Liebesreaktionen auf
Jünger, Hinweise zu finden, die solche erstaunlichen Gewißheiten
beider Geschlechter über die Männlichkeit in Jüngers Werk
erklären können. Dabei geht es mir nicht um essentialistische
Aussagen über Männer, sondern um die Konstruktionsmechanismen einer
spezifischen Männlichkeit, die in den Texten über Jünger
hervorsticht. Den Spuren anderer, möglicher Männlichkeitskonzepte
[7]
werde ich nicht nachgehen.
Die
ausschließliche Reaktion männlicher Autoren auf Jüngers Tod und
deren Betonung des Faszinierenden an Jünger bei gleichzeitiger Abwesenheit
weiblicher Stimmen (bis auf die bereits zitierte von Brigitte Sauzay, die
Jünger nicht nur nicht faszinierend findet, sondern auch die Faszination
für Jünger nicht versteht und sie ablehnt) wirft also Fragen auf. Ist
Ernst Jünger ein ‘Männerautor’? Welche Attraktion des
Jüngerschen Leben und Werk ist es, die offensichtlich Männer
über politische Lager und Generationen hinweg immer wieder zu faszinieren
vermag, gleichzeitig aber Frauen gar nicht zu erreichen scheint.
[8]
Ich will im weiteren nicht der geschlechtsspezifischen Rezeption der Werke
Jüngers nachgehen, wohl aber der Frage, welcher Art die Faszination ist,
die in den Nachrufen auf Jünger deutlich wird. Ich frage mich, ob und was
diese Faszination mit Bildern von Männlichkeiten zu tun hat oder aus
männlichen Sehnsüchten und Selbstbildern entsteht, denen sich der
Autor - in Werk und Person - als Projektionsfläche anbietet. Dabei werde
ich insbesondere auf die beiden Motive von ‘Kälte’ und
‘Rausch’ eingehen, und nachzeichnen, wie in den Nachrufen mittels
dieser Bilder der Begriff der ‘Faszination’ gefüllt und
konturiert wird. Ich möchte dem Zusammenhang der starken Betonung von
Distanz, Abstand, Einzelgängertum, Unnahbarkeit mit dem Phänomen der
Faszination, die dieser Schriftsteller und sein Werk ausstrahlen, in einem
Streifzug durch die Nachrufe zu Jüngers Tod in der deutschen Presse
nachgehen. Die Anziehungskraft des aristokratischen Einzelgängers voller
sozialer Distanz, sowohl als Jüngersche Selbstinszenierung wie auch als
vornehmliche Lesart seiner Person und seiner Helden, ist dabei durchweg
männlich konnotiert und in der expliziten Abgrenzung vom Weiblichen
begründet.
Die Macht der MetapherWenn
ich mich in erster Linie mit den Bildern in den untersuchten Texte
beschäftige, dann vor allem wegen der nahezu unbegrenzter Fähigkeit
von Metaphern , als Orte „ideologischer Inszenierungen”, (Huhnke)
zu fungieren. Metaphern agieren auf der Ebene der Assoziation, der
mitgelieferten Information, sie stellen die affektive Dimension von Texten oder
genereller von Sprache her. Für politische Texte gilt, so der Politologe
Edelman, daß mit Metaphern Argumente ins Spiel gebracht werden, die weder
verifiziert noch falsifiziert werden können.
[9]
Die Wirksamkeit dieser ‘Argumente’ speist sich aus der Verbindung
verschiedener Wirklichkeitsbereiche und den daraus erwachsenden Emotionen.
”Politische Ereignisse können so mit einem starken Affekt geladen
werden, der seine Ursprung in psychischen Spannungen hat, in der Wahrnehmung
von wirschaftlichen, militärischen oder sonstigen Bedrohungen und im
Zusammenspiel von sozialen und psychologischen Reaktionen.”
[10]
Die Vielfältigkeit der Quellen, aus denen sich das emotionale Verstehen
von Metaphern speist, weist weit über den politischen Raum hinaus. Es
läßt sich vielmehr vermuten, daß ein Gewebe metaphorischen
Vorverständnisses zur jeweiligen affektiven Aufladung wahrgenommener
Metaphern unabhängig von verschiedenen Textsorten zur Verfügung
steht. Bei meiner Frage nach den spezifischen Mustern der Rezeption
Jüngers als ‘Faszinosum’ werde ich mich auf diese
‘Vorfabrikationen’
[11]
der Sprache beziehen, aus deren Fundus spezifische Verstehensformen
geschöpft, weitergegeben und neu geweckt werden.
Auf
dieser Ebene und in den dort zur Anwendung gebrachten Sprachmustern vollziehen
sich auch Strategien von Machtausübung und -sicherung. Die
Kommunikationswissenschaftlerin Brigitte Huhnke stellt in einer eingehenden
Analyse des Verhältnisses von Macht und Geschlecht in verschiedenen
Printmedien fest, daß männliche Dominanz sich vor allem diskursiv,
also über die Sprache in allen lebensweltlichen Kontexten durchsetzt.
[12]
Gerade weil die rationale Rechtfertigung männlicher Vorherrschaft immer
problematischer werde, gewinne die symbolische Reproduktion patriarchaler
Gewaltverhältnisse zunehmend größere Bedeutung.
[13]
Die Herstellung männlicher Ich-Identitäten in der Abgrenzung von
allem Weiblichen verstärke diesen Prozeß von der Seite des
Individuums her.
[14]
Worte transportieren Werte, d.h., vermittelt durch Sprachnormen und
Wahnehmungsgewohnheiten rufen Worte affektive Urteile hervor - jenseits
rationaler Urteile. Dieckmann spricht davon, daß Worte „die Dinge
als gute oder böse, nützliche und schädliche” indizieren.
[15]
Dieses Eigenleben der Begriffe ist bei näherem Hinschauen reich und voller
vielfältiger Traditionen, zu denen als Grundform binären Denkens
immer auch die Opposition der Geschlechter und eine damit einhergehende Wertung
gehört. Die Metapher selbst ist uneindeutig, aber sie öffnet
über ihr Eingebundensein in ein „metaphorisches Netz”
[16]
den Weg zu einer Art Kommunikation der Affekte, in der eine Vielzahl von
psychischen und mentalen Bedürfnissen zum Ausdruck kommen.
Mit
Metaphern strukturieren Menschen ihre alltagsweltliche Erfahrung. Sie wirken
auf Denkprozesse und auf daraus resultierendes Handeln (Lakoff/Johnson 1980, 3)
Mit dem gezielten Einsatz wird es für die Sprachhandelnden möglich,
„ihre Adressaten zu Komplizen ihrer Sichtweisen zu machen”
(Brisante Wörter 1989, 663). Edelman behauptet sogar, daß sich das
ganze Denken metaphorisch äußert, daß „innere oder
äußere Konflikte und Leidenschaften als Katalysator unserer
Bindungen an einen ausgewählten Bereich von Mythen und Metaphern wirken,
der Wahrnehmungen der politischen Welt formt.”
[17] Zum
Verständnis der hier angesprochenen Konflikte und Leidenschaften ist, vor
allem wenn man sie an die Verhandlung von Machtzugängen bindet, eine
geschlechtsspezifische Ausdeutung erforderlich. Wenn ich mich nun den Nachrufen
auf Jünger aus einer solcherart skizzierten Perspektive zuwende, werde
ich, unter Rückgriff auf die Ergebnisse der sich in den letzten Jahren
etablierenden Männerforschung, „Männlichkeit” als ein
affektives Zusammenspiel von Leidenschaften und Konflikten betrachten, das sich
im umkämpften Feld der symbolischen Vorherrschaft zu behaupten sucht.
Jünger als FaszinosumDie
Nachrufe zu Jüngers Tod bescheinigen diesem übereinstimmend
Größe und Bedeutung. Von „Jahrhundertfigur”
[18]
und „Epochenaneignung”
[19],
von einer „Jahrhundertgestalt”, in der sich
„epochenprägende Tendenzen kristallieren”
[20],
von „Jahrhundertdiagnose”
[21]
ist die Rede. Paul Virilio sieht in ihm das „menschgewordene
Jahrhundert”
[22],
der Schriftsteller Durs Grünbein meint, mit ihm sei „das Jahrhundert
zu Grabe getragen” worden
[23].
Jünger verstarb kurz vor seinem 103. Geburtstag. Angesichts dieses hohen
Alters bei geistiger und körperlicher Rüstigkeit ist die Betonung
dieser Zeitzeugenschaft nicht verwunderlich. Auch die Tagebücher
Jüngers rechtfertigen sie: er war Beobachter und Chronist über einen
Zeitraum von mehreren Generationen, denen er allen Zeitgenosse war. Er lebte
über ein Jahrhundert und er erlebte fast ein ganzes Jahrhundert, auf
dessen Beginn wir als auf eine weit entfernte, lang vergangene Zeit blicken.
[24] Neben
der Bedeutung als langjährigem Zeitzeugen steht die Bedeutung des
Schriftstellers. Die Würdigung des Schriftstellers tritt jedoch
auffällig hinter der der Person zurück. Beispielsweise bei Wolf Jobst
Siedler:
„Man kann nicht gerade sagen, daß Ernst Jünger einen
nennenswerten Beitrag zur deutschen Literatur der letzten Jahrzehnte geleistet
hätte. Aber seine Figur war immer mehr als seine literarische Produktion.
