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Gegen eine Metaphysik der Arbeit:

Nadja Gernalzick

Der Ökonomiebegriff der Dekonstruktion und im Poststrukturalismus
Wenn Jochen Hörisch feststellt, daß die “Derrida-Rezeption (gerade in Deutschland) ... häufig übersehen [hat], wie sehr Derridas Theorie an ökonomischen Fragestellungen orientiert ist,” [1] kann diese Bemerkung nicht nur für die Dekonstruktion, sondern auch für die Rezeption poststrukturalistischer Zeichentheorie bei Jean-Joseph Goux, Jean Baudrillard oder Jean-François Lyotard gelten. Allein die Titel einiger Werke verweisen auf die Proliferation des Ökonomiebegriffs und seiner Korrelate in der dekonstruktionistischen und poststrukturalistischen Theorienbildung der Postmoderne: “Numismatiques” (Goux 1968-69), “Pour une critique de l’économie politique du signe” (Baudrillard 1972), Économie libidinale (Lyotard 1974), “Economimesis” (Derrida 1975), “Calcul de jouissances” (Goux 1975), Limited Inc. (Derrida 1977/1988), Donner le temps - 1. La fausse monnaie (Derrida 1977-78/1991), “Du ‘sans prix’, ou le ‘juste prix’ de la transaction” (Derrida 1992).

Hintergründe: Saussure, Marxismus, Wert- und Geldtheorie
Den Ansatzpunkt für die Proliferation des Ökonomiebegriffs und insbesondere seiner Korrelate Wert-, Preis- und Geldbegriff als Denkmodell in der Theorie der Dekonstruktion und im Poststrukturalismus bildet die Übernahme wirtschaftstheoretischen Gedankenguts in die Linguistik durch Ferdinand de Saussure, wie in den Vorlesungsmanuskripten von 1905-11 des Cours de linguistique générale belegt. Saussure orientiert sich an der subjektiven Werttheorie der sogenannten Grenznutzenschule oder Marginalisten der Jahrhundertwende und der Mathematisierung der subjektiven Werttheorie bei Vilfredo Pareto. Mit dieser erfolgt die Abkehr vom essentialistischen (metaphysischen) Wertbegriff und der Arbeitswerttheorie der klassischen bzw. marxistischen Wirtschaftstheorie. Diese Abkehr wird in der saussureschen Linguistik auch für den Begriff des sprachlichen Zeichens, das in sprachlichen Wert umbenannt wird, vollzogen, indem die saussuresche Theorie sprachlichen Wert (Bedeutung) über Relativität im System von Werten oder Markierungen statt über metaphysische Substanz oder Motiviertheit der Zeichen begründet. Entsprechend wird Saussures von der Mathematisierung der Wirtschaftstheorie inspirierter linguistischer Ansatz für seine “bestechende mathematische Klarheit” [2] gelobt. Ebenso wie die Korrelation der Werttheorie des Cours mit der marxschen Werttheorie problematisch ist, erweist sich folglich die Zuordnung der wirtschaftstheoretischen Prämissen der genannten poststrukturalistischen Autoren zur marxistischen Sprach- und Literaturtheorie trotz ihrer Verwendung marxscher Terminologie auch bei näherer Untersuchung als unmöglich; Derrida und die poststrukturalistischen Autoren wenden sich bekannterweise in mehr oder weniger umfassender und eindeutiger Weise von marxistischer Wirtschafts- und Gesellschaftstheorie ab, auch wenn zunächst in den 60er und noch frühen 70er Jahren von dieser ausgegangen wird: Der Poststrukturalismus kritisiert die Synchronizität und Ahistorizität des Systembegriffs Saussures und in der Folge des Strukturalismus und fordert eine (Wieder)Eingliederung des historischen Moments, also der Zeit, und eine Dynamisierung der Struktur. [3] Um diese Forderung umzusetzen, versuchen Goux und Baudrillard, die saussuresche Linguistik durch eine Verbindung mit der teleologischen Geschichtskonzeption des historischen Materialismus zu dynamisieren, was jedoch zu Widersprüchen zwischen der miteingebrachten essentialistischen, objektiven marxistischen Arbeitswerttheorie und dem Wertbegriff Saussures führt, dessen marginalistische Komponenten nicht wahrgenommen werden. So muß Baudrillard bald - in L’échange symbolique et la mort von 1972 - die Unvereinbarkeit von Marxismus und poststrukturalistischer Zeichentheorie anerkennen. Goux legt schließlich 1975 eine kurze Notiz zum Marginalismus vor, [4] die sich jedoch in ihrer dogmatischen marxistischen Voreingenommenheit wirtschaftstheoretisch wie philosophiegeschichtlich selbst disqualifiziert. Wenn Goux und Baudrillard Saussure im Kontext der marxistischen Werttheorie rezipieren, zeigt doch die Untersuchung des Cours und seiner Referenzen auf die Wert- und Preistheorie Paretos, daß gerade eine solche Zusammenführung der Argumentation des Cours widerspricht und sie verzerrt, indem die Relativität und Arbitrarität des Werts bei Saussure mit einem substantiellen Wertbegriff konfrontiert wird. Darüberhinaus stützen Baudrillard und Goux ihre Assoziation des Cours mit der marxistischen Werttheorie jeweils auf eine einzige Stelle, nach der die Gleichsetzung von Wirtschaftswissenschaft und Sprachwissenschaft anhand der Gleichsetzung von Arbeit mit dem Signifikat und Lohn mit den Signifikanten vorgelegt wird:
[H]ier wie bei der Nationalökonomie [spielt] der Begriff des Wertes eine Rolle ...; in beiden Wissenschaften handelt es sich um ein System von Gleichwertigkeiten zwischen Dingen verschiedener Ordnung: in der einen eine Arbeit und ein Lohn, in der andern ein Bezeichnetes und ein Bezeichnendes. [5]

Aus Anlaß dieser einzigen Stelle im Cours, an der in Bezug auf die Wirtschaftswissenschaften von Arbeit die Rede ist, wird der Wertbegriff der Zeichentheorie Saussures mit der Arbeitswertlehre nach Marx gleichgesetzt. Dahingestellt, daß die Arbeit bei Pareto ebenfalls eines unter anderen Elementen des Wirtschaftssystems darstellt, also mit derselben Berechtigung eine nicht-marxistische Wirtschafts- und Werttheorie aus Anlaß des Vergleichs mit der Arbeit herangezogen werden könnte, kommt hinzu, daß die zitierten Zeilen nach den Ergebnissen von Tullio de Mauros Forschung am Manuskript Saussures von den ersten Herausgebern des Cours, nicht von Saussure selbst stammen: “La seconde partie de la phrase (‘dans les deux sciences ... signifiant’) est un ajout des éditeurs, assez arbitraire étant donné la comparaison qu’elle contient.” [6]

