Broch, Musil und die Grenzen der ModerneEine Problematisierung von Lyotards Grenzziehung zwischen Moderne und PostmoderneGunther Martens (Belgien) 0. ProblemstellungLyotard
geht davon aus, daß die großen Romanciers der klassischen Moderne
sich in der Konfrontation mit einer chaotischen Welt noch einer allerdings
tentativen Neuordnung des fragmentierten, modernen Universums verschreiben, und
sich in dem Sinne noch einer stabilen 'Hermeneutik des Sinns' verpflichtet
zeigen. Das Bewußtsein von einem Zerfall der Werte, von einem Verlust der
Kohäsion, kennzeichnet zwar sowohl modernistische als auch
postmodernistische Schriftsteller, aber modernistische Fiktion dient zugleich
als "Gegenmittel zu dieser Fragmentierung" (Bertens/D'haen 1988: 73), indem sie
sich auf
metarécits
berufen, welche die Reintegration auf gesellschaftlicher und/oder
persönlicher Ebene ermöglichen. "Bei modernistischen Texten
führt das dazu, daß im Rekurs auf die Metaerzählungen, an die
appelliert wird, eine kohärentere und sinnvollere Welt heraufbeschworen
wird, die potentiell hinter der fragmentarischen Realität vorhanden ist.
Der Postmodernismus dagegen negiert auf brutale Weise diese Möglichkeit,
indem er die Metaerzählungen, auf die sich diese Strategie gründet,
radikal abweist." (Bertens/D'haen 1988: ib.)
Wird
die Moderne also noch von einer "Sehnsucht nach dem Ganzen und dem Einen"
(Lyotard 1997: 48) bestimmt, so lautet, Lyotard zufolge, die postmodernistische
Antwort darauf: "Krieg dem Ganzen, zeugen wir das Nicht-Darstellbare,
aktivieren wir die Differenzen." (ib.) Er formuliert die These - und wir
greifen auf das Zitat im ursprünglichen Wortlaut zurück -, daß:
"les
artistes, Musil, Kraus, Hofmannsthal, Loos, Schönberg, Broch, mais aussi
les philosophes Mach et Wittgenstein ... ont sans doute porté aussi loin
que possible la conscience et la responsabilité théorique et
artistique de la délegitimation. On peut dire aujourd'hui que ce travail
de deuil a été accompli. Il n'est pas à recommencer. [...]
C'est avec elle que le monde postmoderne a affaire. La nostalgie du
récit perdu est elle-même perdue pour la plupart des gens. Il ne
s'ensuit nullement qu'ils sont voués à la barbarie ... Devant
toute autre croyance, la science qui <sourit dans sa barbe> leur a appris
la rude sobriété du réalisme." (Lyotard 1979: 68)
Zum
Zweck einer Überprüfung dieser These konfrontieren wir nun mit Musils
Mann
ohne Eigenschaften
(1929/1942) mit Hermann Brochs Roman
Die
Schlafwandler
(1930).
Daß wir ausgerechnet diesen Romane als Objekt dieser case-study
heranziehen, mag Befremden erregen: beide sind auf den ersten Blick
nämlich durchaus traditionelle und zudem schrecklich dicke Roman, die
keine der Eigenschaften aufweisen, die üblicherweise mit dem
Postmodernismus in Verbindung gebracht werden. In literaturwissenschaftlichen
Kreisen werden übrigens sowohl Broch als auch Musil traditionell als
"Ecksteine" der 'Klassischen Moderne' betrachtet.
Dennoch
ist höchst zweifelhaft, ob auch Musil noch versuchen würde, noch ein
letztes Mal die verlorengegangene "Einheit" festzuhalten, ob er diesem Verlust
der "Erzählung" noch nachtrauern würde. Dazu gehen wir im folgenden
auf die Behandlung der Einheit- und Subjektproblematik in beiden Romanen ein.
I. Broch, Die SchlafwandlerBroch
hat, wie kaum ein anderer Autor, mit der Formel "Zerfall der Werte" die Krise
(s)einer Zeit auf den Begriff gebracht, und mit dem Auseinanderfallen der
Wertsysteme die Fragmentierung des modernen Lebens auf prägnante Weise
beschrieben: "es ist eine Zerspaltung des Gesamtlebens und -Erlebens, die viel
tiefer reicht als eine Scheidung nach Einzelindividuen, eine Zerspaltung, die
in das Einzelindividuum und in seine einheitliche Wirklichkeit selber
hinablangt." (403) Die rücksichtslose Fragmentierung der
Wirklichkeitserfahrung ist aber nur die eine Seite des Brochschen Universums.
Andererseits schwebt ihm ebensosehr das Projekt eines erhofften
Zusammenschlusses der Einzelwertgebiete zu einem neuen Ganzen vor. Dem Zerfall
der Werte soll die Stirn geboten werden, indem diesem eine Ausformung der neuen
Totalität entgegensetzt wird.
Wie
versucht Broch nun, zu einer "neuen Einheit" (395) des Subjekts zu gelangen?
Wir konzentrieren uns dazu auf Brochs Grundlegung des absoluten Logos im
sogenannten erkenntnistheoretischen Exkurs (618ff), den wir als Konzentrat von
Brochs Wertphilosophie betrachten. Brochs Vertrauen in die Metaphysik bleibt
unerschüttert. Dennoch können die Werte nicht, wie es im deutschen
Idealismus der Fall war, "als Absoluta in die Wirklichkeit eingeführt
werden, sondern können bloß im Zusammenhang mit einem ethisch
handelnden wertsetzenden Wertsubjekt gedacht werden."(620) Broch ist hier im
Gefolge Kants anzusiedeln, der ebenfalls die Existenz einer praktischen
Vernunft im Dasein vernünftig handelnder Subjekte begründet und mit
vorgegeben sah. Ist nun mit der Ablehnung des Hegelschen "absoluten und
objektivierten Weltgeist[es], einer "Konstruktion[, die] sich an ihrer
allumfassenden Absolutheit ad absurdum führen mußte" (620),
zugegeben worden, daß es, in Anbetracht der nicht übersteigbaren
Unendlichkeitsschranke, "bloß endliche Setzungen" gibt, so hat sich
selbstverständlich der potentielle Verdacht einer "Relativierung aller
Werte" (621) eingeschlichen. Diese Relativierung überwindet Broch aber
geflissentlich "im Kantschen Sinne" (621), und zwar mit dessen Stichwort einer
"Eigengesetzlichkeit" (621): die Wertsetzung wird nämlich noch von einer
"Absolutheit des Logos bedingt" (621), das heißt, das autonome
"Wertsubjekt" kann sich aus freiem Willen dazu entscheiden, dem sittlichen
Gesetz zu gehorchen, kann nach eigenem Ermessen den "Zwang" anerkennen, "das
Tun unter solch logische Plausibilität" (621) zu stellen. Dies ist der
berühmte kantianische Respekt vor dem Gesetz. Damit ist zugleich auch das
für Musil schon "unrettbare" Subjekt gerettet worden, denn dieses
"autonome Wertsubjekt" ist zwar zeit- und stilbedingt, aber, unverhüllt
platonisch-idealistisch gedacht, auch "immer wieder nur Abschattung des
übergeordneten Logos" (621), und dieser hat bei Broch nach wie vor einen -
wie auch immer begründeten - "unverlierbaren Anspruch auf
Überzeitlichkeit." (622) Auf diese Art wird das Subjekt bei Broch wieder
ins Zentrum des Denkens gerückt werden (623) und von dieser
Neupositionierung des Subjekts erhofft er sich sogar "eine Allbeseelung der
Welt in ihrer ganzen Totalität": wir überlassen das Urteil einfach
Broch selbst: "sicherlich eine Beleidigung für den Rationalisten, dennoch
Trost für das pantheistische Gefühl" (623)! Dem Problem der
verlorengegangenen "Identität von Denken und Sein" wird abgeholfen, indem
sowohl Subjekt als Objekt als wertsetzendes Subjekt gedacht werden. Man mag
versuchen, sich einen Stein als "autonomes und wertsetzendes Wertsubjekt" und
als "Ausdruck des absoluten Logos" vorzustellen: neu ist dieser Optimismus auf
jeden Fall nicht, und man hält für ihn heutzutage den Begriff
'Logozentrismus' bereit.