Er war ein Klassiker ohne klassische Werke. ... Und doch gehörte Ernst
Jünger ohne Zweifel zu den großen Gestalten unseres Jahrhunderts.
Das hatte mit jener sonderbaren Unbeteiligtheit zu tun.”
[25] Die
Bedeutung der Person wird über die Zeitzeugenschaft hinaus auch von denen
anerkannt, die ihn als Schriftsteller eher zweitrangig finden. So schreibt
Peter von Becker im
Tagesspiegel,
Jünger sei nach 1945 „nichts anderes als eine aparte Randfigur des
literarischen Lebens” gewesen, seine Erzählungen wirkten, im
Vergleich mit Kafka, Thomas Mann oder Brecht „in ihrem hölzernen,
teils schwülstigen Neoromantizismus leblos”. Als wahrhaftigem
Chronisten der Faszination des Tötens gebühre ihm jedoch Anerkennung,
während die „Verehrung und Verklärung” die ihm
entgegengebracht werde, wohl „an seinem ungeheuren, durch keine
Greisenschwäche entstellten Alter" lag.
[26]
Auch Rudolf Augstein, der wie kein anderer die undemokratischen und
antisemitischen Seiten Jüngers beleuchtet, der ihn einen
„kriegsbrünstigen Abenteurer”, „Antisemit” und
Feind der Weimarer Republik nennt, und der seine schriftstellerischen
Qualitäten höchst ambivalent beurteilt, wenn er schreibt: „Er
war ein großer Stilist - freilich immer näher am Rande des Kitsches
als die beiden Antipoden Brecht und Mann.”, kommt zu dem Schluß:
„ Von Jahr zu Jahr weniger umstritten, wird der Tote nun endgültig
ins Pantheon erhoben werden. Mit fast 103 Jahren dürfte dies unvermeidlich
sein.”
[27] Trotz
solcher Beteuerungen liegt die in den Nachrufen geschilderte Faszination nicht
in erster Linie in dem beeindruckenden Alter, nicht in der langjährigen
Zeitzeugenschaft Jüngers und auch nicht in der Achtung vor seinem Werk
begründet. Vielmehr ist es das Ineinanderfließen von Werk und Leben
Jüngers und die darin zu lesende Attitüde des immer distanzierten
Beobachters, die den Kern der Faszination ausmacht.
Kälte und DistanzKälte
und Distanz gelten als vorherrschend sowohl in Jüngers Werk als auch in
seinem Leben. Sie werden als Überlegenheit, als Freiheit gelesen.
Jünger sei ein ”Autor der Kälte, ... ‘ohne Liebe’,
... ohne Geschichte.”
[28]
Die
FAZ
betont die Ungebundenheit und „innere Freiheit” Jüngers.
[29]
Für die
Frankfurter
Rundschau
liegt die Faszination Jüngers in der „Souveränität ... mit
der dieser Autor in seinem in die Literatur hineinverlagerten Leben immer neue
Sinnangebote ausarbeiten konnte.”
[30]
Diese immer erneuerten Sinnangebote scheinen in Widerspruch zu der vielfach
beteuerten Treue des Schriftstellers zu sich selbst zu stehen.
[31]
Sie machen aber dort Sinn, wo die ‘Souveränität’ als
entscheidend gelesen wird. Jünger sein einer „der
unabhängigsten, freiesten Menschen dieser Zeit”, so sein Verleger,
den „Aufrichtigkeit” und radikale Unbedingtheit” auszeichnen.
[32]
Jünger wird als unbeeinflußbar und widerständig wahrgenommen,
daran ändert auch der Wechsel politischer Auffassungen nichts. Die Kraft
zur Selbstsetzung Jüngers wird häufig auch mit Nietzsches Formel vom
Willen zur Macht verknüpft.
[33]
Die Todesnähe Jüngers als junger Soldat 1914-1918 und sein
Überleben der mörderischen Schlachten wird in diesem Zusammenhang als
Überwindung des Todes gelesen, die ihm die spätere Haltung der
Distanz zu allem Lebenden ermöglichte.
[34]
Selbstsetzung, Unabhängigkeit und Ungerührtheit als wesentliche
Merkmale der Distanziertheit Jüngers lassen sich in drei Figuren, die in
den Nachrufen entworfen werden, eingehender betrachten: der Figur des
Beobachters,
des
Aristokraten
und des
Dandys. DIE
FIGUR DES BEOBACHTERS
Die
Ungerührtheit Jüngers als Daseinsform ist das von Hans-Ulrich
Treichel im
Tagesspiegel
am
meisten bemühte Motiv, wobei er das Hauptmerk auf den Beobachter legt.
„Distanzierte Gelassenheit”, „sachlich registrierend”,
mit „statischem Interesse an den Katastrophen” des Jahrhunderts,
mit „verhaltener Ironie” die „Konturen einer katastrophischen
Moderne diagnostisch” nachzeichnend und erhellend: Jünger wird hier
mit den Insignien moderner Wissenschaftlichkeit ausgestattet. Seine
„aristokratische Kühle”, der „Eiseshauch” seiner
Unantastbarkeit bleibt jedoch suspekt, wie auch sein Blick, der die
„Menschen wie Automaten oder bestenfalls wie Insekten betrachtet”.
Auch sich selbst gegenüber „ungerührt und nicht ohne
düsteres Pathos” beschreibt er seine Zerrissenheit Ende des Zweiten
Weltkrieg. Und wirklich Insekten gleich betrachtet Jünger Menschen dann,
wenn er etwa als Besatzungsoffizier in Paris gegen seinen ursprünglichen
Willen die Exekution eines deutschen Deserteurs beaufsichtigt und dies mit den
Worten kommentiert: „Im Grunde war es höhere Neugier, die den
Ausschlag gab”.
[35]
Von einer „unbezweifelbar hellsichtigen, außerordentlich
präzisen Neugier” spricht Wolfram Schütte
[36],
und Stephan Speicher, der Jünger als Wissenschaftler eher als
„Hüter eines Naturalienkabinetts, nicht eines Zoos” ansieht,
ist dennoch von der Schärfe seiner Beobachtung beeindruckt.
[37] Immer
wieder wird die Beobachtungsfähigkeit Jüngers auch in den Dienst
einer Exkulpation gestellt, indem betont wird, daß das Beschreiben der
Realität nicht mit deren Befürwortung gleichzusetzen sei. Was in der
Politik noch schlicht klingt
[38],
erhält bei Becker die Weihen feldforschender Objektivität: In den
Stahlgewittern beschreibe Jünger „von innen teilnehmend und
verstehend ... das erschreckende, aber wirkliche Faszinosum des Tötens und
die Euphorien des Töters.” Das sei keine „Ästhetisierung
des Krieges, sondern ein Stück subjektiver, sich in der Präzision des
Wahrgenommenen objektivierender Wahrheit ... von betörendem
Schrecken.”
[39]
Der gleichzeitige Verweis auf die präzise Wiedergabe der Wirklichkeit und
die dadurch ausgelöste ‘Betörung’ kann einen Hinweis
darauf geben, wie sehr das Beharren auf der als kühle Beobachtung
gewerteten Haltung Jüngers zugleich die „Unterströmung”
[40]
mitträgt, mit der Jünger seine Leser zu faszinieren weiß.
Unabhängig von der grundsätzlichen Frage nach dem Verhältnis
von Literatur und Realität, lese ich in dieser Formel vor allem ein
Unbehagen des Autors gegenüber seiner eigenen faszinierten Leselust
ausgedrückt, der mit dem Verweis auf die ‘Realität’ oder
‘Wahrheit’ auszuweichen versucht wird. Dem kühlen und
präzisen Beobachter Jünger wird insgesamt von allen Seiten
Anerkennung gezollt. Bei Stefan Breuer heißt es sogar: „Ein
Beobachter dieser Statur ist nicht zu ersetzen”.
[41] DIE
FIGUR DES ARISTOKRATEN
Aus
der Figur des Beobachters erwächst auch die des
Aristokraten,
der Distanz und Ungerührtheit thematisiert. „Die
Wissenschaftlichkeit Jüngers, seine biologische Leidenschaft war die eines
vornehmen und fruchtbaren Dilettanten.”
[42]Der
Aristokrat
ist der Vornehmste
[43].
Er ist einerseits durch Herkunft von der Masse abgehoben, andererseits
entwickelt er Lebenshaltungen und Prinzipien, die ihn auch jenseits
tatsächlich vornehmer
Herkunft
auszeichnen. In den Nachrufen wird Jünger häufig als Aristokrat
beschrieben, und in den Zuschreibungen wird das Aristokratische an Freiheit,
Distanziertheit und Überlegenheit gebunden. „Er hat das Risiko nie
gescheut und dabei eine Freiheit und Gelassenheit gewonnen, die ihn in die
Nähe jener Aristokraten rückt, die so viele seiner Romane
bevölkern”, schreibt Breuer, und fügt hinzu: „Der kalte
Blick, den man ihm bescheinigt hat, die stete gegenwärtige Distanz nicht
nur zu anderen, vielmehr auch zur eigenen Person ...” kennzeichne ihn.