Derrida distanziert sich bereits mit seinen frühesten Schriften vom Arbeits- und Produktionsbegriff auch der marxschen Theorie. Er verwendet die Begriffe Arbeit und Produktivität - die er der différance als temporalisierendem und zeichengenerierendem Prinzip zuschreibt - nie ohne “a sense of uneasiness,” auch wenn er sich an diese Begriffe gebunden fühlt “in order to designate something irreducible.” [7] Eine die Zeichen und die Bedeutung generierende Instanz müsse angenommen werden; es gelte jedoch “[that the] concept and the word ‘production’ pose enormous problems.” [8] So fordert Derrida, daß der Begriff der Arbeit “selbst einmal, unabhängig von seiner Zugehörigkeit zu Hegel, neu zu überdenken wäre.” [9] Die Engführung von Wirtschafts- und Zeichentheorie in der Dekonstruktion und im Poststrukturalismus als Versuch der Dynamisierung und Temporalisierung der Struktur scheitert also zunächst an der Angleichung des Wertbegriffs der strukturalistischen Linguistik an die marxistische Arbeitswerttheorie, indem wider Erwarten aufgrund der fortgeschrittenen Quantifizierung der marginalistischen Werttheorie die Saussuresche Zeichentheorie über Marx hinausführt. Es tritt jedoch schließlich die Geldtheorie als Kontext für das Problem der Temporalisierung hervor. In der Fortschreibung des seit der Antike geläufigen Vergleichs von Sprache und Geld konvergiert die Engführung von Wirtschaftstheorie und Sprachtheorie in Dekonstruktion und Poststrukturalismus schließlich auf die aktuelle Geldtheorie als Denkmodell für die Semiotik. Es liegen sowohl bei Derrida wie auch bei Goux und Baudrillard komplexe theoretische Konstrukte vor, die geldtheoretische Begriffe auf die Zeichentheorie anwenden. Nur Derridas Theorie der Dekonstruktion erreicht jedoch das Niveau der aktuellen Geld-, Kredit- und Zinstheorie, während Gouxs und Baudrillards Entwürfe in letzter Konsequenz auf eine idealisierte, vor-geldwirtschaftliche, unvermittelte Kommunikation und Interaktion und daher, wird der Vergleich von Sprache und Geld konsequent zu Ende gedacht, auf die Vorstellung einer sprachlosen Gesellschaft verweisen; insbesondere Baudrillards Semiotik muß als reaktionär gelten. Den traditionellen Kontext der geld- und zeichentheoretischen Diskussion um die Opposition von utopischer Unmittelbarkeit von Bedeutung (unter Verzicht auf Kommunikation durch Zeichen, d.h. Geld oder Sprache und Schrift) und semiotisch vermittelndem Zeichensystem (der Wirtschaft oder der Sprache) bildet die unter den genannten Autoren nur von Derrida reflektierte Opposition von Ökonomik und Chrematistik bei Aristoteles. Seitens der Geschichte der Wirtschaftstheorie wird diese aristotelische Setzung als ursächlich für die erst mit John Maynard Keynes überwundene Trennung von Werttheorie und Geldtheorie in den 30er Jahren verortet. Erst mit der Anerkennung der Geld- und Zinswirtschaft als temporalisierenden Motors der Wirtschaft seit Keynes wird die theoretische Integration und Überwindung der aristotelischen Opposition möglich. Derridas Konzept der différance erklärt analog mittels der Gleichsetzung von Geldzeichen und sprachlichem Zeichen die Generativität der Sprache als Zeit - nicht als Arbeit oder Substanz - und bezieht damit gegen Aristoteles Stellung: In Falschgeld (1977/92) wird festgehalten, daß die aristotelische Unterscheidung zwischen Ökonomik und Chrematistik “unaushaltbar” [10] ist.

Aristotelische Tradition: Natural- und Soforttauschwirtschaft vs. Geld- und Zinswirtschaft
Die erste überlieferte systematische Erörterung wirtschaftswissenschaftlicher Zusammenhänge in der westlichen Tradition steht bei Aristoteles in der Nikomachischen Ethik und der Politik; die ersten Belege für den Terminus oikonomía stammen aus Platons Apologie des Sokrates und aus anderen denjenigen des Aristoteles unmittelbar vorgängigen Schriften aus dem frühen 4. Jahrhundert. [11] Die systematische Beschäftigung mit der oikonomía als Hausverwaltungskunst, wozu auch die Darstellungen des Aristoteles zählen, beginnt spätestens im 4. Jahrhundert, in der Folge lehrhafter Darstellungen über die richtige Haushaltung, die bis in die frühe griechische Literatur zurückreichen. Oikos - das Haus - ist “bereits in den Epen Homers und Hesiods ein sozialer Grundbegriff.” [12] Unter oikos sind dabei nicht nur “konkret Behausungen aller Art, sondern auch ... das gesamte Hauswesen mit den dazugehörenden Personen und Gütern” [13] zu verstehen. Die Natur gibt nach Aristoteles eine begrenzte, aber angemessene Menge an Gütern, die in der menschlichen Gemeinschaft wiederum in einer an eine als natürlich begriffene Hierarchie gebundenen Ordnung verteilt wird. Ein angenommener, natürlicher Überfluß sichert jedem Mitglied der daran angepaßten, begrenzten und geschlossenen menschlichen Gemeinschaft ein seinem natürlichen Stand angemessenes, gutes und wahres Leben. Ziel der oikonomía ist die Autarkie der Hausgemeinschaft durch die dem Haus angeschlossene Landwirtschaft. Zur oikonomía gehört Tauschhandel, “damit von den Gütern, die in der Gemeinschaft ... des Hauses für das Leben notwendig und nützlich sind, diejenigen zur Verfügung stehen, die aufgespeichert werden können.” [14] Dieser Tauschhandel “ist weder gegen die Natur, noch ist er eine besondere Form der Erwerbskunst (denn er dient nur der Erfüllung der naturgemäßen Autarkie).” [15] Eine derart nur der Autarkie “eines vollkommenen Lebens” dienende Erwerbskunst ist “wahre[r] Reichtum ... [,d]enn der Bedarf an solchem Besitz ... ist nicht unbegrenzt.” [16] Die oikonomía steht somit immer unter dem ethischen Gesichtspunkt einer "Gemeinschaft des Austausches.” [17] Den Tauschhandel als natürliche Form der Erwerbskunst setzt Aristoteles von der Chrematistik - der geldwirtschaftlichen Kaufmannskunst - als verderblicher, “besonderer Form der Erwerbskunst” mit dem Argument der Künstlichkeit, Konventionalität und Grenzenlosigkeit ab. Diese zweite Art der Erwerbskunst ist aus dem erweiterten Tauschhandel mit der Erschaffung des Geldes hervorgegangen.
Als nun schon das Geld aus den Bedürfnissen des Tauschverkehrs geschaffen war, entstand ... die Kaufmannskunst, anfangs wohl nur ganz einfach, später kunstmäßiger auf Grund der Erfahrung, woher und wie man Güter vertauschen müsse, um den größten Gewinn zu erzielen. [18]

Die Güter sind jedoch “in Wahrheit” nicht verrechenbar und es bleibt ein Mißtrauen gegenüber dem repräsentierenden Geld: “[I]n Wahrheit allerdings können Dinge, die so weit voneinander verschieden sind, nicht kommensurabel werden, aber soweit es das Bedürfnis verlangt, ist es möglich.” [19] Die beiden Fertigkeiten Ökonomik und Chrematistik seien leicht zu verwechseln, aber für Aristoteles gilt, daß jene “von Natur” ist, “die andere nicht,” denn sie “ergibt sich eher aus einer Art von Erfahrung und Kunst;” sie ist “die Kunst des Gelderwerbs.” [20] Indem die Kaufmannskunst durch den geldvermittelten Handel mit den nützlichen Dingen - chrema bedeutet ‘nützliches Ding’ - Gewinn und Zuwachs an Eigentum erzielt, sprengt sie die Grenzen der oikonomía und gilt als “Erzeugerin des Reichtums und des Geldes.” [21] Sie
produziert zwar Vermögen, aber ... nur durch den Umsatz von Gegenständen; und nur sie scheint sich um das Geld zu drehen. Denn das Geld ist das Element und die Grenze des Umsatzes. Darum ist der Reichtum, der von dieser Erwerbskunst kommt, allerdings unbegrenzt. ... [A]lle, die sich mit Erwerb befassen, vermehren ihr Geld ins Unbegrenzte. [22]

Das Motiv der Grenze oder Geschlossenheit, die durch das Maß der Natur bestimmt wird, ist für die aristotelische Systematik entscheidend. Die oikonomía besitzt eine natürliche Grenze, die Chrematistik nicht. Die Vermehrung des Geldes durch die Zinswirtschaft kommt einer unnatürlichen Selbstvermehrung gleich.
[S]o ist erst recht der Wucher hassenswert, der aus dem Geld selbst den Erwerb zieht und nicht aus dem, wofür das Geld da ist. Denn das Geld ist um des Tausches willen erfunden worden, durch den Zins vermehrt es sich aber durch sich selbst. Daher hat es auch seinen Namen: das Geborene ist gleicher Art wie das Gebärende, und durch den Zins ( tokos) entsteht Geld aus Geld. Diese Art des Gelderwerbs ist also am meisten gegen die Natur. [23]

Die Chrematistik wird von Aristoteles als nur vom nomos, den Gesetzen und der Konvention, bestimmt getadelt, “denn sie hat es nicht mit der Natur zu tun, sondern mit den Menschen untereinander.” [24] Die Autonomie einer Wirtschaft, die über das Geld organisiert wird, widerspricht der Forderung nach Naturgemäßheit und -verbundenheit des menschlichen Lebens, seiner Organisation, und seiner gesellschaftlichen Hierarchie. Ein auf menschliche Konvention begründetes, damit künstliches System wie die Geldwirtschaft muß nach Aristoteteles verurteilt werden.