Broch
erblickt nun in der universellen Anwesenheit vom "Logos", vom "Wort Gottes",
das "dem Menschen als Maß aller Dinge entgegen[leuchtet]", die
"Gewähr für die Einheit des Menschen und seiner Menschlichkeit."
(625) Die Konsequenzen sind denn auch nicht gering, und für den parallelen
Verlauf der Romanhandlung höchst bedeutungsvoll: "mag eine Zeit sich im
völligen Wertvakuum befinden", "unangetastet bleibt die Einheit des
Begriffs, unangetastet die ethische Forderung, unangetastet bleibt die
Rigorosität des ethischen Wertes als reine Funktion, Pflichtwirklichkeit
strengster Observanz und als solche immer noch Einheit der Welt, Einheit des
Menschen, aufscheinend in allen Dingen, unverloren und unverlierbar über
Räume und Zeiten hinweg." (624)
Theorie
und Praxis klaffen aber weit auseinander. Die emphatisch heraufbeschworene
Einheit entlarvt sich als rhetorische Konstruktion: Während der
Schluß des erkenntnistheoretischen Exkurses in einem nahezu hymnischen
Aufschwung die unzerstörbare "Einheit des Menschen" verkündet (624),
lautet der nächstfolgende Satz des narrativen Diskurses lakonisch: "Dr.
Flurschütz half Jaretzki beim Anlegen der Prothese." (624) So findet zwar
die theoretische formulierte Behauptung "Letzte Zerspaltungseinheit im
Wertzerfall ist das menschliche Individuum" (692) in der narrativen Praxis ihre
bildhafte Entsprechung, aber dadurch wird gleichzeitig das Ganze ein
bißchen fragwürdig.
In
einem durchaus mystischen Schluß stellt sich die Totalität wieder
her, indem das Ich in einen größeren Zusammenhang eingeht. Die
"Stimme des Menschen und der Völker, die Stimme des Trostes und der
Hoffnung" (715f) gewährleistet dort die Utopie. Am Ende erfolgt, in den
bloß augenscheinlich lakonischen Schlußwörtern des Romans: 'Tu
dir kein Leid! Denn
wir
sind alle noch hier!" (716), die Verbindung der autonomen Ich zu einem neuen
"Wir". Die "Re-Humanisierung des Menschen" setzt Brochs unerschüttertes
Vertrauen in seine Utopie eines besseren Ich voraus. Gleichzeitig scheint Broch
aber die potentielle Gefahr eines solchen Aufgehens in einer Totalität und
deren Ähnlichkeit zur Anziehungskraft jenes "falschen 'Wir' " (Musil, 8:
1070) des nationalsozialistischen Gemeinschafts-Surrogats vorauszuahnen, und
durch die "Sehnsucht nach dem Führer" gerät das Ganze in ein
Zwielicht:
Und
in der Furcht vor der Stimme des Gerichtes, die aus dem Dunkel hervorzubrechen
droht, erwacht in ihm mit doppelter Stärke die Sehnsucht nach dem
Führer, der leicht und milde ihn bei der Hand nimmt, ordnend und den Weg
weisend, der Führer, der keinem mehr nachfolgt und der vorangeht auf der
unbeschrittenen Bahn des geschlossenen Rings, aufzusteigen zu immer
höheren Ebenen aufzusteigen zu immer hellerer Annäherung (...). (714)
Die
wiedergewonnene Totalität bleibt ein bißchen fragwürdig, denn
sie läßt sich nur als Vision vermitteln. Später hat Broch das
Problem des falschen Heilbringers dichterisch verarbeitet, aber hier
bewährt sich noch das Prinzip Hoffnung. Erst in einem neuen Weltbild, in
dem "
alles
Getrennte wieder eins wird",
ist endlich die "Freiheit des Ichs" verwirklicht, die "wieder in die
platonische Einheit Gottes mündet" (712).
Somit
wird die dem fortschreitenden Wertzerfall entsprechende Aufsplitterung und
Fragmentierung des Erzählkontinuums (im dritten Romanteil) von einer
reintegrierenden Bewegung kontrapunktiert wird, bei der der philosophische
Exkurs sowohl inhaltlich als formal als Bindeglied fungiert. Darüber
hinaus trägt auch die sich über den ganzen Roman erstreckende
unterschwellige Beziehungsdichte des Textes zum Eindruck eines stärkeren
und größeren Zusammenhalts bei, als man auf den ersten Blick
vermuten würde. Was anvisiert wird, ist dann auch die Wiedererlangung der
verlorengegangen Einheit und Totalität; diese findet "in der Kosmogonie
und der einheitsstiftenden Syntax des Dichterischen zwar keine reale, wohl aber
eine symbolhafte Erfüllung." (KW 9/2, S. 116) Es ist dies die "Mission des
Dichterischen, [...] Mission einer totalitätserfassenden Erkenntnis", die
"Pflicht der Dichtung zur Absolutheit der Erkenntnis schlechthin" (KW 9/1, S.
85); gerade in dieser in "Totalität des Erkennens" liegt ihre "einzige
Existenzberechtigung" (KW 9/, S. 186).
Stehen
also Totalität und Fragment bei Broch in einem dialektischen
Verhältnis, so wird sich freilich Musils postmoderne(re)s Bewußtsein
dem bequemen Kunstgriff einer solchen harmonisierenden Dialektik untersagen.
Daran lassen sich - anhand der Stichworte Subjekt, Geschichte und Einheit -
folgende Konsequenzen festknüpfen:
1.
Subjekt: Im theoretischen Teil seines Romans nimmt Broch eine
Neubegründung der Autonomie des Subjekts vor, obwohl er sich selber wohl
dessen bewußt war, daß solches sich kaum noch mit den Bedingungen
der modernen Gesellschaft in Einklang bringen läßt. Broch zeigt sich
somit, wie auch noch andere Kulturkritiker der Moderne, noch besorgt über
die Verdinglichung und Spaltung des Subjekts, "the decline of subjectivity and
the processes whereby humans were becoming thinglike, reified" (Best/Kellner
1991: 131). Wir werden sehen, daß Musil diese Bewertung umdreht, indem er
die Dezentrierung des Subjekts radikal befürwortet.