[44]
Auch Hellmuth Karasek sieht den aristokratischen Träumer, der das
„Plebejertum von Faschismus und Kommunismus” nur verachtet, und die
Kälte darin: „Er ließ Nähe nicht zu, seine
Höflichkeit bestand aus Distanz”.
Auch
er ist fasziniert von dieser „scharf geschliffenen Jahrhundertfigur.”
[45]
Schütte beschreibt seinen „‘Aristokratismus’, der
unbedingt auf nicht bloß körperliche Distanz hielt,” als
„Maske einer anerzogenen Haltung ..., sich nicht
‘gemein’” zu machen.
[46]
In der
Jungen
Freiheit
ist er ein „Edelmann”
[47],
in
Focus
ein „aristokratischer Anarchist, einer, der sich jeder Eingemeindung
entzieht”
[48],
und wird dort sogar „zum letzten Ritter des letzten Kaisers”.
[49] Aristokratisches
und Todesnähe Jüngers verbinden sich zur existentialistischen
Überhöhung seiner Erfahrungen als ‘Meister des
Überlebens’: „Was war sein Geheimnis? Etwa daß er ein
‘Herr’ war, der im Sinne der Hegelschen Phänomenologie sein
Leben einsetzte und sich dadurch über die natürliche Existenz, also
auch über den Tod erhob?”
[50]
Auch Jünger selbst stellt seine Umstrittenheit selbstbewußt in den
Kontext aristokratischer Behauptung vor Gesellschaft und Tod: „Der Titel
steht mir zu. Die Politik gibt nur den Anlaß, mein Verhältnis zum
Tode den eigentlichen Grund. Es wirkt auf viele stimulierend, auf viele
ärgerlich.”
[51]
Harald Hartung schließt sich dieser Selbstzeichnung Jüngers an:
„Im Abenteurer, den Tod und Untergang nicht schreckten, war ein
Platoniker verborgen, der das unbewegliche Zentrum hinter aller Zeit sah.”
[52]
Mit solchen Zuschreibungen wird Jünger den schwierigen politischen
Auseinandersetzungen des Jahrhunderts entzogen, er bewegt sich quasi in einer
selbstgesetzten Sphäre jenseits menschlichen und gesellschaftlichen
Lebens. Die (Selbst) Inszenierung der Distanziertheit Jüngers dürfte
hiermit ihren Höhepunkt erreicht haben.
In
die Figur des
Aristokraten
fließt
auch die Jüngersche Figur des
Anarchen
ein, etwa in
Focus:
”Für das für ihn typische Einzelgängertum erfand er sich
einen Titel, den des ‘Anarchen’ - ein aristokratischer
Anarchist”.
[53]
In
Eumeswil
hat
Jünger seinen Anarchen anschaulich vorgestellt.
Hier
ist zu differenzieren: die Liebe ist anarchisch, die Ehe nicht. Der Krieger ist
anarchisch, der Soldat nicht. Der Totschlag ist anarchisch, der Mord nicht.
Christus ist anarchisch, Paulus nicht. Da freilich das Anarchische das Normale,
so ist es auch in Paulus vorhanden und bricht zuweilen mächtig aus ihm
hervor. Das sind nicht Gegensätze, sondern Stufungen. Die Weltgeschichte
wird durch Anarchie bewegt. In summa: der freie Mensch ist anarchisch, der
Anarchist nicht.
[54] Der
Anarch hält sich alle Wege offen, die Moral gilt für ihn nicht,
Regelsysteme wie Ehe, Armee, Religion auch nicht. „Der Anarch - oder auch
der ‘Waldgänger’ - ist souverän und verfügt
über sich und seine Rolle in der Gesellschaft. Dienst und Freiheit sind
dabei keine Gegensätze”.
[55]
Er entscheidet immer neu, jenseits der Gesellschaft. Darin ist er der Inbegriff
des freien Menschen. Die antibürgerliche Note dieser Haltung ist
offensichtlich, und sie wird auch als Figur, in der des
Dandys
thematisiert.
DIE
FIGUR DES DANDYS
Eine
weitere Figur der Nichteinmischung, der ‘désinvolture’
stellt der
Dandy
dar.
Junge
Freiheit
,
FAZ
und
die
tageszeitung
beschreiben
Jünger als Dandy, aber die Haltung überlegener, wenn auch
spielerischer Gleichgültigkeit und antibürgerlicher Attitude, die den
Dandy auszeichnen, finden sich z.B. auch in der
Welt:
„Jünger liebte die unbürgerliche Situation der Geheimdienste,
Drogenkonsumenten, Piraten, die Robinsonaden, Schiffs- und Hotelbrände -
und die Fremdenlegion”; sein „snobistischer Hang zum
Ausgefallenen”, seine „Neigung zum Anrüchigen”
prägten seine Lektüre”.
[56]
Focus
nennt ihn einen „Autor unzeitgemäßer Gedanken und
antibürgerlicher Gefühle”
[57],
die
FAZ
spricht
von seinem „Heißhunger, der im Bürgertum nicht zu stillen
war.”
[58]
Der Dandy ist jedoch kein feinsinniger Schöngeist, sondern bereit, die
Welt als Material spielerischer Aneignung ohne moralische oder ästhetische
Vorbehalte anzunehmen. „Die Verbindung des Dandy mit dem Soldaten scheint
unbeschadet”
[59],
heißt es in der
FAZ,
und der Philosoph Hans-Georg Gadamer lobt Jüngers „Selbstdisziplin,
diese Urtugend des Soldaten.” Darin ist Jünger „ein Mann,
dessen Wort einen erreichte und einen nötigte.”
[60]
Doch das Soldatische als Tugend losgelöst vom Krieg vermag die Nachwelt
nicht mehr zu verstehen: „Daß er dem Menschen in der Hölle des
Krieges ein Denkmal soldatischer Tugenden gesetzt hat, ist dem Bewußtsein
unserer Tage nur noch peinlich.”
[61]
Die
Junge
Freiheit
beschäftigt sich deutlich am intensivsten mit dem Topos des Dandys und
weist ihm die Brückenfunktion in die Gegenwart zu. Dort ist Jünger
zunächst der „Dandy, der die Bürger schockte”.
[62]
Aus der Figur des Dandys entfaltet sich ein Mix von Ausbruchs- und
Überlegenheitsphantasien, die jedoch nicht auf das Außerhalb der
Gesellschaft zielen, sondern auf den souveränen Einsatz im
gesellschaftlichen Machtspiel. So erscheint Jünger dort als Abenteurer,
der die „Ausbruchserfahrung”, die „Intensität des
Lebens” und unvermittelte Erlebnisse sucht, wobei diese Suche nach
„Grenzerfahrung” als dem Prinzip des Dandyismus folgend beschrieben
wird.. Der Dandy ist das „überlegende Individuum”, er
„verachtet die Masse und jede Mittelmäßigkeit”. Er ist
fasziniert von der Macht, aber läßt sich nicht zu Machtspielen
provozieren. „Den Willen zur Macht hat er sublimiert zum Willen zum
Stil.”
[63]
Bei Jünger selbst lautet das: „Meine heutige Wertung ist nicht
politischer, sondern stilistischer Natur.”
[64]
Deutlich programmatisch interpretiert der Historiker Günter Maschke
Jüngers Werk als Auftrag: „Heute ist die Lage ungleich schwieriger,
doch gerade deshalb ist das Erlernen der Jüngerschen
désinvolture
unsere
oberste Pflicht.”
[65]
Für
die
tageszeitung
ist
Jünger „ein rabaukischer Dandy und Fachautor für
national-revolutionäre Kriegsprosa”, weiterentwickelt zum
„Gestus der heiter gelassenen Nichtbefaßtheit”.
[66]
Dort wird im Zuge des Versuchs, Jünger vor „bloß
ideologiekritischer Betrachtung” zu retten, auch auf Frankreich
verwiesen, wo man Jünger, statt ihn als „kriegsverherrlichend und
‘präfaschistisch’” zu denunzieren, „als
bohemistisch-dandyhaften Artisten” zu nehmen weiß.
[67]
Das Ideal ungerührter Selbstbezogenheit wird im Bild des Dandy sowohl auf
die Gesellschaft hin (Soldat) als auch gegen sie (Bürgerschreck) gewandt.
Dem Dandy ist es egal, in welchen Bezug zur Gesellschaft er sich stellt, denn
seine Beweggründe zum Handeln haben mit ihr nichts zu tun: „Insofern
scheint es mir, daß ich damals unter mein Niveau gegangen bin, aber nicht
deshalb, weil ich mich als Nationalist, sondern weil ich mich überhaupt
beteiligte.”
[68] Der
Wille zum Stil geriert sich so als Phantasma der Selbstschöpfung ohne
Bezüge zur umgebenden Welt, die nur als Material der Selbstinszenierungen
von Interesse ist: „Stil als Mittel der narzißtischen
Selbstdarstellung, aber auch der Distinktion, der Perfektion, des Raffinements,
der Provokation und der Exekution. Die Subjektivität des Individuums und
seine gesellschaftlichen Ambitionen werden eingeschmolzen in die Rituale der
Selbststilisierung ...”.