Die Bevorzugung der Ökonomik als autark und naturgemäß und die Herabsetzung der Chrematistik als unnatürlich, scheinhaft, künstlich und grenzenlos zieht sich als Topos bis zu Hegels Unterscheidung von substantiellem Stand und Stand des Gewerbes und zur Verurteilung der Scheinhaftigkeit des Warenfetischs bei Marx. Die in Hegels Rede vom Geld als eines toten Dings, in seiner frühen Kritik des Kaufmannsstandes und im Vergleich von Geld mit Kot zwar distanzierte, aber nicht aufgegebene Ablehnung des Geldes und der Geldwirtschaft geht bis auf die antike, idealistische Festschreibung der feudalen, naturalwirtschaftlichen Ökonomik bei Aristoteles in Reaktion auf die pragmatische Orientierung an den Erfordernissen des städtischen Marktes und der Geldwirtschaft bei den Sophisten im 4. Jahrhundert v. Chr. zurück. [25] Die Grenzenlosigkeit der Geldwirtschaft, des Geldhandels und der Zinswirtschaft wird auch von Marx noch unter Verweis auf Aristoteles formuliert: Die “Bewegung des Kapitals” gilt Marx als “maßlos.” [26] Seine Beschreibung des Kapitalisten wiederholt die aristotelische Charakterisierung des Erwerbs von unnatürlichem Reichtum im Geldverkehr durch den chrematistos in einigen Wendungen fast wörtlich. Der Kapitalist sei nicht für den einzelnen Gewinn, sondern nur “die rastlose Bewegung des Gewinnens” zu interessieren und unterliege einem “absolute[n] Bereicherungstrieb,” einer “leidenschaftliche[n] Jagd auf den Wert,” dessen “rastlose Vermehrung” [27] sein Ziel sei. In der Entwicklung wirtschaftswissenschaftlicher Theorie über die Kirchenväter bis zur Nationalökonomie Adam Smiths zeigt die normative Position des Aristoteles ihre Wirkung im Zinsverbot und der Theorie vom iustum pretium . Das “Vermächtnis der Griechen” kann “bis zum The Wealth of Nations ..., dessen fünf erste Kapitel nichts anderes sind als eine Fortführung der gleichen Gedankengänge,” [28] verfolgt werden. Dazu trägt auch bei, daß sich die Position des Aristoteles mit derjenigen des Alten Testaments hinsichtlich des Zinsverbots deckt. Auch in der Rezeption des Neuen Testaments durch die Kirchenväter setzt sich diese Ausrichtung fort. ”Aus der Verurteilung der Profitgier wird z.B. die Verurteilung aller Handelsgeschäfte abgeleitet.” [29] Bei Aristoteles stellt die Natur den Horizont der Argumentation und ethische Letztbegründung; bei Hegel stellt der lebendige Geist und bei Marx der Gebrauchswert diese legitimierende Teleologie. Für alle drei Denker ist die abstrahierende Mittelbarkeit, die durch das Geld entsteht, weil sie von einem natürlichen oder authentischen Zustand oder Sollen ablenke, problematisch. Die fehlende Unmittelbarkeit gilt als Künstlichkeit und Dekadenz vom Ideal der Natürlichkeit, das mit Ungetrenntheit, Unvermitteltheit und Ganzheit gekennzeichnet wird. Nostalgie für einen angenommenen unmittelbaren und äquivalenten Naturaltausch orientiert die geld- und werttheoretischen Positionen. Noch Marcel Mauss legt eine Definition des Geldes anhand der Vorstellung der Entpersönlichung vor. [30] Wirtschaftstheorie und praktische Philosophie behalten derart bis lange in die Neuzeit die Ausrichtung, Geldwirtschaft als ursprünglich verzichtbar und im Handel wirksame geldwirtschaftliche Effekte wie Zins und Kredit als überflüssig und verderblich zu konstruieren. Die Geschichte der Chrematistik - als der Geldtheorie - ist entsprechend ”kümmerlich, weil von ihr, als im Grunde verwerflich, keine Theorie entwickelt wird, weil man sie nur in der Ethik und in der Politik gelegentlich erwähnt, wenn die Grenzen ihrer Erlaubtheit erörtert werden.” [31] Zwar gibt es bereits vor dem 18. Jahrhundert Ansätze für Erklärungen von Geld, Zins und Kredit, jedoch endet um 1760 die Geschichte der Wirtschaftstheorie “mit einem Sieg der Realanalyse, der so vollkommen war, daß sie die monetäre Analyse praktisch aus dem Felde schlug, und zwar für mehr als ein Jahrhundert;” [32] im neunzehnten Jahrhundert wird “alles verworfen, was den Beigeschmack der monetären Analyse hatte, und zwar nicht nur als falsch, sondern auch als moralisch nicht ganz einwandfrei.” [33] Das geld- und marktwirtschaftliche Verständnis der Ökonomie hat, wie Otto Brunner sich noch genötigt fühlt zu betonen, mit einer ganzheitlichen, von familiären und herrschaftlichen Verhältnissen geprägten Haus- oder Fürstenwirtschaft keine Vergleichsgrundlage mehr. Die aristotelische oikonomía wird daher angemessen mit Ökonomik, nicht mit Ökonomie, übersetzt, soll die Differenz zur Chrematistik nicht übergangen werden.

Von Realanalyse zu monetärer Analyse: Ende der Werttheorie
Die Wirtschaftstheorie tritt erst mit der Aufwertung der Geldtheorie seit dem Beginn des 20. Jahrhunderts die endgültige Überwindung der aristotelischen Opposition einer natürlichen und einer künstlichen Erwerbsform an, die über 2000 Jahre als Trennung von Realanalyse und monetärer Analyse oder Werttheorie und Geldtheorie die Wirtschaftstheorie bestimmt. Von den Anfängen in der Antike bis zu Keynes’ Kritik an der Dichotomie von Realanalyse und monetärer Analyse geht die Wirtschaftstheorie von einer Trennung der Werttheorie und der Geldtheorie und einer Priorität der Werttheorie aus. In einer “gedankliche[n] Trennung der ökonomischen Vorgänge in einen realen und einen davon unabhängigen monetären Wirkungszusammenhang” [34] wird unterstellt, “daß zu den Prinzipien der Werttheorie ... Geld nicht gehört;” so ist es der Wirtschaftstheorie “in ihrer ... Geschichte als Werttheorie ... nicht gelungen, Geld in die Werttheorie zu integrieren. [35] Statt wie die Realanalyse die Ansicht zu vertreten, daß “die Geldpreise hinter den Austauschrelationen zwischen den Waren zurücktreten, die den eigentlich bedeutsamen Tatbestant ‘hinter’ den Preisen ausmachen,” [36] argumentiert die monetäre Analyse, daß sich die Position des Geldes im analytischen Apparat auch auf die Theorien der Wertbestimmung auswirkt, und nicht umgekehrt. Diese wirtschaftstheoretische Durchsetzung der Geldtheorie im 20. Jahrhundert geht aus dem Ausbau der Preistheorie in Folge der Ablösung der objektiven Werttheorie durch die subjektive Werttheorie der Grenznutzenschule um 1900 hervor. Die historischen Werttheorien - Arbeitstheorie und Nutzentheorie des Wertes oder objektive und subjektive Werttheorie - versuchen die Preise aus dem Wert der Güter herzuleiten, während die zeitgenössische Preistheorie durch mathematische Formalisierung auf diese Begründung verzichten kann und auch mit statistischen Methoden die Preise auf dem Markt beschreiben und vorherzusagen sucht. Erst mit der Marginalanalyse wird diese marktwirtschaftliche Orientierung der klassischen Wirtschaftstheorie initiiert; mit der Entwicklung der modernen Marktformentheorie kommt es spätestens seit den 30er Jahren zu einer vollständigen wirtschaftstheoretischen Abkehr von der am einzelnen Produkt oder Konsumenten orientierten Werttheorie, für die es keine Anwendung mehr gibt. Die Preise werden als Ergebnis des Zusammentreffens von Nachfrage und Angebot auf Märkten definiert und als maßgebende Einheiten begriffen, deren Zustandekommen vollständig mit allen Komponenten allerdings nicht nachvollzogen werden kann, sondern nur reduziert, akkumuliert und modelltheoretisch, so daß auch von Preisindizes abhängige Finanzkalkulationen mit Unsicherheitsmargen operieren müssen und immer nur fiktionale Annäherungen an die Komplexität des Wirtschaftssystems darstellen. Entsprechend ”bilden sich” [37] Preise auf Märkten gleichsam durch sich selbst. Diese Entwicklung zur Preistheorie spiegelt sich heute darin, daß “neuere Begriffslexika - z.B. das Handwörterbuch der Wirtschaftswissenschaft von 1981 ... - den Wert als eigene Kategorie nicht mehr behandeln und das Geld sowie die Preisbildung ohne Bezug auf den Wert zu erklären versuchen.” [38] Ein Gut oder eine Arbeitsleistung ist soviel wert, wie dafür gezahlt wird; der in Geld gerechnete Preis eines Gutes ist sein Wert. Erst mit der Preistheorie ist daher die Möglichkeit der Überwindung der Trennung von Realanalyse und monetärer Analyse gegeben, wie sie Keynes in den 30er Jahren fordert. Erst im 20. Jahrhundert in der Folge der Orientierung von der Werttheorie auf die Preistheorie also beginnt die Wirtschaftswissenschaft, das Geld mit seinen Funktionen als menschliche Technik zu affirmieren und in das theoretische Bemühen zu integrieren, auch wenn “[p]raktisch ... natürlich niemand geleugnet [hat], daß, da das technische Hilfsmittel versagen kann, das Geld- und Kreditsystem einer Gesellschaft den Wirtschaftsprozeß in jedem Falle ganz erheblich beeinflußt.” [39] Initiiert durch Keynes’ Forderung nach Überwindung der Trennung von realökonomischer Analyse und Geldtheorie stellt die Wirtschaftstheorie fest, daß dem Geld nicht nur repräsentative und sekundäre Funktionen zugebilligt werden können. Das Geld wird nicht länger als “technisches Hilfsmittel ..., das man übergehen kann, wann immer grundsätzliche Fragen auf dem Programm stehen, oder [als] Schleier, den man beseitigen muß, um die dahinter liegenden Wesensmerkmale zu erkennen,” [40] betrachtet. Es wird bestritten, daß “das Geld jemals in irgendeiner sinnvollen Bedeutung des Wortes ‘neutral’ sein kann.” [41] Das Geld und die Preise “erscheinen nicht mehr als Ausdrücke ... von Austauschrelationen,” sondern “erlangen eigenes Leben und eigene Bedeutung, und man muß sich der Tatsache bewußt sein, daß wesentliche Eigenschaften der kapitalistischen Wirtschaft von diesem ‘Schleier’ abhängen können.” [42]