2.
Broch betrachtet die Geschichte, die er zum Leitfaden seiner
Untergangsgeschichte macht, noch als Garant einer bestimmten Kontinuität.
Die Philosophie, die Broch seinem Roman überstülpt, fungiert denn
auch als Metageschichte, indem sie eine (natürlich kritisch zu
betrachtende) übergreifende Deutung des Geschehens bietet, und zugleich
auch buchstäblich als
meta-récit,
denn Broch beruft sich dabei überdeutlich auf die Metageschichte der
'universellen' Humanität. Auch hier muß wieder der emphatische
Glaube an den universellen Inhalt 'Mensch', an die (platonische) Einheit der
Persönlichkeit als fester Punkt dienen.
3.
Einheit und Ganzheit: Das Ende der
Schlafwandler
mag behaupten, "daß die Einheit unverlierbar bleibt, [...] Einheit des
Menschen, aufscheinend in allen Dingen, über Räume und Zeiten
hinweg", aber es bleibt eine rhetorische Konstruktion im utopischen Optativ:
"auf daß wieder jene Einheit der Welt werde [....]" (KW 9/2: 156), es ist
eine Einheit, die sich mit einer Prothese, mit Versatzstücken
bewähren muß, eine "ganze Wahrheit", der man ansieht, daß sie
konstruiert, "wieder zusammengeflickt worden ist." (MoE 874). Immerhin
entspricht Brochs Programm des "Totalitätskunstwerke[s]" (KW 9/1, 87)
völlig Lyotards Vorstellung einer reintegrativen modernen Literatur.
II. Musil, Der Mann ohne Eigenschaften2.1. Die Delegitimation der Metaerzählungen und die PostmoderneIdentifiziert
man die postmoderne Epoche mit einer "Skepsis gegenüber den
Metaerzählungen" (Lyotard 1986: 14), so muß man feststellen,
daß Musil auf eine eigentümliche Weise manche dieser Propositionen
schon vorwegzunehmen scheint. So legt Musils Werk in mehrfacher Hinsicht von
einem Bewußtsein der Ideologie als Erzählung Zeugnis ab: Das legen
auch schon seine allgemeinere "Abneigung gegen das Erzählen" (Tb. 934) und
seine häufigen kritischen Kommentare über das "Erzählen" nahe:
"Äußerlich
ist die gegenwärtige Krise des Romans so in Erscheinung getreten. - Wir
wollen uns nichts mehr erzählen lassen, betrachten das nur noch als
Zeitvertrieb. [...] Das Neue erzählt uns die Zeitung, das gern
Gehörte betrachten wir als Kitsch. - Das ist aber nicht ganz richtig.
Kommunisten und Nationalisten und Katholiken möchten sich sehr gern etwas
erzählen lassen. Das Bedürfnis ist sofort wieder da, wo die Ideologie
fest ist." (8: 1412)
Im
Grunde führt
Der
Mann ohne Eigenschaften
eine solche Metageschichte ad absurdum. Lyotard unterscheidet nämlich als
sogenannte Emanzipationserzählung die Geschichten, die ihre
Legitimität "in einer einzulösenden Zukunft, das heißt in einer
zu verwirklichenden Idee" (Lyotard 1997: 65) finden. "[D]iese Idee (der
Freiheit, der Aufklärung, des Sozialismus, der allgemeinen Bereicherung)"
bezieht ihren legitimierenden Anspruch aus ihrer Universalität: "Sie
verlieht der Modernität ihren charakterischen Modus: Das Projekt, das
heißt den auf ein Ziel gerichteten Willen." (Lyotard 1997: 65)
Eine
Parodie dieses teleologischen Modus ist deutlich das Projekt der kakanischen
Parallelaktion. Die Erzählung vom "Österreichischen Weltjahr", welche
eigentlich das Imperium und die Regierung "eines 88jährigen
Friedenskaisers" (88) legitimieren sollte, vermag aber nicht zu
überzeugen. Musil durchschaut den Mechanismus der sich selbst entziehenden
Legitimation, und die Gefahr der in ihr enthaltenen Totalisierung, und
schildert die Unmöglichkeit einer Forderung "einer zu verwirklichenden
Idee" (Lyotard 1997: 65):
"Würde
irgendeiner nicht in Verlegenheit geraten, wenn plötzlich das geschehen
sollte, was er sein Leben lang leidenschaftlich gefordert hat? Wenn zum
Beispiel plötzlich über die Katholiken das Gottesreich
hereinbräche oder über die Sozialisten der Zukunftsstaat? Man
gewöhnt sich an das Fordern, und ist nicht gleich darauf gefaßt, ans
Verwirklichen zu kommen? [...] ich [will] damit nichts anderes sagen, als
daß jeden das schwer zu Verwirklichende reizt und daß er das
verschmäht, was er wirklich haben kann. Ich will sagen: daß in der
Wirklichkeit ein unsinniges Verlangen nach Unwirklichkeit steckt!" (288)
In
dem Sinne ist auch der MoE bewußt die Geschichte einer Delegitimation. So
stößt man in der Beschreibung der Parallelaktion auf eine Isotopie
von bedeutungsträchtigen Termini (Wahrheit, Einheit, Synthese, Ordnung),
die deutlich noch in den Diskurs der Moderne hineingehören. Sie werden in
der Folge alle von Ulrich delegitimiert.
Bekanntlich
verwendet die Parallelaktion all ihre Kraft darauf, die eine "krönende
Idee"(174) zu finden, unter welche das Wesen des kakanischen Weltstaates
subsumiert werden kann. Als tieferliegende Motivation entspringt sie aber "dem
Bedürfnis, eine menschliche
Einheit
vorzutäuschen, welche die so sehr verschiedenen menschlichen
Betätigungen umfassen soll und niemals vorhanden ist," (101) denn "alles
löst sich in eine unüberblickbare Vielfältigkeit von Zweifeln
und Möglichkeiten auf." Daß der Versuch, "jene menschliche
Einheit
wiederzufinden, welche durch die so sehr verschieden gewordenen menschlichen
Interessen verlorengegangen sei"(178), sich jedoch als Anachronismus erweisen
muß, wird dem Leser in zunehmendem Maße deutlich: In ihrem
vergeblichen Bemühen, "das Ganze in eine Einheit zu bringen" (374),
läßt die Parallelaktion den wirklichen Zustand der Welt
durchblicken, der auf den Eindruck einer irreduziblen Pluralität angelegt
ist. Der Konfrontation mit dieser Vielfalt wollen weder Musil noch Ulrich sich
entziehen. Während in der Aktion "auf alle mögliche Weise versucht"
(373) wird, eine "Einheit ohne Widersprüche" herzustellen (373), hält
Ulrich bewußt an einem "Leben ohne innere Einheit" (652) als an dem
einzigen noch möglichen fest.