[69]
Der Dandy Jünger wird in einem weiteren Schritt zum modernen
coolen
Held
konvertieren, dessen Lebensprinzipien anders als die der
„bürgerlich-spießigen Klientel”
[70]
der zeitgenössischen Jugend attraktiv erscheinen können.
Coolheit - der kühle Rausch„Von
Nüchternheit und Notwendigkeit berauscht” lautet die zentrale
Bildunterschrift im
Spiegel,
dann
bezeichnet er Jünger als „coolen Dandy”, der in seiner
„antibürgerlichen Vision ... Geschwindigkeitsrausch ... und die
nüchterne Brutalität des Daseinskampfes” miteinander verschmelzt.
[71]
Die Sehnsucht nach dem Rauschhaften hat schon der frühe Jünger:
„Als Jünger sich 1914 freiwillig meldete, sucht er ... das gleiche
‘Afrika, das er durch die Fremdenlegion hatte erreichen wollen - das
Wilde, Elementare, Nicht-Reglementierte.”
[72]
Die Suche nach den Räuschen wird er beibehalten, dazu kommt jedoch
paradoxe permanente Versuch, die Räusche unter Kontrolle zu halten, Rausch
und Souveränität in einem
kühlen
Rausch
miteinander
zu verbinden. Die
Coolheit
zeitgenössischer
Jugendkulte schließt an einen solchen Gestus unmittelbar an.
Wenn
der zu Beginn dieses Aufsatzes zitierte Speicher den
Kult der Kälte
im Dienste einer Trennung von Resten ‘sentimentaler
Bürgerlichkeit’ sieht, verstanden als Ablehnung jeglicher
humanitärer Rücksichtnahme, möchte ich diese Lesart in Frage
stellen. Kälte und Sentiment schließen sich nicht aus: einmal
verbinden sie sich in der Lust an der Kälte selbst, zum anderen steht
hinter dem Kult der Kälte, wenn er wie hier als Ungerührtheit und
Härte gemeint ist, immer die Trennung in Objekte der Kälte und Orte
der Erwärmung. Der Jüngerschen Ungerührtheit angesichts der
Härten und Grausamkeiten in den Schützengräben des ersten
Weltkrieges steht das Gefühl von überwältigendem Glück in
existentiellen Momenten entgegen. So schreibt sein Bruder Fritz nach einer
schweren Verwundung: „In die tödliche Ermattung, in der ich mich
befand, drang jetzt ein Bewußtsein des Glückes ein, das sich mehr
und mehr verstärkte und das sich Wochen hindurch bei mir erhielt.”
[73]
Und Jünger selbst am Rande des Todes in der Schlacht: „Und
seltsamerweise gehört dieser Augenblick zu den ganz wenigen, von denen ich
sagen kann, daß sie wirklich glücklich gewesen sind. In ihm begriff
ich, wie durch einen Blitz erleuchtet, mein Leben in seiner innersten Gestalt
... Dort war weder Krieg noch Feindschaft mehr.”
[74]
Der
Kult
der Kälte
findet hier seine Grenze in der existentiellen Erfahrung der Todesnähe, die
Kälte
in
Glück
verwandelt. Indem diese Wandlung jedoch einer Erhebung oder Entrückung
gleichkommt, und nicht von Angst oder Schmerz gezeichnet ist, bleibt sie dem
Kult
der Kälte
dennoch verhaftet: im Motiv der Ungerührtheit, die es ermöglicht,
Erfahrungen von Schmerz und Todesnähe in
Glück
zu
transformieren. Die Ambivalenz und das oft Paradoxe solcher Lesarten
läßt sich auch mit dem Begriff des
kalten
Rausches
fassen: Der Rausch der Ungerührtheit. So registriert Curt Hohoff
zustimmend schon beim frühen Jünger „unsentimentale Härte
und die Verachtung des selbstverschuldeten Jammers”, eine Haltung, die
sich letztendlich als Faszination auf Generationen von Lesern übertragen
habe.
[75]
Eine andere Lesart, die ebenfalls die Wendung von Berührung in
Ungerührtheit, von Passivität in das Phantasma der Aktivität
beschreibt, bietet Breuer an: „Jünger hat die Übermacht der
Todesmaschinerie, der technisch-administrativen Gewalt, nur ertragen, indem er
sich mit dem Aggressor identifizierte. Was ihm angetan worden war, sollte nun
auch anderen angetan werden. Vor daher der Sadismus, der seine
Kriegstagebücher durchzieht.”
[76]
Das
Motiv von Kälte und Rausch als kühler Betrachtung des Rauschhaften
finden wir auch bei Schütte, der Jünger als einen beschreibt, der
„in extremen Selbsterfahrungen einen extrem kühlen Kopf zu
bewahren” sucht. Treichel besteht noch deutlicher auf der Verbindung von
Distanziertheit und Leidenschaften in der Haltung Jüngers: auch die
„archivarische Liebe zur belebten und unbelebten Natur” des
Käfersammlers Jünger sei eng mit dessen „Vorlieben und
Interessen ... für Räusche und Katastrophen , für Krieg und
Gewalt verwoben.” So habe Jünger den Jäger immer für den
Bruder des Kriegers gehalten, und als solcher versteht er sich, wenn er den
„Feldrain zur Heerstraße” wandelt. Solche Erkenntnisse
widersprechen der gemeinhin vertretenen These, der späte Jünger habe
mit dem martialischen der Jugend nichts mehr gemein, sie zeigen aber auch wie
sehr die verschieden Formen der Rauscherfahrung - Krieg, Archivieren, Jagen,
Sammeln - die Form kühler Leidenschaftlichkeit annehmen können.
DROGEN Die
Jüngersche Kälte ist also nicht ohne Rausch zu denken, und dieser
Rausch eröffnet ihm vor allem die antibürgerlich gestimmten Herzen.
Nicht nur Rotwein und Champagner, auch illegale Drogen wie LSD, gehörten
zu Jüngers Rauschmitteln. Seine Berichte über die Einnahme von
Haschisch und LSD in den siebziger Jahren ebneten ihm langfristig den Weg in
das seinen Kriegsgelüsten vielleicht weniger zugeneigte alternative
Milieu. In der Taz dient die Drogenerfahrung Jüngers und seine Berichte
darüber der Eingemeindung in die „Linke”: der
antibürgerliche Effekt des Drogenkonsums ist das verbindende Glied.
[77] Jünger
selbst hat seine LSD-Räusche als Kälte-Räusche, die ihm den
Ansprüchen der Welt entziehen, beschrieben:
„Der
‘Schnee’ vereist. ... Wenn das Gehirn einfriert und sich zu einem
Eisblock wandelt, kann
es
ebensowenig Gedanken bilden, wie sich am Nordpol Wasser aus einem Eimer
gießen oder aus einem Brunnen sprühen läßt. ...
Dafür wächst das Bewußtsein geistiger Gegenwart und Macht. Das
Gehirn denkt nicht mehr dieses oder jenes, es fühlt sich selbst in seiner
unbeschränkten Fülle ...Damit entfällt viel Täuschung, auch
Einbeziehung in die Ansprüche der Welt.”
[78] Daß
es der kühle Rausch, und nicht die Droge ist, die Jünger sucht, hat
auch der Schriftsteller Ian Buruma beobachtet: „Jünger hat den
Drogenrausch brillant beschrieben. Mit kalter Präzision benannte er das
heiße Erlebnis des Rausches - hervorgerufen durch Drogen oder
Gewaltanwendung. Dem Nachkriegsdeutschland hat es an Rausch gefehlt”.
[79]
Seine letzte Bemerkung führt zur Aktualität der Jüngerschen
Rauscherlebnisse.
TECHNO Eine
„Verwandtschaft des Protestgestus der Beat-Generation mit jugendbewegten,
Jüngerschen Sentiments”
[80]
konstatiert die
Junge
Freiheit
.
Die Modernität Jüngers im Sinne aktueller Jugendkultur wird durch
seine Eingemeindung in die Raverkultur oder Techno-Szene jedoch noch deutlicher
als in den Konzepten von Dandyismus, Drogenrausch oder Beat-Kultur. Unter dem
programmatischen Titel „Der erste deutsche Raver. Ernst Jünger:
Stoff für jugendliche Gemüter, nicht für Bürger auf der
Suche nach einem Ersatz-Goethe” polemisiert die
Junge
Freiheit
gegen brave Klassiker und „konservative Breitcord- und
Jankerträger”.
[81]
Jüngers „Lebe gefährlich” sei die Devise jugendlicher
Gemüter und er selbst „ein Autor für die Menschen, die
tatsächlich im Hier und Jetzt leben.” Jünger gilt hier als der
Prophet eines echten, „nackten und rohen” Lebens. Er blende ein,
was eine aufgeklärte Gesellschaft ausblende. Moderne High-Tech-Welt und
Kontrollgesellschaft stehe der Behauptung und Erfahrung des Lebens entgegen.
Mit solcherlei zivilisationskritischen Tönen fühlen sich die Autoren
im Gefolge Jüngers: „Ein neuer Tanz kann bedrohlicher werden, als
jede Kritik”, wird dieser fast drohend zitiert. Doch auch ihnen gilt das
Prinzip des Rausches nichts ohne das der Kälte: „Der Anarch ist
einsam. ... Seine Wirklichkeit ist Ruhe und Rausch.”