Tauschmitteltheorie vs. Theorie des Geldes als Vertrag über Eigentum
Wenn sich seit Keynes gegen die Realanalyse und die metallistische Geldtheorie “die monetäre Analyse ... durchgesetzt hat,” [43] äußert sich dies in der Unterordnung der traditionsreichen, auf den äquivalenten Naturaltausch und das Warengeld rekurrierenden Definition des Geldes als Tauschmittel unter die vertragstheoretische, auch mit dem Phänomen der Zinswirtschaft kompatible Gelddefinition. Die Herleitung der Definition des Geldes aus einem ursprünglichen, unmittelbaren und äquivalenten Naturaltausch wird seit Keynes dafür kritisiert, daß sie der Ansicht Vorschub leistet, daß die Vermittlung des Geldes, das zirkuliert und als Wertaufbewahrungsmittel fungiert, “die Determination der Tauschverhältnisse als solche oder andere Dinge, die für das Verständnis des Wirtschaftsprozesses wesentlich sind, nicht beeinflußt.” [44] Die Erklärung des Geldes als Tauschmittel impliziert, “daß es zwischen einer Tauschwirtschaft und einer Geldwirtschaft keine wesentlichen theoretischen Unterschiede gibt.” [45] Bei Implikation einer Gleichheit von Tausch- und Geldwirtschaft wird das unbegriffene Geld jedoch zum Störenfried im analytischen Gebäude, denn seine Wirkungen in Kredit und Zins können vor dem Hintergrund einer idealisierten Naturaltauschwirtschaft nicht erklärt werden. Wird vom Geld als Tauschmittel, nicht als Vertrag, ausgegangen, kann weder der Vertrag über die Zeit, der sich in Kredit und Zinseffekten äußert, noch die Konventionalität des nominalistischen Geldes, das keinen materiellen Wert hat, erfaßt werden. Auslöser des wirtschaftswissenschaftlichen Umdenkens hin auf die Vertragstheorie des Geldes und die theoretische Durchsetzung der nominalistischen Geldtheorie ist eine Untersuchung von Keynes über die antiken Geldformen, nach der er in den 20er Jahren zu der Überzeugung gelangt, “daß für die Erklärung des Geldes nur der in Kontrakten vereinbarte Geldstandard von Interesse ist.” [46] Die Vertragstheorie des Geldes erlaubt die Aufgabe der klassischen Erklärung des Zinses durch Konsumverzicht, nach der ein “schmerzhafte[r] Vorgang ... durch das Zugeständnis einer Möglichkeit nach Fristablauf mehr als zuvor konsumieren zu können, ausgeglichen” [47] werde. Nach Keynes gilt als unübersehbar, daß “jemand, der nur auf den Konsum eines ihm verfügbaren Vermögens oder eines Geldbestandes verzichtet, indem er es in seinem Haushalt hält und keiner Verwendung zuführt, keinen Zins” [48] erhält. “Einen Zins realisiert nur, wer anderen Verfügungsrechte auf sein Vermögen oder ihm bereits verfügbares Geld einräumt.” [49] Das Geld ist nach dieser Erklärung nicht länger eine Ware im Tausch, sondern ein Pfand im Rechtswesen und wird als Zeittechnologie erklärt. So fließt nach Keynes die “Wichtigkeit des Geldes ... im wesentlichen aus der Tatsache, daß es eine Verbindung zwischen Gegenwart und Zukunft herstellt.” [50] Zeitgenössische Theorien erklären das Geld entsprechend aus dem Vertrag über Eigentum und als Technologie der Zeit. Die Argumentation der Vertreter der auf einen unmittelbaren, unversiegbaren Naturaltausch rekurrierenden Tauschmitteltheorie des Geldes wird nicht nur wegen der Naturalisierung und der mangelnden Berücksichtigung der das Geld erst etablierenden Konventionalität, sondern auch wegen der Vernachlässigung des Zeitmoments im Wirtschaftsgeschehen und einer nostalgischen Sicht vorgeldwirtschaftlichen Lebens, das kein Verhältnis zur Zeit gehabt habe, kritisiert. Die auf dem Tauschprinzip beruhende Geldtheorie geht aus von einer “Soforttauschwirtschaft ... in deren Haupttransaktion die Zeit stillstehe und deshalb ein Bedürfnis nach Geld nicht verspürt werde;” [51] Die Verzeitlichung und der Aufschub in der Zeit, die das Geld ermöglicht, werden zu seinen wichtigsten Definitionskriterien. Der aristotelische und realanalytische Aufruf, das Geld zu kontrollieren, weil es durch Zinsgeschäfte unbegrenzten Reichtum und unbegrenzte Selbstvermehrung ermögliche, entsteht aus der Sorge um die Ungreifbarkeit der Effekte der Zeit. Heute werden diese als ausschlaggebend für das Funktionieren der Weltwirtschaft, als ihr Motor, begriffen. Das Geld ist die Zeit als Maßstab, aber diese hat selbst keinen Maßstab und kann nicht endgültig kalkuliert werden: Mit dem posthumanistischen “[w]e lack the measure of the measure” interpretiert Derrida Shakespeares “[t]he time is out of joint” [52] zur Beschreibung der Nicht-Formalisierbarkeit der Effekte der Zeit als différance. Ohne die “disjointed or dis-adjusted time,” d.h. ohne die von der différance gegebene Unmöglichkeit, die Verzeitlichung zu kontrollieren, gäbe es “neither history, nor event, nor promise of justice” [53] als der Momente, die der Kalkulation entgehen. Dabei ist nicht zwischen Gütern, Dingen, Symbolen oder Zeichen zu unterscheiden, die alle gleichermaßen bewirtschaftet werden. Das Prinzip der différance in der Schrift entspricht dem der Geldwirtschaft und des Preissystems. Das geldwirtschaftliche Kalkül ist eine unendliche Bewegung: “L’équivalence générale rapporte chaque phrase, chaque mot, chaque moignon d’écriture ... à chaque autre, dans chaque colonne et d’une colonne à l’autre de ce qui est resté infiniment calculable.” [54] Die Konsequenzen der Spekulation sind pinzipiell “ohne zuweisbare ... Grenze,” so daß sich hier nach Derrida “die Unendlichkeit oder vielmehr die Unbestimmtheit als ‘schlechtes Unendliches’” ankündigt, die wie die Schrift,
die Geldsache (echtes oder falsches Geld) und alles charakterisiert, an was sie rührt, alles, was sie kontaminiert (das heißt, per definitionem, alles). Hier kündigt sich das Quasi-Automatische ihrer Akkumulation an und folglich das Verlangen, das sie hervorruft oder erzeugt. [55]