Auf
einer abstrakten Ebene handelt es sich bei der Parallelaktion um die Suche nach
Einheit angesichts der Feststellung einer irreduziblen Vielheit der
Wirklichkeit. Heterogenität ist jedoch das Stichwort dieser sich rasch
ausdifferenzierenden Gesellschaft, und der Versuch, diese Vielfalt zur
ursprünglichen Einheit zu restaurieren, gewinnt somit den Charakter einer
rückwärtsgewandten Utopie. Die Aktion ist zugleich Suche nach einem
transzendentalen Wert, der diesem freien Spiel von Substitutionen und
Möglichkeiten ein Ende setzen sollte. Durch ihre einseitige Ausrichtung
auf "die feste Materie der Wirklichkeit und Wahrheit" (583) verharrt der
Wirklichkeitssinn im Bereich der Metaphysik. Die Suche nach der alleinigen
großen Idee scheitert aber an der Ambivalenz und der beunruhigenden
Indifferenz der Gegensätze, welche das Wesen der kakanischen Wirklichkeit
und der ganzen Welt ausmacht:
Jedesmal,
wenn Diotima sich beinahe schon für eine solche Idee entschieden hatte,
mußte sie bemerken, daß es auch etwas Großes wäre, das
Gegenteil davon zu verwirklichen. [...] Diotima hätte sich ein Leben ohne
ewige Wahrheiten niemals vorzustellen vermocht, aber nun bemerkte sie zu ihrer
Verwunderung, daß es jede ewige Wahrheit doppelt und mehrfach gibt. (229)
Es
ist ausgerechnet Ulrich, der die Parallelaktion im Augenblick ihres Scheiterns
darüber aufklären soll, was die von ihr gesuchten "Richtbilder" sind:
"Ulrich definierte: 'Ewige Wahrheiten, die weder wahr noch ewig sind, sondern
für eine Zeit gelten, damit sie sich nach etwas richten kann.' "(1004).
Dem setzt Ulrich seine perspektivistische Lebensweise entgegen, wobei jede
Perspektive, jede "Einsicht" bloß "eine Sicht" (MoE 556) unter vielen
möglichen Sichtweisen bildet. Dieser Perspektivismus (z)ersetzt somit den
metaphysischen Wahrheitsbegriff, gegen den sich Musils epistemologische Kritik
richtet: statt der Einheit(lichkeit) und Singularität der Wahrheit bleibt
nur noch eine Pluralität von Wahrheitsansprüchen - "Es gibt
Wahrheiten aber keine Wahrheit." (Tb. 12). Der fluide Stil und der
nicht-teleologische Duktus des Romans unterwandern das Streben der Aktion nach
der einen Wahrheit. Ulrichs offene, experimentelle Denkhaltung, bei der
"niemals etwas ganz Fertiges und Klares" (1354) herauskommt, in der
antisystematisch, diskontinuierlich und oft paradox, also "gleichsam bei offen
bleibender Tür" (1355) gedacht wird, entzieht zwar einem jeden Boden,
unterwandert aber gleichzeitig auch das überwiegend monologisch
eingerichtete Wahrheitsdenken der Aktion und richtet sich gegen diejenigen, die
meinen, "ihre Erkenntnisse von sogenannten ewigen und großen Wahrheiten
her[leiten]" (248) zu können. Die Musilsche Antwort darauf lautet
wesentlich skeptischer und scheint eher die postmoderne postkritische Haltung
vorwegzunehmen. Ihm ist klar, daß jede Zeit bloß ihre eigene
Wahrheit definiert und aufgrund von Machtmechanismen aufdrängt. "Ein
Wissender weiß, daß nichts wahr ist und die ganze Wahrheit erst am
Ende aller Tage liegt." (960) Daher nimmt sich in Ulrichs Gebrauch die
"Wahrheit" tatsächlich aus wie "eine Kraft, die den Menschen
mißhandelt." (795)
Von
hieraus wird deutlich, daß der Roman es sich wohl kaum, wie Brochs Roman
Die
Schlafwandler
,
zur Aufgabe stellen möchte, anhand eines philosophischen Systems die
zerfallenen "Weltbilder" polyhistorisch zu einer neuen Ganzheit
zusammenzuziehen. Denn die Einlösung dieses Systematisierungs- und
Ganzheitsanspruches ist Broch wohl erst möglich, indem er auf eine
Geschichtsteleologie rekurriert, welche das (dadurch nur augenscheinliche)
Chaotische der Gegenwart in einen geschichtlichen, dialektischen Prozeß
zurückbinden soll. Die Möglichkeit eines solchen umfassenden
geschichtlichen Syntagmas ist Musil verwehrt, weil ihm schon die Kategorie der
Geschichte selbst nicht zur Verfügung steht. Gegen Arnheims deutlich als
Hegel-Allusion zu wertendes Motto, "in der Weltgeschichte geschehe nichts
Unvernünftiges" (327), führt Ulrich die Überzeugung ins Treffen,
daß auch die Geschichte nur eine Erzählung ist: "Weltgeschichte
[entsteht] zweifellos ebenso [...] wie alle anderen Geschichten. Es fällt
den Autoren nichts Neues ein, und sie schreiben einer vom anderen ab." (360)
Musils Einsicht in den narrativen Charakter der Geschichte - "Die Geschichte
erinnert [...] an eine Dichtung!" (322) - nimmt merkwürdigerweise eine
zentrale Idee der Postmoderne vorweg. In der Tat wird vor allem die Kategorie
der Geschichte in der Postmoderne zu einer der zentralsten Metageschichten, zur
Fiktion erklärt. Die Geschichte kann als Geschichte höchstens einen
Schein von Kausalität erdichten. In seiner Kritik an Spenglers
morphologischer Geschichtstheorie schreibt Musil, die Geschichte erzeuge nur
einen "Ordnungsschein über einem Chaos" (8: 1086).
2.2 "Ein Mann ohne Eigenschaften [...], was ist das?" - "Nichts! Eben nichts ist das!"(64)Es
unterliegt keinem Zweifel, daß die Brochsche Ganzheit und Einheit des
Subjekts in einer Zeit, wo der Mensch "heute geteilt und nach Teilen mit
anderen Menschen verschränkt" (875) lebt, nicht mehr vorhanden ist.
Totalität und Fragment verhalten sich im
Mann
ohne Eigenschaften
ganz anders als in Brochs
Die
Schlafwandler
.
Der Text evoziert dabei auf thematischer Ebene ein fragmentarisches Universum,
in dem Totalität oder Ganzheit nicht mehr vorhanden sind. "[D]as Ganze ist
kein Ganzes mehr - sagt schon Nietzsche"(484), und das diesbezügliche
Nietzsche-Zitat wird auch sowohl im Tagebuch (Tb. 28) als auch im Roman (MoE
484; 1776) wortwörtlich exzerpiert.
Das
Wort wird souverän und springt aus dem Satz hinaus, der Satz greift
über und verdunkelt den Sinn der Seite, die Seite gewinnt Leben auf
Unkosten des Ganzen, das Ganze ist kein Ganzes mehr. (II, 916/917)
Als
im Roman das Bestreben gelobt wird
,
"etwas
Ganzes zu sein", antwortet Ulrich kategorisch: "Das gibt es nicht mehr." (217).
"Du
brauchst bloß in eine Zeitung hineinzusehn. Sie ist von einer
unermeßlichen Undurchsichtigkeit erfüllt. Da ist die Rede von so
vielen Dingen, daß es das Denkvermogen eines Leibniz überschritte.