Auch
die
tageszeitung
findet Jünger in der Techno-Szene wieder. Harald Fricke schreibt über
den Techno-Poeten Rainald Goetz und dessen Auffassung, daß Techno am
Rande zum Absturz angesiedelt sei, und folgert:
„Hierin
zumindest trifft sich die Sehnsucht nach Auflösung und Auslöschung im
ewigen Basswummbeat mit dem Endzeitpathos bei Ernst Jünger (außerdem
gehören beide zur Drogenfraktion, die einen guten Trip als von
‘Erleben beseelte’ Experience schätzen.) Für einen
Skandal taugt ein solches Bekenntnis wenig, schließlich hatte Goetz im
Nachruf auf Jünger explizit die Affinität zum Thema gemacht:
„Daß der Tod, den er im Übermut der Jugend herausgefordert
hatte, ein überlanges Leben nicht von ihm weichen wollte - das vielleicht
schrecklichste, traurigste und menschlichste Bild seines Lebens.”
[82] Hier
verkennt Goetz - und mit ihm Fricke - daß ein solches trauriges Bild
eines individuellen anderen Lebens für Jünger selbst völlig
uninteressant war. Räusche oder Berührungen außerhalb
distanzierter Selbsterfahrung spielten für ihn keine Rolle. Das
Menschliche war ihm - zumindest was die Inszenierung seiner Person angeht -
fern. Schütte beschreibt eindringlich die soziale Beschränktheit des
Konzepts der Selbstbezogenheit:
„Ernst
Jüngers Ahumanismus, wo nicht sogar Antihumanismus legte eine harsche
Kälte-Zone um seine Person und sein Werk,” ebenso wie sein
„demonstratives Desinteresse an der ‘sozialen Frage’, an
Ethik und Moral, die nicht allein dem erkennenden Ich gelten. Grenzerfahrungen,
die seiner ‘désinvolture’, auf die er sich soviel zugute
hielt, verschlossen blieben.”
[83] Heiß oder Kalt - Temperaturen als GeschlechterthermometerDas
Konzept der Kälte in Jüngers Werk wie auch in der Inszenierung und
Wahrnehmung seines Lebens ist skizziert. Begreifen wir ‘Kalt’ als
metaphorischen Begriff, so eröffnet er, zusammengenommen mit seiner
binären Entsprechung ‘Heiß’ einen Raum von
Konnotationen, der auch Hinweise auf die geschlechtsspezifische Bedeutung
dieser Begriffe gibt. Die konnotativen Zuordnungen auch zu den Geschlechtern
können im historischen Verlauf allerdings erheblich verändern oder
sogar in ihr Gegenteil verkehren.
[84] Die
Empfindung von ‘heiß’ oder ‘kalt’ ist
zunächst ein alltägliches, sinnlich tief verankertes,
allgemeingültiges und gegenwärtiges Erfahrungsmuster, das sich damit
zur Metaphorisierung hervorragend eignet und dementsprechend verbreitet ist.
[85]
Die Verfestigung von Erfahrungen in Metaphern entspricht dem weiter oben
vorgestellten Prozeß der „Vorfabrikation” von Wahrnehmungen,
die als Alltagsassoziationen wiederkehren.
‘Heiß’
bedeutet in einem solchen Verständnis ‘gefährlich’, aber
auch spannend und interessant, wie etwa ‘heiße Sache’,
‘heißer Tip’, ’heißer Draht’.
‘Heiß’ ist gleichzeitig stark geschlechtlich konnotiert, was
sich in Formulierungen wie ‘heiß’ für geschlechtlich
erregt, ‘heiße Frau’, ‘heißer Typ’ oder
‘heiße Nummer’ ausdrückt. Diese Ausdrücke sind -
wenn auch sehr umgangssprachlich - durchaus positiv wertend, die Bedeutungen
von ‘gefährlich’ und ‘spannend’ schwingen
weiterhin mit.
Ein
erster Blick auf Jüngers Konzepte von Abenteurertum, Kriegsbegeisterung,
Jagd-- und Sammlerleidenschaft, Drogenrausch und erotischem Draufgängertum
könnte also durchaus den Assoziationsraum ‘Heiß’
nahelegen. Doch genau das Gegenteil ist der Fall: Kälte und Kühle
bestimmen eindeutig, wenn nicht ausschließlich, das Vokabular der Nachrufe.
Der
Assoziationsraum ‘Kalt’ ist, anders als ‘heiß’,
vorwiegend negativ konnotiert. ‘Kalt’ ist ebenso wie
‘heiß’ auch ein geschlechtlicher Begriff. Er fungiert als
Chiffre für sexuelle Kälte, für die Unfähigkeit zum
sexuellen Genuß. In der vulgären Ausdeutung von kalt = frigide=
Kühlschrank zeigt sich seine negative und abwertende Potenz.
‘Kalt’
bezieht sich jedoch vor allem auf den Gefühlsbereich. Ein ‘kalter
Mensch’ gilt als unangenehm, ein ‘kalter Blick’ als
abwertend, eine ‘kalte Stimme’ als zurückweisend. Die
Anwendung des Begriffs ist unweigerlich negativ wertend. Erst in
geschlechtsspezifischer Verteilung lassen sich auch positive Werte finden. So
schwingt in den genannten Ausdrücken die Konnotation ‘Macht’
immer mit: nur ein Mächtiger wagt es, diese Form der
Gefühlskälte auszuspielen. Diese Konnotation ist aber an
Männlichkeit gebunden. Für Frauen im öffentlichen Leben ist es
vernichtend, als kalt zu gelten. Huhnke zitiert ein Beispiel aus dem
Spiegel,
in dem Hillary Clinton mit Vokabeln der Kälte und der Härte
abgewertet wird: „Da bebte die sprayharte Schwungtolle über Hillarys
hoher Stirn, da blitzten gletscherkalt die blauen Augen, da mischte sich Gift
in ihre Stimme”
[86].
Männlichkeit ist hingegen durchaus an Härte und Kälte gebunden.
Über Jünger schreibt Augstein: „Er badete jeden Morgen kalt,
was ihn hart ankam.”
[87] Nimmt
man als Drittes den eigentlich vermittelnden Begriff der
‘Wärme’ hinzu, so zeigt sich der geschlechtsspezifische
Konnotationsgehalt der Temperaturen noch deutlicher. ‘Wärme’
ist als weibliche Eigenschaft positiv und hoch willkommen, im Kontext mit
Männlichkeit entwickelt sie hochgradig abwertende Potenz, gekoppelt mit
stark geschlechtlicher Bedeutung. So lebt der ‘warme Bruder’ als
verachteter Homosexueller nicht nur im Gegensatz zum ‘kalten
Krieger’ (Franz Josef Strauß), sondern auch in den
‘Warmduschern’ , als die die aus den Weltmeisterschaftsspielen 1998
ausgeschiedenen deutschen Fußballer tituliert wurden, fort. Den kalten
Bädern Jüngers haben sie nichts entgegenzusetzen.
Eine
positive Wertung von ‘kalt’ findet jedoch auch im Jugendjargon
statt: ‘Cool’ ist eine außerordentlich positiv besetzte
Vokabel, die in ihrem Anwendungsbereich kaum Schranken findet. Der oben
zitierte „coole Dandy” ist dafür ein hervorragendes Beispiel,
gerade weil es von den historischen Konnotationsbereichen der beiden Begriffe
her eigentlich völlig unpassend ist. ‘Cool’ funktioniert aber
vor allem als positive Chiffre von Distanziertheit und Überlegenheit, ein
‘cooler Typ’ ist jemand, der sich nicht aus der Ruhe bringen
läßt, der macht, was er will, der sich, aus der Perspektive der
Jugend, von ‘den Erwachsenen’, also dem Regelwerk der
bürgerlichen Gesellschaft, nichts sagen läßt.
In
dem Begriff des ‘Coolen’, zusammengenommen mit der Machtdimension
und der damit verbundenen männlichen Konnotation der
‘Kälte’, finden sich also tatsächlich die entscheidenden
Elemente der aktuellen Rezeption Jüngers wieder. Die begriffliche
Verwendung im
Spiegel,
vor
allem aber die explizite Lesart in der
Jungen
Freiheit
zeigen die Sensibilität für diese Zusammenhänge.
Ist
es zunächst erstaunlich, daß ein negativer Begriff wie
‘kalt’ soviel Bewunderung und Fasziniertheit auslöst, wie es
im Falle der Jüngerschen Kälte geschieht, so trägt die
geschlechtsspezifische Ausleuchtung maßgeblich zum Verständnis
dieser Faszination bei.
WeiblichkeitIn
den Nachrufen wird, wie auch in Jüngers Werk, nur wenig über
Männlichkeit oder Weiblichkeit explizit geäußert. In einer Welt
des „höheren Indianerspiels”, wie sich Thomas Mann einmal
über Jünger äußerte
[88],
braucht es keine Frauen. Um bei dem Bild zu bleiben: was allen
squawgeschädigten Mitspielenden eine Selbstverständlichkeit ist,
leuchtet denen, die für gewisse symbolische Handlungen auf die Schwester
von Winnetou zurückgreifen wollen, selten ein. Das Feuilleton scheint, bis
auf wenige Ausnahmen, das Weibliche bei Jünger nicht zu vermissen. Eine
Ausnahme ist Becker im Tagesspiegel. Er beschreibt die Werke Jüngers als
„eingesperrt in eine Männerwelt, der die weibliche Hälfte fehlt
- jene androgyne Phantasie, die seit Shakespeare fast alle Weltliteratur (auch
die homosexueller Autoren) als Erfahrung und Vorstellung bestimmt.”