différance und Temporalisierung durch Schrift und Geld
Ein unauffälliger Text Derridas von 1992 - “Du ‘sans prix’, ou le ‘juste prix’ de la transaction” - enthält einen späten Abriß des Ökonomiebegriffs Derridas, der wie eine Zusammenfassung der aktuellen wirtschaftswissenschaftlichen Geldtheorie anmutet und die wichtigsten Aspekte des Vergleichs von dekonstruktionistischer Sprachtheorie und Geldtheorie aufwirft: Mit den gegebenen Definitionen - Konventionalität, Fiktionalität und Künstlichkeit des Geldes und des Wertes, Allgemeingültigkeit der Geldwirtschaft und Redundanz der Naturaltauschwirtschaft, Geld als Technologie der Zeit und des demokratischen Individualismus - sind diejenigen Momente vorgeführt, die in der Geschichte der Wirtschaftstheorie seit Aristoteles und bis in das 20. Jahrhundert keine Selbstverständlichkeit, sondern äußerst umstritten sind, sich auch in philosophischen, vor allem moralphilosophischen, Kontroversen auswirken und in den von Derrida bezüglich der Sekundarität der Schrift aufgewiesenen Disputen zwischen Idealismus und Materialismus ihre Analogie haben. Auch hinsichtlich der Thematik der beschränkten und allgemeinen Ökonomie nach Georges Bataille, die Derrida rezipiert, [56] oder der akkumulierenden Supplementarität des Textes als Effekt der différance erlangt die aristotelische Unterscheidung für die Theorie der Dekonstruktion Brisanz, unter Einschluß aller mit den Begriffen der oikonomía und chrematistike einhergehenden Etymologien und Korrelate von Haus, Heim, Maß, Geld, Zins, Ursprung, Berechnung, Natur, Künstlichkeit und Grenze. Derrida kennt die aristotelische Unterscheidung von Ökonomik und Chrematistik, die in seinen späteren Schriften in wirtschaftstheoretischer Hinsicht herangezogen wird, Mitte der 70er Jahre noch nicht. So weist seine Auseinandersetzung mit Batailles Konzeption der beschränkten und allgemeinen Ökonomie von 1967 auch keine Referenz auf die im späteren Werk hinsichtlich ökonomischer Theorie stark profilierte Unterscheidung von Ökonomik und Chrematistik nach Aristoteles auf, obwohl sich der Vergleich mit Batailles Unterscheidung aufdrängt. Derrida stellt erst 1991 diejenigen aristotelischen Einflüsse seines Ökonomiebegriffs dar, die, wie sich im Rückblick auf sein Werk seit 1962 zeigt, schon seit jeher, wenn auch nicht benannt, in seinem Denken besonders hinsichtlich der Frage nach der Grenze des Systems und der Kraft der différance konzeptionell markiert sind. In Falschgeld erst liegt die Zusammenfassung und nachträgliche Abrundung der Überlegungen zum Ökonomiebegriff vor, wie Derrida in der Vorbemerkung von 1991 betont. Die frühe Konzeption der Temporalisierung und des Aufschubs, gefaßt als “Ökonomie der différance,” wird so im Geldbegriff gesammelt. Derridas späterer Ökonomiebegriff, nachdem das Geld thematisiert wird, bedient sich auch nicht länger der Arbeit als Produktivitätsquelle; der Wert und der Mehrwert, d.h. das Kapital, entstehen nicht aus der superadequacy of human labor power (Gayatri Chakravorty Spivak nach Marx), sondern aus der Zeit und sind ein Effekt des Geldes als differantieller Markierung. Die différance ermöglicht das Werten und den Mehrwert, die Öffnung, die Dynamik und den Zuwachs der Elemente des Systems. Die Akkumulation wird nicht als Ergebnis menschlicher Arbeit begriffen, sondern als Effekt der Temporalisierung. Das Geld sei, so Derrida, der “excès moteur” [57] der Ökonomie und es habe diese motivierende Kraft nicht, weil die Zeit Geld sei - time is money -, sondern weil das Geld die Zeit sei. Das Geld sei die Zeit, weil es als Substitut oder allgemeines Äquivalent wie die Schrift die Zeit des Gütertauschs bzw. der Kommunikation bewirtschaftet, die Zirkulation ins Unendliche beschleunigt, und zwar nicht nur dadurch, daß es Substitute bereitstellt, sondern indem es sein Prinzip dem Tauschhandel substituiert und die Quantifizierung erlaubt.
En ouvrant le règne de la répétition, de la substitution, c’est-à-dire de la neutralisation qui efface les caractéristiques individuelles des choses échangées et des sujets de l’échange, [l’argent] fournit un élément de quantification ou de mathématisation ... qui est d’abord une extraordinaire neutralisation du temps. [58]

Die Beschleunigung, die die Kommunikationstechnologie dem Markt und der Börse erlaubt, ist daher kein zufälliger Nebeneffekt, sondern der Effekt des Wesens des Geldes (und der Schrift) als Quantifizierung und Technik der “ économie du temps .”[59] “L’argent est du temps gagné, du temps économisé.” [60] Derridas Beschreibung des Geldes deckt sich mit der Beschreibung des differantiellen Effekts der Schrift als Temporisation. Wie die sprachlichen Markierungen des Textes wirkt das Geld zugleich disseminierend und kalkulierend, oder verzeitlichend und vergegenwärtigend: “Temporalisierung der Zeit (Gedächtnis, Gegenwart, Antizipation; Retention, Protention oder nahe Zukunft; Zeitekstasen usw.).” [61] Derrida schreibt, indem er das Prinzip des äquivalenten Tauschs ablegt, die in Saussures Rezeption der Wirtschaftstheorie angelegte Angleichung des Sprachbegriffs auf den Geldbegriff entsprechend der zeitgenössischen Geldtheorie fort.

Chrematistik und Fiktionalität: Geldwirtschaft als entgrenzte Textualität
Die Preis- und Geldtheorie erklärt den Wert fiktional; eine Preissetzung bestimmt den Wert eines Gutes. Diese Fiktionalität der Werte gilt auch als das “Unwirkliche in der Ökonomie,” [62] obwohl die Wirksamkeit der Preissetzung nicht bestritten werden kann und gerade damit die Unterscheidung von Realität und Fiktion unhaltbar wird. Derridas Wertbegriff, nach welchem die Werte erst durch den syntaktischen Umgang mit den differantiellen Markierungen, welche die Schrift generiert, gesetzt werden, erweist sich als mit der zeitgenössischen Preistheorie kompatibel: Erst die Preise, als Zusammenhänge von Angebot und Nachfrage, geben den Dingen einen Wert; es gibt keinen absoluten, intrinsischen Wert. Der Wertbegriff erfährt in der Dekonstruktion gegenüber dem Begriff der Schrift wie in der Wirtschaftstheorie gegenüber dem Preisbegriff und Geldbegriff eine Redundanz. Die Fiktionalität des Wertes (der Bedeutung) ist folglich nicht nur Kriterium des Textes und der Literatur, sondern auch Charakteristikum der Geldwirtschaft. Nur “beruhigend,” “teils naiv, teils eigenmächtig,” aber unaushaltbar wie die zwischen Ökonomik und Chrematistik, sind Unterscheidungen, die daran erinnern, “daß das Natürliche nicht das Künstliche, das Echte nicht das Unechte, das Ursprüngliche nicht das Abgeleitete oder Entlehnte ist.” [63] Die Ökonomik versucht sich “vor der Illusion, das heißt vor der chrematistischen Spekulation” [64] zu bewahren. Für Aristoteles handelt es sich bei der Unterscheidung von Ökonomik und Chrematistik um eine
ideale und wünschenswerte Grenze, um eine Grenze zwischen dem Begrenzten und dem Unbegrenzten, zwischen dem wahrhaften und begrenzten Gut (dem Ökonomischen) und dem illusorischen und unbestimmten Gut (dem Chrematistischen). [65]