Aber man merkt es nicht einmal; man ist anders geworden. Es steht nicht mehr
ein ganzer Mensch einer ganzen Welt gegenüber, sondern ein menschliches
Etwas bewegt sich in einer allgemeinen Nährflüssigkeit." (217)
Das
erinnert an Nietzsches "es denkt" (II, 580f), mit dem er den "Aberglauben der
Logiker"(ib.) an die Einheit des Ich moniert. Tatsächlich ist Musils Roman
der konsequente Versuch, einen Menschen ohne Substantialität zu denken.
Denn
was ist nun ein Mann ohne Eigenschaften? Was in postmoderner Zeit als die
Toterklärung des Subjektes gelesen wird, findet seinen Grund darin,
daß Nietzsche das Subjekt wiederholt für eine bloße
"Fiktion"(Nietzsche III, 126, 534, 540, 751) erklärt. Die Einsicht,
daß das Ich bloß Konstruktion, bloß "als Organisation
Einheit" (II, 500) ist, nimmt die postmoderne Dezentrierung des Subjekts
vorweg, die auch in Musils Ansichten ihre Entsprechung findet. Zeichen, die auf
die Instabilität und Insubstantialität des Ichs weisen, gibt es bei
Musil in Hülle und Fülle. Ulrich analysiert:
Das
Ich verliert seine Bedeutung, die es bisher gehabt hat, als ein Souverän,
der Regierungsakte erläßt; wir lernen sein gesetzmäßiges
Werden verstehn, den Einfluß seiner Umgebung, die Typen seines Aufbaus,
sein Verschwinden in den Augenblicken der höchsten Tätigkeit, mit
einem Wort, die Gesetze, die seine Bildung und sein Verhalten regeln. [...]
Denn da Gesetze wohl das Unpersönlichste sind, was es auf der Welt gibt,
wird die Persönlichkeit bald nicht mehr sein als ein imaginärer
Treffpunkt des Unpersönlichen [...]. (474)
Die
Frage nach der Begründung dieses Bedeutungsregresses des Subjektes
führt uns sofort zu der zentralen Konzeption der Eigenschaftslosigkeit,
die folgendermaßen im Roman entfaltet wird:
Es
ist eine Welt von Eigenschaften ohne Mann entstanden, von Erlebnissen, ohne
den, der sie erlebt, und es sieht beinahe aus, als ob im Idealfall der Mensch
überhaupt nichts mehr privat erleben werde und die freundliche Schwere der
persönlichen Verantwortung sich in ein Formelsystem von möglichen
Bedeutungen auflösen solle. Wahrscheinlich ist
die Auflösung des anthropozentrischen Verhaltens,
das
den Menschen so lange Zeit für den Mittelpunkt des Weltalls gehalten hat,
aber nun schon seit Jahrhunderten
im Schwinden
ist
,
endlich
beim Ich selbst angelangt,
denn der Glaube, am Erleben sei das wichtigste, daß man es erlebe, und am
Tun, daß man es tue
,
fängt
an
,
den
meisten Menschen als eine
Naivität
zu
erscheinen. (150, unsere Hervorhebungen, GM)
Den
Tod des Subjekts zu verkünden ist aber an sich nicht postmodern, denn das
"Schwinden des Subjekts" war an sich auch schon in der Moderne gang und
gäbe. "Strukturalistisches Denken besiegelt bereits den Kältetod des
Subjektiven und Humanen, sofern beides sich noch auf substantialistische
Annahmen bezieht. Poststrukturalistisches Denken nimmt von vornherein die
letztmögliche Perspektive ein: die eines 'déjà vu' all des
Totgesagten, das nur noch um weitere Elemente zu vermehren wäre." (Scherpe
1986: 272) Derrida hat tatsächlich das apokalyptische Sprechen über
das Ende des Menschen als einen metaphysischen Restbestand entlarvt, weil
gerade "die geschichtsphilosophische und theologische Kraft der Apokalypse, mit
der das Ende beschworen wurde", dazu dient, "um dem Leben einen besseren Sinn
zu geben." (Scherpe 1986: 272)
Demgegenüber
versucht Musil auf konstruktive Weise in der Leere des verschwundenen Menschen
zu denken und deren Chancen und Möglichkeiten auszuschöpfen. Seine
Identitätskonzeption mutet postmodern an, weil er gerade dasjenige
vollzieht, was Jameson mit dem Übergang von Moderne zur Postmoderne als
die "Substitution des
entfremdeten
Subjekts durch das
fragmentierte
Subjekt" (Jameson 1986: 59) bezeichnet hat. Das unterscheidet ihn von anderen
modernistischen Schrifstellern: "Whereas earlier critical modern theorists
[...] worried about the decline of subjectivity and the processes whereby
humans were becoming thinglike, reified", dreht Musil den Spieß um, indem
er befürwortet, "that we divest ourselves of the illusion and hybris of
subjectivity." (Best/Kellner 1991: 131) Die drei erfolglosen Versuche Ulrichs,
sich mit irgendeinem Beruf abzufinden, verraten seinen Unwillen, sich auf
bestimmte Eigenschaften, also auf eine bestimmte Identität festzulegen:
Darum
zögert er, aus sich etwas zu machen; ein Charakter, Beruf, eine feste
Wesensart, das sind für ihn Vorstellungen, in denen sich schon das Gerippe
durchzeichnet, das zuletzt von ihm übrig bleiben soll. (250)
Die
Festellung Ulrichs, "man kann tun, was man will; [...] es kommt in diesem
Gefilz von Kräften nicht im geringsten darauf an"(13), läuft darauf
hinaus, daß Ulrich sich als sozial bestimmtes und agierendes Subjekt
durchstreicht und vom eigenen Leben Urlaub nimmt (47). Ulrichs Weltanschauung
wird in der Folge völlig vom Wissen um die "Auflösung des
anthropozentrischen Verhaltens" beherrscht:
Nehmen
wir an, daß es im Moralischen genau so zugehe wie in der kinetischen
Gastheorie: alles fliegt regellos durcheinander, jedes macht, was es will, aber
wenn man berechnet, was sozusagen keinen Grund hat, daraus zu entstehen, so ist
es gerade das, was wirklich entsteht! Es gibt merkwürdige
Übereinstimmungen ! Nehmen wir also auch an, eine bestimmte Menge von
Ideen fliegt in der Gegenwart durcheinander; sie ergibt irgendeinen
wahrscheinlichen Mittelwert; der verschiebt sich ganz langsam und automatisch,
und das ist der sogenannte Fortschritt oder der geschichtliche Zustand; das
Wichtigste aber ist,
daß
es dabei auf unsere persönliche, einzelne Bewegung gar nicht ankommt
,
wir können rechts oder links, hoch oder tief denken und handeln, neu oder
alt, unberechenbar oder überlegt: es ist für den
Mittelwert
ganz
gleichgültig, und Gott und Welt kommt es nur auf ihn an, nicht auf uns!"