[89]
Mit diesem analysierenden, abgrenzenden Blick auf den Jüngerschen Kosmos,
gehört Becker zu den wenigen, die dieses augenfällige Merkmal der
Schriften Jüngers überhaupt bemerken. Ohne dem nachgehen zu wollen,
was diese „weibliche Hälfte” denn ausmachen könnte, kann
der Mangel an „androgyner Phantasie” als treffsichere Beschreibung
für die monosexuelle Gefühlswelt der Jüngerschen Helden
einerseits und die entweder abwesende oder holzschnittartig gezeichnete
Zweigeschlechtlichkeit gelten.
[90]
Auch die Feststellung Hartungs, ”das Weibliche spielt in seinem Werk so
gut wie keine Rolle” unterstreicht vor allem die Reduziertheit des
Weiblichen bei Jünger, wenn sie sich auf den auf Heiner Müller
zurückgehenden Ausspruch bezieht, „bevor Frauen für ihn eine
Erfahrung sein konnten, war es der Krieg.”
[91]
Diese Anspielung auf Jüngers Jungfräulichkeit wird dem Begehren
Jüngers nach einer männlichen Welt nicht gerecht. Daß
Sexualität in Jüngers Werk vor allem der Inszenierung von Macht
dient, steht dem nicht entgegen.
[92]
Leben und Werk begegnen sich auch hier: „Otto Weiniger, der versuchte,
die sittliche und seelische Minderwertigkeit der Frau nachzuweisen, der Marquis
de Sade ... und die Geschichten aus Tausendundeiner Nacht entzückten ihn
mit ihrer so märchenhaften wie brutal-erotischen Poesie”.
[93]
Und als Besatzungsoffizier in Paris notiert er genüßlich:
„Dort eine Revue mit nackten Frauen vor einem Parkett von Offizieren und
Beamten der Besatzungsarmee mit einem Pelotonfeuer von Sektpfropfen. Die
Körper gut gewachsen bis auf die Füße... Auch tritt das
Hahnenhafte der gallischen Rasse stark hervor. Les poules.”
[94] Jüngers
Beziehungen zum Weiblichen erreichen nur die Ebene schablonenhafter
Nutzbarmachung weiblicher Sexualität. Bei allen Rauscherfahrungen fehlt
die von Liebe und Erotik vollständig, die Figur des
Liebenden
kommt
nichtvor.
Auch
Jüngers antisozialer Gestus richtet sich insofern gegen das Weibliche, als
er das Soziale mit der verachteten Welt des Bürgers identifiziert, die
zugleich als weibliche konzipiert ist.
[95]
Der Bürger bei Jünger ist damit weiblich, Antipode des
männlichen Anarchen. Die Jüngersche Welt kennt damit weder
Männer noch Frauen, sondern sie wird bevölkert von
‘weiblichen’ Bürgern und ‘männlichen’
Männern.
Männlichkeit Der
Bezug der Nachrufenden auf die Männerwelt Jüngers ist, wie wir
gesehen habe, vor allem impliziter oder schlaglichtartiger Natur.
Die
tageszeitung
,
insgesamt bemüht, Jünger als antibürgerliche Figur zu
würdigen und das „platte Etikett ‘faschistischer
Ästhetik’”
[96]
nicht weiter zu bemühen, bezeichnet an anderer Stelle seine Biographie als
Mischung aus „Rationalität und Rausch, aus Stil und
Männerphantasie”
[97]
und sein Werk als „Macho- und Landserstil”
[98].
Einen analytischen Zugang zu Männlichkeit oder
Männerphantasien,
zu männlicher Leserschaft oder männlicher Ästhetik bieten die
Nachrufe nicht. Dabei bietet die moderne Männlichkeitsforschung durchaus
fruchtbare Ansätze, den hier aus der Perspektive der Nachrufe
eröffneten Raum männlicher Ideale zu deuten. Ein wesentliches
Ergebnis maskulinistischer Männerforschungen
[99]
ist die Behauptung und versuchte (Re) Etablierung spezifischer
Männerräume, die in strenger Abgrenzung von den Frauen explizit als
männlich deklarierte Werte verkörpern, in die die Jungen/ Männer
vermittels verbindlicher Rituale eingeführt werden.
[100]
Dieses Muster getrennter Räume, scharf von einander abgesetzter
geschlechtsspezifischer Werte und initierender sowie männerverbindender
Rituale zeichnet nicht nur dieses spezifische Genre moderner
Männlichkeitssuche aus, sondern stellt gleichzeitig den Gegenstand
analysierender Männlichkeitsforschung dar. Von Theweleits
Männerphantasien
bis zu den jüngsten historischen Forschungen George L. Mosses oder
psychoanalytisch ausdeutender Literaturwissenschaft wird die männliche
Identitätsentwicklung in das Spannungsverhältnis von der
Loslösung von der mütterlichen/weiblichen Welt der Geborgenheit hin
zu einer immer in Abgrenzung dazu zu bestimmenden Welt der Männlichkeit
gestellt. Männlichkeit ist danach vor allem ein höchst fragiles
Konstrukt, das der ständigen Bestätigung und Erneuerung bedarf. Alle
Einbrüche des Weiblichen, in diesem Konstrukt zu verstehen als die
tätigen Werte der sorgenden und pflegenden frühkindlichen
(weiblichen) Betreuungspersonen, gefährden die Stabilität der
Männlichkeit.
[101]
„Er hat all diese Sümpfe durchschritten und dabei seine
faszinierende Klarheit behalten”, schreibt die
Junge
Freiheit
.
Diese Leistung habe er mithilfe einer „Dressur des Blickes”
bewältigt, die als „permanente Technik der Wachheit ...das kleinste
Detail, den geringsten Hinweis” erfassen könne.
[102]
Heftige Kontrollphantasien verbinden sich hier mit einer Beschreibung der Welt
als feindlichem Sumpf, dem es zu entfliehen gilt. Theweleit hat es in seinen
Männerphantasien
in bislang unübertroffener Intensität und Nachdrücklichkeit
verstanden, den Entstehungs- und Wirkungsgeschichten einer solchen Phantasmen
nachzuspüren. Bezogen auf die Freikorpsangehörigen, junge Veteranen
des Ersten Weltkriegs, beschreibt er eine Generation, zu der auch Ernst
Jünger gehört. Die Bedeutung des ‘Sumpfes’ als
bedrohliches Phantasma der um ihre Körpergrenzen ringenden soldatischen
Männer hat er ausführlich belegt.
[103]
Auf die Bedeutung des kontrollierenden Blickes zur Abwehr der drohenden
Subjektverlustes in der ‘Masse’ hat Weigel hingewiesen.
[104]
Doch Jünger ist kein soldatischer Mann, sondern ein Anarch mit
soldatischen Tugenden. Anders als die Männer, deren Lebensgeschichten sich
Theweleit zuwendet, ist er nie Kadett gewesen. Er ging als Freiwilliger in den
Krieg, ohne die Offiziersschule besucht zu haben. Aus dieser Perspektive
läßt sich eines der augenfälligsten Spannungsverhältnisse
in seinem Werk beschreiben: Jünger teilt die männlichen Werte seiner
Generation soldatischer Männer, aber sie waren ihm nicht in dem Maße
‘durch den Körper gegangen’ (oder in ihn hinein
geprügelt) wie den Kadetten Theweleits. Daraus erwächst seine mal als
romantisch[105],
mal als
kitschig[106],
mal als
pennälerhaft[107]
beschriebene
Freiheit gegenüber diesen Werten. Seine Disziplin - das ist der
aristokratische Geist Jüngers - ist die des Vornehmen, des Freien. Er ist
der Herr, nicht der Knecht seiner Tugenden. Ihm sind die soldatischen Tugenden
Material seiner Selbstinszenierung, wie auch der seiner Helden. Seine Helden
gehorchen in Würde allein den Zwängen einer in sie hineingewachsenen
Tradition. Die Figur des Anarchen, die Jünger stets begleitete, ist
Ausdruck dieser Freiheit und m.E. der Kern seiner in viele Richtungen
anschlußfähigen Anziehungskraft. Der Anarch ist die ambivalente
Figur dessen, der die männlichen Werte lebt, ohne sich in die
Zwangsverhältnisse männlicher Identität und männlicher
Hierarchien zu begeben. Inwieweit ein solcher Entwurf mehr als ein Phantasma
sein kann, soll hier, auch für die Person Jünger selbst, nicht
entschieden werden. Sicher ist aber, daß darin ein Potential steckt,
männliche Sehnsüchte nach Unabhängigkeit, Souveränität
und Distanziertheit sogar den eigenen Leidenschaften gegenüber
anzusprechen, ohne den brüchigen Zustand männlicher Identität
ins Auge fassen zu müssen. Der „Gestus der kulturkritischen
Subversion und die Flucht in eine behagliche Metaphysik des Unberührtseins
von den Anfechtungen der Gegenwart”
[108]
kommt damit nicht allein der Sehnsucht neuer Rechter und alter Linker entgegen,
wie Herzinger in der
Zeit
meint, sondern vor allem der männlichen Sehnsucht nach Selbstinszenierung
und Ungerührtheit.