Diese Grenze ist nach der dekonstruktionistischen Theorie der différance und des mise en abyme der Signifikantenkette und Dissemination nicht zu halten, denn deren Kontamination durch Fiktionalität affiziert “ a priori das familiale Gut.” [66] Sie affiziert “die Grenze zwischen der unterstellten Endlichkeit des Bedürfnisses und der angeblichen Unendlichkeit des Verlangens.” [67] Nach Aristoteles übersteigt die Chrematistik als geldwirtschaftliche Technik alle Grenzen des guten Lebens, die des Bedürfnisses, des Nützlichen, des Natürlichen, des Vernünftigen, des Kalkulierbaren, und den geregelten Bezug zwischen Produktion und Konsum auf dem Markt. Die von Aristoteles gesetzte Grenze zwischen Bedürfnis und exzessivem Verlangen ist jedoch schon überschritten, seit es den geringsten Tausch, die geringste Spur, das erste Bedürfnis oder Zeichen gebe. “Sobald es Geldzeichen und zunächst Zeichen gibt, das heißt Differenz,” [68] ist der oikos offen und kann seine Grenze nicht beherrscht werden. Dies ist nach Derrida zugleich der ursprüngliche Verfall der Familie und die “Chance für all die Gastfreundschaften.” [69] Erst durch chrematistische Offenheit gibt es Ereignisse und Akkumulation; es kann “nichts ohne irgendwelche Chrematistik passieren.” [70] Derrida zeigt im Kontext der Auseinandersetzung mit der Unterscheidung von Ökonomik und Chrematistik wie auch zwischen der Fiktionalität von Falschgeld und derjenigen von Geld nicht unterschieden werden kann. Falschgeld ist, “was es ist, nämlich falsch und nachgemacht,” nur insofern, “als man dies nicht weiß, das heißt sofern es zirkuliert, aussieht und funktioniert wie richtiges und gutes Geld .”[71] Der Unterschied von Wahrheit und Fiktion hat in der Geldwirtschaft wie in der Literatur als Bereichen der Textualität keinen Bestand. “Alles, was sich ... über Falschgeld ... sagen läßt, wird man von der Geschichte sagen können, vom fiktiven Text.” [72] Die Literatur geht “aus dem Buch heraus,”[73] d.h. Fiktionalität, Text, Realität und Natur werden indistinkt. Die Vorstellung der Metaphysik von einer wieder zu erlangenden Einheit verbindet sich mit dem Gegensatz von physis und nomos, der “überall, besonders aber im linguistischen Diskurs wie selbstverständlich am Werk” [74] ist; dieser Gegensatz wird mit der Textualität beendet; zwischen den Elementen der Natur, Technik, Kunst oder Konvention kann nicht länger kategorisch unterschieden werden. Es gibt “keine Natur, sondern allein Naturwirkungen ... [,] Denaturierung oder Naturalisierung. Die Natur, die Bedeutung von Natur wird nachträglich wiederhergestellt ausgehend von einem Trugbild (zum Beispiel der Literatur), für dessen Ursache man sie hält.” [75] So wird von der Pantextualität auch die Logik des copyright und der originären Schaffenskraft des Menschen ausgehend von einer genialen Eingabe natürlicher Gesetze wie in Kants Ästhetik aufgelöst. Denn die Konvention des copyright belegt, daß die Wahrheit als Allgemeingültigkeit und ideales Wesen auch nur eine Konvention ist: Der Widerspruch im Anspruch auf einen im copyright als originaler Produktion geschützten Text liegt im Umstand, daß, wenn ein Autor die Wahrheit sagt, wenn er behauptet, sie zu sagen, “the copyright is irrelevant and devoid of interest: everyone will be able, will in advance have been able , to reproduce what he says.” [76] Folglich gibt es auch “keine Metasprache” und “kein Außerhalb des Textes .”[77] Allerdings bejaht der Text in chrematistischer Weise das Draußen, indem er die Grenze der Spekulation offen hält und alle Prädikate, “worüber die Spekulation sich das Draußen aneignet, auf ‘Effekte’” [78] reduziert. Es muß auch die Beschreibung des Geldes nach der metallistischen Geldtheorie, die ihm nur dann Geltung - Wert - zubilligt, wenn es als Edelmetallgeld vorliegt oder auf einen Goldstandard bezogen wird, wie die Vorstellung von der geisterfüllten Sprache abgelehnt werden, denn das Geld funktioniert als Technik, weil es per Konvention institutionalisiert ist (wie es die nominalistische Geldtheorie vertritt). “Si ... il faut insister sur cette conventionnalité de l’argent ..., c’est pour résister à une tendance naturalisatrice dans l’interprétation de l’histoire de la monnaie ou de la valeur.” [79] Es ist daher nach Derrida eine Untersuchung der modernen Literatur auf “die Transformation der monetären Formen (metallischer, treuhänderischer Natur: die Banknote, oder schriftlicher Natur: das Bankkonto),” auf das “Rarwerden von Barzahlungen, den Rückgriff auf Kreditkarten, die Geheimzahl usw., kurz eine gewisse Entmaterialisierung des Geldes” [80] angesagt. Die heutige materiell wertlose Geldform ist wie der Signifikant der Schrift die Reduktion des Geldes als einer Markierung auf seine eigentliche, vertragliche und verzeitlichende Funktion im Text. Die heutige Währung, die nur noch nominalistisch erklärt werden kann, entspricht einer Reduktion des Geldes auf seine grundlegende Funktion, die es auch im Mantel des Edelmetallgeldes immer gehabt hat.

Konventionalität von Sinn und Wert
Wenn trotz ihrer Fiktionalität Werte und Sinn für eine Zeit stabil bleiben und eine gewisse Permanenz haben, dann wegen Konventionen, die verhandelt und bestimmt werden. Ebenso wie wegen der Beliebigkeit der Zeichen schon für Saussure “nur der soziale Zustand ein sprachliches System ... schaffen” [81] kann und die Gesellschaft notwendig ist, “um Werte aufzustellen, deren einziger Daseinsgrund auf dem Gebrauch und dem allgemeinen Einverständnis beruht,” [82] sind auch das Geld und die Preise Wertsysteme, die auf Konvention beruhen. Der Wert und der Sinn sind durch Übereinkunft zugewiesen und darin relativ stabil. Derridas Geldbegriff ist wie sein Schriftbegriff ein konventioneller; eine Instanz muß erst Geltungskonvention und Sinn oder Wert etablieren. Preis und Wert sind wie Sinn oder Bedeutung an kein absolutes Maß gebunden. Über Sinn und Preis muß im Handel, den Verhandlungen und der Kommunikation Konsens gefunden werden, also sowohl über die Phänomene der Welt wie auch über die Produkte, Güter und auch die Arbeit. Wahrheit und Wert sind damit eine Frage des Glaubens und der Entscheidung; das Funktionieren der Literatur wie der Geldwirtschaft ist “ein Glaubensakt, ein Phänomen von Kredit und Vertrauen, von Glaubwürdigkeit und konventioneller Autorität.” [83] Handel, Kredit und Lektüre oder Kommunikation implizieren immer einen Vertrag. Dieser “bleibt auf jeden Fall die unerläßliche Grundvoraussetzung für den Kredit, den wir uns einräumen, für die Glaubwürdigkeit, die wir uns zubilligen, für den Glauben, den wir uns schenken.” [84] Sobald es Kredit und Kapital gibt, verschwindet die Differenz zwischen echtem und falschem Geld. “Alles hängt vom Akt des Vertrauens und dem Erborgten [ crédit] ab.” [85] Die Literatur ist wie das Geld an die Glaubwürdigkeit, den Kredit und “folglich ans Kapital, an die Ökonomie und auch an die Politik” [86] gebunden. Wird der Kredit für unehrenvoll gehalten, werden auch der Glaube, die Glaubwürdigkeit und das Vertrauen zu einer Ehrlosigkeit erklärt. “Als ob die Grenze zwischen dem Glauben, der Glaubwürdigkeit und dem Kredit sicher wäre.” [87]