(491)
Noch
viel später bringt Ulrich die Einsicht zum Ausdruck: "Was man heute noch
persönliches Schicksal nennt, wird verdrängt von kollektiven und
schließlich statistisch erfaßbaren Vorgängen." (722)
Fundamentell ist nun, daß Ulrich diesem Verlust des anthropozentrischen
Verhaltens überhaupt nicht nachtrauert, sondern als einer der "Essayisten
und Meister des innerlich schwebenden Lebens" (254) überwindet und durch
seinen experimentellen Essayismus ersetzt. Man hat Musils Konzept einer
"beweglichen Identität" sogar zum "Schlüsselphänomen zum
Verständnis der Postmoderne" (LeRider 1990: 9) erklärt: "Robert
Musils ist derjenige, der sich mitten im Zerfall der personellen Einheit und
der Einheit des 'klassischen Subjekts' weigert, voreilige Identifizierungen zu
akzeptieren, um sich statdessen lieber in der Disponibilität zu halten."
(LeRider 1990: 56). Postmodern mutet auf jeden Fall die Tatsache an, daß
Musil von der Frage nach einer Begründung der Identität absieht. Auf
diese Art und Weise sieht man auch Musil "awakening from the nightmare of
modernity, with its ... fetish of the totality, into the laid-back pluralism of
the post-modern, that heterogeneous range of life-styles and language games
which has renounced the nostalgic urge to totalize and legitimate itself."
(Eagleton 1987: 194)
Schließlich
soll noch darauf hingewiesen werden, daß Musil deutlich mehr mit der
postmodernen Philosophie als mit den postmodernistischen Kulturformen, die
dieser Weltsicht heutzutage zu entsprechen suchen, gemeinsam hat. Musils Text
inszeniert überdeutlich alles andere als "sheer surface or superficiality"
(Jameson 1981: 111). Betrachtet man aber, mit Eagleton, die "Philosophie der
Postmoderne" als "eine Art umfangreiche Fußnote zur Philosophie Friedrich
Nietzsches" (Eagleton
41996:
229) betrachtet, der im 19. Jahrhundert fast jede Position der Postmoderne
schon vorweggenommen hat, so leuchtet durchaus ein, daß auch ein so
gründlicher Rezipient Nietzsches wie Musil eben auf jene Einsichten
reagiert hat - und es wäre in dieser Hinsicht weiter auch noch auf die
wichtige Homologie in der Metaphysikkritik bei Nietzsche und Musil hinzuweisen
-, die Nietzsche heutzutage als "Drehscheibe zur Postmoderne" (Habermas)
erscheinen lassen.
III. ConclusioEs
hat sich herausgestellt, daß der
Mann
ohne Eigenschaften
schon einige Elemente enthält, die auf die Literatur der Postmoderne
vorausweisen, oder besser ausgedrückt, daß er gerade die Kategorien
bewußt zum Scheitern führt, die für eine Abgrenzung der
literarischen Moderne gegenüber der Postmoderne wesentlich sind, wodurch
das Werk sich erst recht deutlich auf der Kippe zwischen den beiden befindet.
Setzt
die Moderne somit auf Einheit, Kohärenz, und greifen Autoren wie Joyce (
Ulysses),
Thomas Mann (
Joseph
und seine Brüder
)
und Dos Passos (
USA)
auf die Meta-Erzählungen der Mythologie, der literarischen und biblischen
Tradition zurück, um die Kontinuität zu gewährleisten (vgl.
Bertens/D'haen 1988: 74), so nimmt nun innerhalb dieses Feldes Musil eine
Sonderstellung ein, die ihn mit einiger Berechtigung auf der Kippe zur
Postmoderne situiert. Das Ideal der Ganzheit und Einheit wird aufgegeben und
von einem hypothetisch-experimentellen Möglichkeitsdenken abgelöst,
das der postmodernen Weltanschauung schon wesentlich näher kommt. So kann
ein in der äußeren Form durchaus traditioneller Roman, unter
Verzicht auf die
metarécits
der Schein-Totalität, des "Pseudo-totale[n]" (1724) dennoch die
Postmoderne vorwegnehmen, indem endgültig "das Ganze [...] zum Aberglauben
herabgesunken" (1344) ist.
Die
Destruktion der Totalität auf thematischer Ebene [1] bezieht sich
innerhalb des Romans ebensosehr auf die Verweigerung einer "totalité de
signification" (Greimas 1966: 58). In diesem Kontext ist auch auf den
selbstdekonstruktiven Gestus von Musils MoE hinzuweisen. Die festgestellte
Differenz der beiden Romane zeigt, auf welche Weise mit dem Übergang von
Moderne zur Postmoderne eine Verlagerung der Sichtweise des Textes erfolgt von
der einer geschlossenen Einheit, ausgestattet mit begrenzten Bedeutungen, die
zu dechiffrieren Aufgabe des Kritikers ist, auf die einer nicht reduzierbaren
Vielfalt, einer ausufernden polysemischen Pluralität, eines unendlichen
Spiels der Signifikanten, die niemals endgültig auf einen einzigen
Mittelpunkt, eine einzige Essenz oder Bedeutung reduziert werden können.
Hat
man es sich inzwischen schon zur Gewohnheit gemacht, die Dekonstruktion des
Formalismus und des 'free-play' zu bezichtigen und insgesamt als ahistorisch zu
verdammen, so möchte man dagegen doch noch das konstruktive Moment
hervorheben, das in dieser reduktionistischen Sicht völlig verloren geht.
Dekonstruktion ist nicht einfach Destruktion jeder Bedeutung oder völlige
Sinn-entleerung, sondern ermöglicht auch positive Einsichten in die Art
und Weise, wie wir die Bedeutung eines Textes konstruieren, und das prägt
sich auch aus in der ethischen Richtung, die die Dekonstruktion kurz vor ihrem
Zusammenbruch eingeschlagen hat. Der Poststrukturalismus hat zur Einsicht
gezwungen, daß das Interpretieren anhand des hermeneutischen Zirkels,
trotz seiner Unhintergehbarkeit und Verdienste, eine immanente Tendenz zur
totalisierenden Vereinheitlichung enthält: "[L]äuft die Bewegung des
Verstehens stets vom Ganzen zum Teil und zurück zum Ganzen." (Gadamer
1975: 275), so ist es offenbar deren unterschwellige Zielsetzung, nicht
"Widersprüche zu lösen, sondern sie verschwinden zu machen" (MoE
649), wobei "Lücken sich schließen und endlich das Ganze eine
ordentliche glatte Rundung erfährt", so "daß unbewußt etwas
entsteht, worin man sich Herr im Hause fühlt. Diese Leistung ist es also",
könnte man mit Musil sagen, die wir nicht mehr "in wünschenswerter
Weise vollbringe[n]" (MoE 649) mögen, weil dabei allzu häufig
ausgeklammert wird, daß dieses "Ganze" oft "einen etwas verwackelten
Sinn" (MoE 12) hat. Gadamer sieht zwar die Möglichkeit vor von Texten,
"die nicht verschwinden wollen", die sich dieser Bewegung nicht unterwerfen
wollen, hat aber weiter nichts darüber zu sagen. Die Dekonstruktion hat
darum mit Recht eine Lektüre begründet, "die innehält im Text,
um dem Leseprozeß, der von sich aus auf sicheres Verstehen und auf
(hermeneutische) Ganzheit zielt, Einhalt zu gebieten, auch wenn die
Identität des Textes und die Einheit seines Sinnes damit als
hermeneutische Fiktionen entlarvt werden." (Filipsen 1995: 192) Wie wir an
anderer Stelle dargelegt haben, leistet Musils Roman dieser subversiven
Lesebewegung Vorschub, so daß die zeitweiligen Ganzheitsbestrebungen des
Inhaltes zusätzlich von einer gegenläufigen Tendenz untergraben werden.