SchlußbemerkungDie
Faszination, die Jünger auslöst, so läßt sich vorerst
zusammenfassen, scheint in einem Werk und einer Biographie zu liegen, die dem
Phantasma von Selbstschöpfung und Souveränität als Bestandteil
verbreiteter moderner Männlichkeitskonstrukte Nahrung gibt. Der
‘Kult der Kälte’, von dem Stephan Speicher in Bezug auf die
Nachkriegsgeneration nach dem Ersten Weltkrieg spricht, wirkt in solchem Licht
wie ein früher Vorläufer eines aktuellen Kults der Coolheit, der sich
als Chiffre für Männlichkeit überhaupt darstellt. Ein Blick in
die Würdigungen Jüngers anläßlich seines sechzigsten
Geburtstages 1965 fällt ebenfalls auf anerkennende Schilderungen
ungerührter Distanziertheit. So schreibt Ernst Niekisch:
Augenmensch
ist Ernst Jünger in der Tat, wobei ebensosehr an das körperliche wie
an das geistige Auge zu denken ist. Jünger will sehen, will eine Sache bis
in ihre letzten Tiefen durchdringen, will das Bild, das er gewinnt, nicht durch
Gefühlseinflüsse irgendwelcher Art verzerrt, verschönt oder
verhäßlicht in sich aufnehmen. ... So erklärt sich die Haltung
der kühlen Distanz, die er allen Dingen und auch Menschen gegenüber
an den Tag legt.
Aber
er behandelte den Krieg nicht, um menschliche Tapferkeit zu feiern oder um in
die Abgründe der Unmenschlichkeit des Krieges hinabzublicken: kühl
und nüchtern beobachtete er, wie sich der Krieg durch die Technisierung
gewandelt hatte.
[109] Beobachtung
und Blickkontrolle, Gefühlskälte und kühle Distanz,
Nüchternheit im Zentrum des Grauens: es scheint, als ob die durch
Kälte und Rausch vermittelte Faszination an ein spezifisches
Männlichkeitskonstrukt anschließt, das über politische Lager
und Generationen hinweg prägend ist. Daß Ernst Jünger an einem
warmen, sonnigen Frühlingstag beerdigt wurde, hielt der junge
Chefredakteur der
Jungen
Freiheit
für unpassend. Angemessen wäre Donner und Blitz, Hagel und
Graupelschauer gewesen.
[110] Quellen Berliner
Zeitung
18.2.98 :3 (BZa) Stefan
Breuer: Der Krieg ist unser Vater, er hat uns gezeugt.
:3;12 (BZb) Das
Jahrhundert in einem Leben: Schriftsteller, Gelehrte und Künstler
über
Ernst Jünger.
:11 (BZc) Stephan
Speicher: Mit dem Scherenfernrohr.
Frankfurter
Allgemeine Zeitung
18.2.98 :1 (FAZa) Ernst
Jünger gestorben.
: (FAZb) An
der Zeitmauer. Stimmen zum Tode von Ernst Jünger.
: (FAZc) Harald
Hartung: Staunend vor dem ungeheuren Jahrhundert.
19.2.98 : (FAZd) Zerrissene
Seele. Reaktionen auf den Tod Ernst Jüngers.
23.2.98 :35 (FAZe) Frank
Schirrmacher: Besuche in der Dämmerung. Uhrzeit, Sonnenzeit,
Sanduhrzeit
- In Wilflingen wurde Ernst Jünger beerdigt.
Frankfurter
Rundschau
18.2.98 :3 (FRa) Wolfram
Schütte: Jahrhundert-Gestalt.
:8 (FRb) Harro
Segeberg: Wege und Irrwege einer Epochenaneignung.
Der
Tagesspiegel
18.2.98 :25 (TSa) Hans-Ulrich
Treichel: Forscher der menschlichen Natur.
:25 (TSb) Hellmuth
Karasek: Jahrhundertfigur.
22.2.98 : (TSc) Peter
von Becker: Homer des Krieges.
23.2.98 :25 (TSd) Kanzler
Kohl würdigt Ernst Jünger.
die
tageszeitung
18.2.98 :3 (TAZa)Erhard
Schütz: Das Leben baut Totes ein.
:3 (TAZb)Klaus
Modick: „...das jedes Ding viele Seiten hat”. Eine Mixtur aus
Verwandtschaft
und Feindschaft: die kulturelle Linke und Jünger.
23.2.98 :10 (TAZc)Harry
Nutt: Das Lob der Widersprüchlichkeit.
: (TAZd)Unterm
Strich: zur Beerdigung von E. J.
27.2.98 :
(TAZe)Wiglaf
Droste: Ernst Jünger lebt: Brei auf Stelzen marschiert weiter.
7./8.3.98:13f (TAZf) Harald
Fricke: Hohepriester der Vivisektion. Über Renè Magritte.
:14 (TAZg)Harry
Nutt: „In manche Arena gestürmt”. Ein Gespräch mit Walter
Jens.
2./3.5.98: (TAZh)Harald
Fricke: Im Club der dichten Dichter. Anschwellendes
Kriegsgetrommel.
Über Reinhold Goetz’ Erzählung ‘Rave’.
Die
Welt
18.2.98 :1 (Wa) Ernst
Jünger starb im Alter von 102 Jahren.
:3 (Wb) Curt
Hohoff: Ein Augenmensch, der tief ins Innerste sehen wollte.
Focus 23.2.98 : (Fa) Helmut
Markwort: Empfehlungen für einen jungen Mann.
:46f (Fb) Stefan
Sattler/Rainer Schmitz: Jenseits von Gut und Böse.
Den
Anfechtungen unseres Jahrhunderts hielt er stand: der Tod eines
Unzeitgemäßen. :47 (Fc) Zitate Junge
Freiheit
20.2.98 :1 (JFa) Ganzseitiges
Foto im Stil einer Todesanzeige.
:3 (JFb) Dieter
Stein im Gespräch mit Heimo Schwilk: „Ein Ozean erfüllter
Augenblicke”.
Zum Tod von Ernst Jünger.
:4f (JFc) Von
den Toten zu den Titanen. Intellektuelle äußern sich gegenüber
der
Jungen
Freiheit zum Tode des Dichters Ernst Jünger.
27.2.98 : (JFd) Jürgen
Hatzenbichler/Manuel Ochsenreiter: Der erste deutsche Raver.
: (JFe) Michael
Meyer: Ein Dandy, der die Bürger schockte.
: (FJf) Dieter
Stein: Ein heiterer und privater Abschied vom letzten Krieger.
(JFg) Rolf
Hochhuth: Ein Anarch auf großer Fahrt.
Der
Spiegel
23.2.98 :3 (SPa) Hausmitteilung :204ff (SPb) Anarch
des Jahrhunderts.
:206f (SPc) Rudolf
Augstein, Das Selbst als inneres Erlebnis.
Die
ZEIT
19.2.98 :13f (Za) Thomas
Assheuer: Der beste Feind der Moderne. Ästhet des Schreckens,
Chronist
des Jahrhunderts, Poet der Käfer.
:14 (Zb) Richard
Herzinger: Spät entdeckte Leitfigur. Warum Ernst Jüngers
Werk
bei Linksintellektuellen salonfähig wurde.
:15 (Zc) Jürgen
Busche: Die Macht ehrt den Geist. Helmut Kohl besuchte den
Dichter
und fand kein Thema.
:15 (Zd) Brigitte
Sauzay: „Ein Stück Deutschland”. Mitterand und Jünger -
die
Dolmetscherin
erinnert sich.
Jünger,
Ernst,
In
Stahlgewittern, 32. Auflage Stuttgart 1990.
Sämtliche
Werke, Stuttgart 1983.
Literatur
[1]
zitiert nach Wb
[2]
„Der Kult der Kälte diente als Selbstschutz einer von Krieg,
Niederlage und Inflation demoralisierten Generation, die sich in der Krise auch
von den Rückständen sentimentaler Bürgerlichkeit trennte. Nach
der nationalsozialistischen Katastrophe fiel diese Haltung in sich zusammen,
das hat Jüngers Geltung geschadet”, Stephan Speicher in der
Berliner
Zeitung
am 18.2.98.
[3]
Die Nachrufe beziehen sich natürlich mehr auf den Autor als auf sein Werk,
dennoch ist es erstaunlich, wie wenig Jünger tatsächlich als
Schriftsteller gewürdigt wird, und wieviel mehr seine Person als
Träger der
Faszination
herausgestellt wird, wobei eine Vermischung der Helden seiner Werke mit
Jüngers Vita selbst augenscheinlich ist.