Derrida vollzieht in der Kritik am Identitätsdenken der Metaphysik und der Abkehr vom essentialistischen arbeitswerttheoretischen und axiologischen Wertbegriff die Entwicklung der zeitgenössischen Wirtschaftswissenschaft zum kontraktuellen Geldbegriff nach. Der Geldbegriff und das Ökonomiekonzept der Dekonstruktion stehen nicht nur in Einklang mit der subjektiven Werttheorie, sondern auch mit der keynesianischen Vertragstheorie des Geldes und mit zeitgenössischen wirtschaftswissenschaftlichen Forschungsergebnissen zur Eigentumstheorie. Die Kritik an der Zirkulation und Beschränktheit der geldlosen Ökonomik greift auf die différance und die Zeit als Erklärung für eine notwendige Überschreitung und Entgrenzung zurück. Die différance ist, wie sich im Verlauf von Falschgeld herausstellt, kein ökonomi(k)sches, sondern ein chrematistisches Prinzip. Die Alterität zwischen einer beschränkten und einer allgemeinen Ökonomie, so stellt Derrida fest, ist kein Verhältnis der Opposition, so wie auch das Kalkül zwar statthat, aber nie vollständig und daher begrenzt sein kann. Der späten Ökonomiekonzeption Derridas unterliegt kein Naturaltausch, sondern Geldwirtschaft; kein äquivalenter, instantaner Tausch, sondern vertragliche Verpflichtung und Vereinbarung über Werte und Zeit. Zins und Kredit sind ein Effekt der Konvention und der Zeit, d.h. des Geldes. Damit bezieht Derrida zu einer wirtschaftstheoretischen Tradition und in wirtschaftstheoretischen Diskussionen Stellung, die bis weit in das 20. Jahrhundert und noch heute Auswirkungen haben.

Fazit: Zeichenökonomie bei Baudrillard, Derrida, Goux
Der hohe Abstraktionsgrad der Dekonstruktion im Vergleich zu den Ansätzen bei Goux oder Baudrillard liegt in ihrem Begriff der Zeit begründet, so wie er auch den dekonstruktionistischen Ökonomiebegriff als einen der Geldwirtschaft und des Geldes als Zeittechnologie vorgibt. Auch die dekonstruktionistische Sprachökonomie beruht im Ausgang vom Prinzip der différance auf einem Begriff der Differenz und Polysemie als Effekt der Temporisation. Ahistorische, statische oder strukturalistische Konzeptionen, die den Übergang zwischen Strukturen nicht erklären können, sondern nur als absolute Brüche, revolutionäre Umkehrungen oder einen Strukturpluralismus begreifen, können anhand der Theorie der différance dekonstruiert werden. Die Werke von Baudrillard und Goux siedeln im Vergleich mit dem Derridas auf einer Skala von Einstellungen, die zum Ökonomiebegriff, zum Geld und zur Fiktionalität und Konventionalität bezogen werden: Forderung nach Beherrschung der Ökonomie, Rückkehr zur Soforttauschwirtschaft und Ablehnung der Geldwirtschaft bei Baudrillard, Warnung vor der Fiktionalität des Werts und der Konventionalität des Geldes verbunden mit der Suche nach einem authentischen, überzeitlichen Maßstab bei Goux und Anerkennung der Ökonomie als Bereich der auch monetär-spekulativen Innovation und der Gelegenheit zu sozialer Verantwortung im Rechts- und Vertragswesen und in der Kommunikation bei Derrida. Mit seiner Forderung nach Errichtung einer geschlossenen Ökonomie des symbolischen Tausches zieht Baudrillard ein dem Derridas entgegengesetztes Fazit, um das Problem des ethischen Maßstabs, das mit dem Wegfall der Werttheorie auftritt, in einer Utopie, auf die die Geschichte sich hinzubewegen habe, zu lösen. Auch Baudrillards Vorstellung vom geschlossenen Kunstwerk ist mit Derridas Konzeption des immer offenen Kontexts in der universellen, unbegrenzten Textualität nicht vereinbar. Baudrillard möchte die différance arretieren und im symbolischen Tausch Wahrheit und Eindeutigkeit zuweisen können, statt sich der Problematik der Fiktionalität und Konventionalität zu stellen. Die Verselbständigung des differantiellen, ökonomischen Moments im Geld und im Signifikanten wird nur negativ beurteilt. Fiktion, Simulation und Akkumulation werden mit alten Argumenten gegen die Chrematistik dämonisiert. Auch wenn Derrida hinsichtlich der Medientheorie bei Baudrillards Thesen Anleihen nimmt, so in der Rede von Simulakren in Specters of Marx , bleibt die Dekonstruktion doch einer optimistischen Zeitdiagnose verpflichtet, die Fiktion als Chance begreift. Wegen der abschließenden Tendenz ist Baudrillards Entwurf bei gleicher Diagnose wie Derrida also regressiv, sogar mit Tendenzen zur Repressivität. Die wirtschaftswissenschaftliche Komplexität der Konzeption Derridas oder die Aktualität derjenigen Baudrillards wird von Goux nicht erreicht, obwohl er als einziger explizit auf die wirtschaftstheoretische Grenznutzenschule verweist. Dennoch eröffnet er mit diesem Zitat keinen neuen Kontext, weil jegliche Infragestellung der klassischen und marxistischen Arbeitswerttheorie dogmatisch abgewehrt wird. Goux wendet sich gegen die Arbitrarität des Zeichens und damit gegen Fiktionalität und Konventionalität von Wert und Sinn mit dem Argument, daß sonst keine Kommunikation möglich wäre. Derrida bestätigt dagegen, daß Kommunikation erst unter Arbitrarität gedacht werden kann, denn wären alle Werte und aller Sinn intrinsisch und natürlich und alle Bedeutungen transparent gegeben, wäre Kommunikation und Suche nach Konvention und Übereinstimmung unmöglich und unnötig. Auseinandersetzung mit Fiktionalität wird von allen drei Autoren gesucht, aber Fiktion wird von Baudrillard und Goux letztlich mit Bedrohung einer ursprünglichen oder natürlichen Sicherheit konnotiert, von Derrida dagegen als Chance zur Einrichtung zumindest temporärer Sicherheiten affirmiert. Einzig Derrida verteidigt daher implizit die Literatur. Ein ethischer Werterelativismus wird bei Derrida in einem Grad von Permanenz von Sinn, Konvention und damit auch von Rechtsetzung vermieden, während bei Baudrillard und Goux eine radikale Umkehr gefordert wird, um ein stabiles, endgültiges Wertesystem zu oktroyieren. In der Vorstellung dieser Umkehr verbleiben Baudrillard und Goux in der Dialektik oder im Posthistoire, während Derrida die différance als andauernde posthumanistische Fortbewegung ohne massive Brüche zwischen Systemen von Elementen, sondern mit gleitenden Verschiebungen begreift. Brüche bestehen nur in der Wahrnehmung und im Wissen, das Kontexte formalisieren und stabilisieren muß, um Sinn zu errichten.


Kommentare oder Anfragen bitte an Nadja Gernalzick unter e-mail gen@fb14.uni-mainz.de. Eine ausführliche Darstellung der skizzierten Sachverhalte mit Quellenmaterial und unter besonderem Bezug auf die Rezeption des Ökonomiebegriffs der Dekonstruktion in der amerikanischen postmodernen Literaturtheorie und in Auseinandersetzung mit deren wirtschaftstheoretischen Prämissen erscheint demnächst als Publikation meiner Dissertation.