Es
hat sich herausgestellt, daß Lyotards Einschätzung der modernen
Literatur derselben eine Homogenität unterschiebt, die bei genauerem
Hinsehen nicht ganz aufrecht bleibt. Wir glauben damit einen problematischen
Aspekt der heutigen Postmoderne-Debatte berührt zu haben. Trotz der
Tatsache nämlich, daß die Postmoderne "die Freigabe und Potenzierung
der Sprachspiele in ihrer Heterogenität, Autonomie und
Irreduzibilität" (Welsch 1987: 33) befürworten möchte und
entgegen der Moderne, die dem Verlust des "Ganzen und Einen" (Lyotard 1997: 48)
, "dem Verlust der Übereinstimmung" (Welsch 1987) noch nachtrauern
würde, zu einem "Krieg dem Ganzen" und zu einer Aktivierung der
"Differenzen" (Lyotard 1997: 48) aufruft, weist paradoxerweise dieser (totale?)
Krieg seinerseits gefährliche Züge einer neuen Totalisierung auf.
Anders formuliert: Will man, mit jener griffigen Formel, die Postmoderne mit
einem "Skepsis gegenüber Metaerzählungen" (Lyotard 1986: 24)
identifizieren, so sieht man sich doch mit der merkwürdigen Tatsache
konfrontiert, daß diese Postmoderne angeblich sich selber solchen
metarécits
über dasjenige, was sie kritisiert, nicht entsagen kann.
Es
geht hier nun nicht darum, die vorgefundene Unmöglichkeit einer genauen
Abgrenzung zwischen modernen und postmodernen Diskursen herauszustellen oder im
Namen eines neuen Konservatismus zu kritisieren. Diese Kritik gibt es schon
längst, z.B bei Eagleton: "Lyotards grand récit of Enlightenment is
not so much wrong as drastically one-sided, a prejudice he shares with
Foucault. 'Modernity' for Lyotard would seem nothing but a tale of terroristic
Reason, and Nazism little more than the lethal terminus of totalizing thought.
This reckless travesty ignores the fact that the death camps were among other
things the upshot of a barbarous irrationalism which, like some aspects of
post-modernism itself, junked history, refused argumentation, aestheticized
politics and staked all on the charisma of those who told the stories."
(Eagleton 1987: 194) In diesem Zusammenhang bleibt auch die Argumentation von
Welsch in der Frage, ob der "Postmodernismus, der die Ganzheitsdekrete und
Totalisierungen hinter sich zu lassen gedenkt, nicht seinerseits ein
Ganzheitsdekret" (182) beinhalte, höchst unbefriedigend: er behauptet
lediglich, dessen Totalisierungsverbot sei "durch einen Reflexionssprung
gekennzeichnet" (Welsch 1987: 182).
IV. Eine Alternative: McHales "Constructing Postmodernity": Erkenntnis und KonstruktionFreilich
gibt es Alternativen zu dieser allzu vereinheitlichenden Sicht. In
"Postmodernist Fiction" (1987) entwickelt McHale die wichtige These, daß
im Gegensatz zur modernistischen Fiktion, wo epistemologische Fragestellungen
in den Vordergrund treten, die postmodernistische Literatur von ontologischen
Fragen dominiert wird. McHales Ansatz beinhaltet einen Versuch, Moderne und
Postmoderne als "noetische Systeme oder Paradigmen zu denken, in denen
bestimmte Fragen oder Aussagen möglich sind, andere hingegen nicht
(mehr)." (Zima 1997: 237) Gegenüber den eher ideologisierenden
Betrachtungsweisen genießt dieser Ansatz aber den Vorteil, daß er
die Heterogenität der Systeme hervorheben kann. So liefert McHale ein
überzeugendes Beispiel, wie in Faulkners
Absalom
Absalom!
an dem Ort, wo Quentin und Shreve die Realität nicht länger
kennen,
sondern einfach selber
konstruieren
und erfinden wollen, den modernen Diskurs von einem postmodernen Diskurs
abgelöst wird.(McHale 1986: 59) Der Unterschied wird folglich nicht nach
einem manichäistischen Entweder-Oder-Prinzip, sondern aufgrund einer
foregrounding
von
Dominanten entschieden. An die Stelle der modernen Fragen nach der
Zuverlässigkeit des Wissens, nach der
Erkenntnis
treten also Fragen bezüglich der Beschaffenheit von fiktiven Welten und
das Bewußtsein der
Konstruktion
von Wirklichkeit.
Die
eindrucksvolle Art und Weise, auf die McHale seine Hypothese illustriert,
zeigt, daß es sich hier sicherlich um ein brauchbares Modell handelt.
Allerdings scheint es naiv, schlicht und einfach vorauszusetzen, daß der
Modernismus diese Höhe noch nicht erreicht hätte und nur zur
epistemologischen Skepsis fähig wäre, ohne darüber hinaus zu
gehen. Was Musil betrifft, wäre sogar auf eine Koexistenz der
ontologischen und epistemologischen Ebene zu schließen: Musils Essay
"Skizze der Erkenntnis des Dichters" (1918) behandelt durchaus epistemologische
Fragestellungen, und schließt sich somit durchaus der modernen
epistemologischen Skepsis an. Auf bedeutungsträchtige Weise aber
schließt er den Essay mit dem Satz: "es bleibt bloß die Frage, ob
der Dichter ein Kind seiner Zeit sein soll oder ein Erzeuger der Zeiten." (8:
1030) Daß die epistemologische Fragestellung hier in eine ontologische
umkippt, ist keineswegs Zufall, denn von einem "konstruktiven" Bewußtsein
legt auch sein Werk auf eindrucksvolle Weise Zeugnis ab. Es ist nämlich
so, daß Musil in der Frage nach dem Verhältnis von Subjekt und
Objekt eine ausgesprochen konstruktivistische Haltung einnimmt, die die
"Wirklichkeit" konsequent als autopoietische Konstruktion, als "Aufgabe und
Erfindung behandelt." (16) All unsere "Überzeugungen, Vorurteile,
Theorien, Hoffnung, der Glaube an irgendetwas, Gedanken, [...] dienen, indem
sie uns das Vermögen leihen, das wir ihnen borgen, dem Zweck, die Welt in
ein Licht zu stellen, dessen Schein von uns ausgeht, und im Grunde ist nichts
anderes als dies die Aufgabe, für die jeder sein besonderes System hat."