[4]
Der Textkorpus umfaßt die Nachrufe auf Ernst Jünger in den
Tageszeitungen
Berliner
Zeitung, Der Tagesspiegel
,
die
tageszeitung
,
Frankfurter
Allgemeine Zeitung
,
Frankfurter
Rundschau
,
Die
Welt
,
den Wochenzeitungen
Junge
Freiheit
und
Die Zeit
sowie
den Wochenmagazinen
Der
Spiegel
und
Focus
in
der Zeit vom 18.2.98 bis 23.2.98.
[5]Ich
habe 69 Personen gefunden, die sich unter ihrem Namen zu Jüngers Tod
schriftlich äußerten. Die meist namenlos gebliebenen Verfasser/innen
der Nachrichten sind hierbei nicht berücksichtigt. 68 Männer
gegenüber einer Frau äußern sich direkt zu Jünger. Nimmt
man die in verschiedenen Artikeln zitierten Aussagen anderer Personen zu
Jüngers Tod hinzu, stellt sich dieses Verhältnis noch extremer dar:
die Anzahl der sich äußernden Männer steigt an, Brigitte Sauzay
bleibt die einzige Frau. Schriftstellerinnen, Journalistinnen, Politikerinnen -
sie alle scheinen sich zu Jünger nicht zu äußern oder werden
nicht zu ihm befragt.
[6]
Zd
[7]
Zu dem modernen Forschungskonzept, von ‘Männlichkeiten’
anstelle von ‘Männlichkeit’ zu sprechen, vergl.
Erhart/Herrmann, Der erforschte Mann?, in: Erhart/Herrmann, S. 3-31.
[8]
Es wäre interessant, der Frage nachzugehen, ob und in welcher Weise
Jünger geschlechtsspezifisch rezipiert wurde und wird. Mir liegen keine
Untersuchungen dazu vor. Auch die Rezeptionskanäle zu untersuchen
wäre interessant: Schule und Universität vermittelten nach meiner
Erfahrung Jünger zumindest in den siebziger und achtziger Jahren nicht.
Das mag sich geändert haben. Möglicherweise gibt es eine familiale
Vermittlung Jüngers, vor allem seiner frühen Schriften, zwischen den
männlichen Generationen.
[9]
zit. nach Huhnke, S. 111.
[10]
Edelman, zit. nach Huhnke S. 82
[11]
Berger/Luckmann, S. 25.
[12]
Huhnke 1996, vgl. hierzu besonders S. 18.
[13]
In diesem Zusammenhang finde ich die Beobachtung von Huhnke interessant,
daß sich vor allem im Feuilleton Sprachmuster zur Verunglimpfung
weiblicher Ansprüche auf Teilhabe an gesellschaftlicher und symbolischer
finden lassen. Vergl. Huhnke 1996, S. 186, 228.
[14]
vergl. Huhnke 1996, S. 57
[15]
Dieckmann, S. 53.
[16]
Heringer, S. 62.
[17]
Huhnke, S. 84.
[18]
TSb
[19]
FRb
[20]
FRa
[21]
FRb
[22]
FAZb
[23]
FAZb
[24]
von einem „Uralten” spricht mystifizierend der Lyriker Karl Mickel,
während Adolf Endler an eine noch zu Lebzeiten Jüngers von ihm
formulierte spöttische Beschreibung erinnert, in der er Jünger als
„hundertjährige mystagogische Knallerbse” bezeichnet. BZb
Nicht nur in der Wortwahl bleibt er der einzige, der mit Spott und der
Versagung von Ehrfurcht auf Jünger zu reagieren wagt.
[25]
BZb
[26]
TSc
[27]
SPc
[28]
BZc
[29]
„Er sah sich ja selbst als den Unverbundenen, als Anarch, der seine
innere Freiheit unter allen Umständen bewahrt.” FAZc
[30]
FRb
[31]
z.B. Hermann Kant:„Immerhin, der Mann war konsequent, und da bleibt
Achtung nicht aus.” BZb; Kritischer Joachim Fest: „Er hat zwar
immer darauf bestanden, daß er sich in allen Turbulenzen nie gewandelt
habe und immer bei sich selbst geblieben sei. ... Tatsächlich war er aber
viel unruhiger, stärker erfaßt und sogar getrieben vom Zeitenwandel,
als er je wahrhaben wollte.” Diese Lesart weist auch auf die Anstrengung
Jüngers hin, das Bild seiner Ungerührtheit aufrecht zu erhalten. Doch
auch Fest spricht ihm schließlich „starke Unbeirrbarkeit” zu.
BZb
[32]
BZb
[33]
SPb; JFe, BZb
[34]
BZa, auf das Motiv der Todesnähe und Todessehnsucht Jüngers in den
Nachrufen werde ich nicht weiter eingehen. Es wäre jedoch ebenfalls eine
lohnende Untersuchung.
[35]
TSa
[36]
FRa
[37]
„Doch hat die Distanz des Ernst Jünger zu seiner Zeit auch einen
Blick von einzigartiger Schärfe hervorgebracht und Beobachtungen, die
bleiben werden.” BZc
[38]
z.B. Erwin Teufel, Ministerpräsident von Baden Württemberg: ”Zu
Unrecht wird Jünger geschmäht, denn Kriegsbeschreibung ist eben nicht
mit Kriegsverherrlichung gleichzusetzen.” TSd.
[39]
TSc
[40]
BZb
[41]
BZa
[42]
BZc
[43]
Brockhaus in fünfzehn Bänden, München 1997.
[44]BZa [45]
TSb
[46]
FRa
[47]
JFc
[48]
Fb
[49]
Fb, dort eingeführt als Zitat aus der
Frankfurter
Allgemeinen Zeitung
[50]
BZa
[51]
FAZc
[52]
FAZc
[53]
Fb
[54]
Eumeswil, Sämtliche Werke, Bd. 17, S. 41
[55]
JFb
[56]
Wb
[57]
Fb
[58]
FAZc
[59]
FAZa
[60]
FAZb
[61]
Wb
[62]
JFe
[63]
JFe
[64]
zitiert nach TAZa
[65]
JFc
[66]
TAZa
[67]
TAZb
[68]
zitiert nach TAZa
[69]
JFe
[70]
JFe
[71]
SPb
[72]
BZa
[73]
In
Stahlgewittern
,
S. 203
[74]
ibid., S. 317
[75]
Wb
[76]
BZa
[77]
TAZb
[78]
JFe
[79]
FAZb
[80]
JFc
[81]
JFd
[82]
TAZh
[83]
FRa
[84]
Die Bedeutung von ‘heiß’ und ‘kalt’, bezogen auf
männliche und weibliche Körper war z.B. in der griechischen Antike,
aber auch in der frühen Neuzeit, geradezu gegenteilig verteilt. Vergl.
Laqueur.
[85]
mir bekanntes jüngstes Beispiel ist der gerade erschienene Roman
„Bald” von Stephan Krawczyk, der in die Abschnitte
„Kalt”, „Wärmer”, „Heiß” und
„Kühl” unterteilt ist. Volk & Welt 1998.
[86]
Der
Spiegel
4.10.93, zit. nach Huhnke, S. 208
[87]
SPc
[88]
zit, nach SPb
[89]
TSb
[90]
eine eingehendere Betrachtung der Begegnungen von Männern und Frauen in
Jüngers Werk würde allerdings nicht allein einen ‘naiven’
Mangel an ‘androgyner Phantasie’, sondern auch eine aggressive
Abwehr weiblicher Subjektivität zu Tage bringen.
[91]
FAZc
[92]
Ein bezeichnendes Beispiel aus dem Roman
Eumeswil:
”‘Um die Gunst buhlen’: das ist auch eine Kunst. Die
Redensart ist vermutlich von einem erfunden, dem es wie dem Fuchs mit den
Trauben ging. Allerdings, wenn der Buhler erst im Kabinett sitzt, ändern
die Dinge sich. Die Masse erkennt dann, wie die Liebste, freudig ihren Herrn,
nachdem sie ihn ins Kämmerlein gelassen hat.”
Eumeswil,
Sämtliche Werke Bd. 17, S.16. Zur Symbolisierung von Sexualität und
Weiblichkeit in Jüngers Tagebüchern s. auch Weigel, 1990, S. 142,
149ff.
[93]
Wb
[94]
SPb
[95]
vergl.
Der
Arbeiter
,
Sämtliche Werke Bd. 8, hier besonders S. 28.
[96]
TAZb
[97]
TAZc
[98]
TAZg
[99]
vergl. zu diesem Begriff und insgesamt zu einem Überblick zur und
Kategorisierung von Männerforschung Engelfried, S. 39-57. Einen
Überblick über Männerforschung in verschiedenen Disziplinen
geben auch Erhart/Herrmann, Der erforschte Mann?, in Erhart/Herrmann, S. 3-31.
[100]
z. B. Arnold, Betcher, Rohr
[101]
vergl. hierzu Engelfried, Erhart/Herrmann, Gottschalch, Hagemann-White, Mosse
[102]
JFc
[103]
Theweleit 1987, besonders S. 403ff
[104]
Weigel 1990, besonders S. 193ff
[105]
JFc
[106]
SPc; TAZc
[107]
TAZa, über die
Afrikanischen
Spiele
:
„eine der schönsten männlichen Jugenphantasmen”.
[108]
Zb
[109]
Ernst Niekisch, Die Gestalt des Arbeiters, in: Farbige Säume S. 93-98,
hier S. 94.
[110]
JFf
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