(526) Musil will uns die Wirklichkeit als etwas von uns selber Konstruiertes
erfahren lassen: "Unsere Wirklichkeit ist, soweit sie von uns abhängt, zum
größern Teil nur eine Meinungsäußerung, obwohl wir ihr
wunder was für eine Gewichtigkeit andichten." (1128) Nur in dem Sinne kann
man verstehen, auf welche Art und Weise "die Wirklichkeit sich selbst
abschaffe" (1129): sie ist ein Sinngebungssystem, das nur vorübergehend
Geltung behält, und sofort von einem neuen abgelöst wird, weil in
diesem "Perpetuum mobile" nichts Bestand hat, vor allem nicht dasjenige, was
"was das Ansehen hat, für die Ewigkeit zu gelten." (1129) Ulrich wirft
seinen Mitbewohnern des Romans konsequent vor, in ihrer Ausrichtung auf "die
feste Materie der Wahrheit und Wirklichkeit" die Konstruiertheit der
Wirklichkeit nicht zu beobachten. Als "Wirklichkeitsmenschen"
überschätzen sie "maßlos das Gegenwärtige, das Gefühl
der Gegenwart, das, was da ist." (289) Die Wirklichkeit hat, als "das jetzt
geltende System" (394) bloß einen paradigmatischen Charakter, und somit
bloß eine beschränkte Gültigkeit. In einem Wort: "die
Wirklichkeit schafft sich selbst ab!" (289)
Daß
in diesem Bereich der postmodernen Theoriebildung manchmal postmoderne
Heterogenität waltet bzw. es ein bißchen verschwommen aussieht, mag
nun die Tatsache illustrieren, daß Lyotards Auffassung der Postmoderne
das konstruktive Bewußtsein nun gerade auf die Seite der Moderne
schlägt. "Mit der Moderne geht stets, wie immer man sie auch datieren mag,
eine Erschütterung des Glaubens und, gleichsam als Folge der Erfindung
anderer Wirklichkeiten, die Entdeckung einher wie
wenig
wirklich
die Wirklichkeit ist." (Lyotard 1997: 42) Diese Feststellung trifft einerseits
wunderbar das Werk von einem Autor wie Robert Musil, aber andererseits
würde nach der Definition von McHale diese Einsicht gerade das "dominante"
Spezifikum der Postmoderne sein. Man kann den Ansatz vielleicht noch in dem
Sinne aufrecht erhalten, daß es überwiegend in der Postmoderne nicht
mehr um eine "Erschütterung des Glaubens" handelt, aber dann fällt
Musil wieder aus dem Modernismus heraus. Bei Welsch heißt es
folgendermaßen:
"Die
Grundoption gilt den Übergang zur Pluralität, zur Anerkennung und
Beförderung der heterogenen Sprachspiele in ihrer Autonomie und
Irreduzibilität.
Die
Verteidigung der unterschiedlichen Lebenswelten, Sinnwelten und Anspruchswelten
macht die emphatische Inspiration dieses philosophischen Postmodernismus aus
."
(Welsch 1987, 79)
Das
Kriterium der Pluralität von möglichen Welten bereitet aber
Schwierigkeiten, wenn man feststellt, daß auch Saul Bellows
Humboldt's
Gift
(1975) und Tom Wolfes
The
Bonfire of the Vanities
(1987)
auf den Konflikt unterschiedlicher Sinnwelten angelegt sind, ohne daß sie
dabei besonders postmoderne Züge aufweisen würden. Die binäre
Opposition erweist sich also als leicht dekonstruierbar. Positiv bleibt jedoch
die Einsicht, daß kein literarisches Werk eine vollständige Einheit
bildet. So kann man es nur begrüßen, daß McHale die Grenze
zwischen Moderne und Postmoderne quer durch den Ulysses-Roman verlaufen
läßt. "Split roughly down the middle, its first half has long served
as a norm for >High Modernist< poetics, while only recently have we begun
to regard its second half as normatively postmodernist." (MacHale 1992: 10) Das
übersieht der emphatische Verteidiger der Pluralität selber. Es
waltet nämlich Willkür, wenn Lyotard Joyce unvermittelt der Moderne
zuschlägt. (siehe: Lyotard 1997: 58) Joyces
Ulysses
bleibt zwar tatsächlich, gemäß der Definition von Moderne, die
Lyotard zu diesem Zweck selber liefert, ein reintegratives Kunstwerk: es
bezieht sich unterschwellig auf die Metageschichte der Mythologie, um die
fragmentierte und zersplitterte Wirklichkeit zu einer neuen Kontinuität zu
verhelfen. Diese reintegrative Tendenz macht sich auch auf noch viel subtilere
Weise in der bekannten systematischen Erwähnung der menschlichen Organe
spürbar: Ulysses ist nämlich, wie z.B. auch Brochs
Die
Schlafwandler
aus der Erschütterung des ersten, großen Weltkrieges entstanden, die
das Bewußtsein so vieler Autoren nachhaltig beeinflußt hat: durch
dieses Verfahren will Joyce den Menschen gleichsam neu zusammensetzen, will er
die organische Einheit des Menschen gleichsam der Reihe nach zu ihrer
ursprüngliche Würde restaurieren, die Einheit des Menschen neu
begründen. Andererseits hat Joyce sehr früh mit der heterogenen Welt
der freien Semiose des
Finnegans
Wake
die postmoderne " Freigabe und Potenzierung der Sprachspiele in ihrer
Heterogenität, Autonomie und Irreduzibilität" (Welsch 1987: 33) viel
radikaler vorweggenommen, als Musil es getan hat. Auch Musil wollte zwar
bekanntlich den MoE im zweiten Buch des Romans am liebsten "mitten in einem
Satz mit einem Komma aufhören", um den Band ja nicht "als etwas Fertiges
und seinen Abschluß als etwas Absolutes erscheinen zu lassen." Mit dieser
Geste hat aber nicht er selbst, sondern erst Joyce dem "work in progress" das
Ende als Sinnzentrum bewußt entnommen.
Fußnoten:[1]
Eine ausführlichere Entwicklung dieses Gedankens haben wir vorgelegt in
Martens, Gunther: "'Das Ganze ist das (Un)Wahre'. Broch und Musil im
Spannungsfeld von Totalität und Fragment", in:
Recherches
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Eagleton,
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Einführung
in die Literaturtheorie.
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41996. Engelmann,
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Texte
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Gadamer,
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Heidegger,
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Jameson,
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Lyotard,
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Dekonstruktion
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Stuttgart 1997. S. 33-48.
Martens,
Gunther: "'Das Ganze ist das (Un)Wahre'. Broch und Musil im Spannungsfeld von
Totalität
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Recherches
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McHale,
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Fokkema,
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Amsterdam 1986. S. 53-79.
McHale,
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Postmodernist
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London 1987.
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London
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Peeters,
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List der Einfalt.
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Pott,
Hans-Georg:
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Musil
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München 1984.
Scherpe,
Kl.: "Dramatisierung und Entdramatisierung des Untergangs - zum
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von Moderne und Postmoderne", in: Huyssen/Scherpe (Hgg.):
Postmoderne.
Zeichen eines kulturellen Wandels.
Reinbek 1986. S. 270-301.
Welsch,
W.:
Unsere
postmoderne Moderne
.
Weinheim 1987.
Zima,
Peter V.:
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Gesellschaft, Philosophie, Literatur.
Tübingen 1997.
|