[1]Jochen Hörisch, “Dekonstruktion des Geldes. Die Unvermeidbarkeit des Sekundären,” Ethik der Gabe , hrsg. Michael Wetzel und Jean-Michel Rabaté (Berlin: Akademie, 1993) 180.
[2]Hans Arens, Sprachwissenschaft, 1955 (Freiburg: Verlag Karl Alber, 1969) 443.
[3]Jacques Derrida, “Structure, Sign, and Play in the Discourse of the Human Sciences,” 1966, The Structuralist Controversy , hrsg. Richard Macksey und Eugenio Donato (Baltimore: Johns Hopkins UP, 1970). Jean-Joseph Goux, “Dialectique et histoire,” 1973, Freud, Marx: Économie et symbolique (Paris: Seuil, 1973) 47: Goux verwendet zur Betonung dieser Forderung meines Wissens hier 1973 als erster den Begriff “post-structuraliste.”
[4]Jean-Joseph Goux, “Calcul de jouissances,” 1975, Les Iconoclastes (Paris: Seuil, 1978). Hierzu und zu relevanten Details hinsichtlich der Hegelschen Wirtschaftstheorie als proto-marginalistisch, und werttheoretisch trotz der Rezeption Adam Smiths nicht arbeitswerttheoretisch orientiert, vgl. Birger P. Priddat, Hegel als Ökonom (Berlin: Duncker & Humblot, 1990), sowie zum dekonstruktionistischen und sprachtheoretischen Kontext dieser ökonomischen Aspekte meine Dissertation, erscheint demnächst.
[5]Ferdinand de Saussure, Grundfragen der allgemeinen Sprachwissenschaft , 1905-1911, übers. Herman Lommel (Berlin: de Gruyter, 1967) 94.
[6]Tullio de Mauro, Hrsg., Cours de linguistique générale , von Ferdinand de Saussure, 1905-11 (Paris: Payot, 1972) 115, Anm. 166.
[7]Jacques Derrida, Afterword: Toward an Ethic of Discussion,” 1988, Limited Inc , 1977/1988, übers. Samuel Weber (Evanston: Northwestern UP, 1988) 149.
[8]Derrida, “Afterword” 148.
[9]Jacques Derrida, Positionen , 1972, übers. Dorothea Schmidt (Wien: Böhlau, 1986) 129.
[10]Jacques Derrida, Falschgeld: Zeit geben I , 1991, übers. Andreas Knop und Michael Wetzel (München: Fink, 1993) 205.
[11]Vgl. Peter Spahn, “Die Anfänge der antiken Ökonomik,” Chiron 14 (1984): 304.
[12] Spahn 304.
[13] Spahn 304.
[14]Aristoteles, Politik , übers. Olof Gigon (München: dtv, 1973) 58 [1256b].
[15]Aristoteles, Politik 60 [1257a]
[16]Aristoteles, Politik 59 [1257b]
[17]Aristoteles, Die Nikomachische Ethik , übers. Olof Gigon (München: dtv, 1991) 214 [1132b].
[18]Aristoteles, Politik 60 [1257b]
[19]Aristoteles, Nik. Ethik 216 [1133b]
[20]Aristoteles, Politik 59 [1256b,1257a]
[21]Aristoteles, Politik 60 [1257b]
[22]Aristoteles, Politik 61 [1257b]
[23]Aristoteles, Politik 63 [1258b]
[24]Aristoteles, Politik 63 [1258a-b]
[25]Vgl. Spahn 309 ff..
[26]Karl Marx, Das Kapital , Bd. 1, 4. Aufl., 1890, Karl Marx/Friedrich Engels: Werke (Berlin: Dietz, 1993) 167 und zu Aristoteles 167, Anm. 6.
[27]Marx 168.
[28]Joseph A. Schumpeter, Geschichte der ökonomischen Analyse , 1954, hrsg. Elizabeth B. Schumpeter (Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht, 1965) 100.
[29]Francesca Schinzinger, “Vorläufer der Nationalökonomie,” Geschichte der Nationalökonomie , hrsg. Otmar Issing, 3. rev. Aufl. (München: Vahlen, 1994) 20.
[30]Marcel Mauss, “Die Gabe. Form und Funktion des Austauschs in archaischen Gesellschaften,” 1923-24, Soziologie und Anthropologie , Bd. 2, übers. Eva Moldenhauer et al. (Frankfurt: Fischer, 1989) 43, Anm. 29.
[31]Otto Brunner, “Das ‘ganze Haus’ und die alteuropäische ‘Ökonomik’,” 1956, Neue Wege der Verfassungs- und Sozialgeschichte , 3. Aufl. (Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht, 1980) 105.
[32]Schumpeter 360.
[33]Schumpeter 360, Anm. 8.
[34]Dietmar Kath, “Geld und Kredit,” Vahlens Kompendium der Wirtschaftstheorie und Wirtschaftspolitik , von Dieter Bender et al., Bd. 1, 6. rev. Aufl. (München: Vahlen, 1995) 177.
[35]Hajo Riese, “Geld - das letzte Rätsel der Nationalökonomie,” Rätsel Geld , hrsg. Waltraud Schelkle und Manfred Nitsch (Marburg: Metropolis, 1995) 45, 46.
[36]Schumpeter 355.
[37]Jürgen Siebke, “Preistheorie,” Vahlens Kompendium der Wirtschaftstheorie und Wirtschaftspolitik , von Dieter Bender et al., Bd. 2, 6. rev. Aufl. (München: Vahlen, 1995) 63.
[38]Winfried Schwarz, “Wert, ökonomischer,” Europäische Enzyklopädie zu Philosophie und Wissenschaften , ed. H.J. Sandkühler, Bd. 4 (Hamburg: Meiner, 1990) 801.
[39]Schumpeter 719, Anm. 25.
[40]Schumpeter 719.
[41]Schumpeter 355.
[42]Schumpeter 355.
[43]Schumpeter 356.
[44]Schumpeter 719.
[45]Schumpeter 719. Kursivschreibung modifiziert.
[46]Gunnar Heinsohn, “Muß die abendländische Zivilisation auf immer unerklärbar bleiben?” Rätsel Geld , hrsg. Waltraud Schelkle and Manfred Nitsch (Marburg: Metropolis, 1995) 238.
[47]Hans-Joachim Stadermann, “Tabu, Gewalt und Geld als Steuerungsmittel,” Rätsel Geld , hrsg. Waltraud Schelkle and Manfred Nitsch (Marburg: Metropolis, 1995) 161.
[48]Stadermann 161.
[49]Stadermann 161.
[50]John Maynard Keynes, The General Theory of Employment, Interest, and Money , 1936, Bd. 7 von The Collected Writings of John Maynard Keynes (London: Macmillan, 1973) 293, nach Heinsohn 241.
[51]Heinsohn 241.
[52]Jacques Derrida, Specters of Marx , 1993, übers. Peggy Kamuf (London: Routledge, 1994) 77.
[53]Derrida, Specters 170.
[54]Jacques Derrida, Glas, 1974 (Paris: Denoël/Gonthier, 1981) 1. Die allgemeine Äquivalenz konnotiert noch das Geld in seiner Funktion als allgemeines Äquivalent in Marx’ Werttheorie.
[55]Derrida, Falschgeld 202.
[56]Vgl. Jacques Derrida, “De l’économie restreinte à l’économie générale: un hégélianisme sans réserve,” L’Arc: Georges Bataille 32 (Mai 1967). Auch in Die Schrift und die Differenz . (Frankfurt: Suhrkamp, 1976).
[57]Jacques Derrida, “Du ‘sans prix’, ou le ‘juste prix’ de la transaction,” Comment penser l’argent? hrsg. Roger-Pol Droit (Paris: Le Monde Éditions, 1992) 387.
[58]Derrida, “Sans prix” 395.
[59]Derrida, “Sans prix” 395.
[60]Derrida, “Sans prix” 395.
[61]Derrida, Falschgeld 25.
[62]Vgl. Holger Bonus, Wertpapiere, Geld und Gold - Über das Unwirkliche in der Ökonomie (Graz: 1990).
[63]Derrida, Falschgeld 95.
[64]Derrida, Falschgeld 202.
[65]Derrida, Falschgeld 202.
[66]Derrida, Falschgeld 202.
[67]Derrida, Falschgeld 202.
[68]Derrida, Falschgeld 203.
[69]Derrida, Falschgeld 203.
[70]Derrida, Falschgeld 203.
[71]Derrida, Falschgeld 81-82.
[72]Derrida, Falschgeld 116. Kursivschreibung modifiziert.
[73]Jacques Derrida, “Buch-Ausserhalb,” 1972, Dissemination, 1972, übers. Hans-Dieter Gondek (Wien: Passagen, 1995) 63.
[74]Jacques Derrida, Grammatologie, 1967, übers. Hans-Jörg Rheinberger und Hanns Zischler (Frankfurt: Suhrkamp, 1983) 78.
[75]Derrida, Falschgeld 217.
[76]Jacques Derrida, “Limited Inc a b c ...,” 1977, Limited Inc , 1977/1988, übers. Samuel Weber (Evanston: Northwestern UP, 1988) 30.
[77]Jacques Derrida, Positionen, 1972, übers. Dorothea Schmidt (Wien: Böhlau, 1986) 165, Anm. 46.
[78]Derrida, “Buch-Ausserhalb” 43.
[79]Derrida, “Sans prix” 388.
[80]Derrida, Falschgeld 145-46. Derrida kritisiert jedoch eine solche Untersuchung bei Goux - vgl. Jean-Joseph Goux, Les monnayeurs du langage (Paris: Galilée, 1984) -, sobald sie das Edelmetallgeld als Standard idealisiert und Dematerialisierung des Geldes als Bewegung der Dekadenz begreift. Derrida, Falschgeld 145.
[81]Saussure 135.
[82]Saussure 135.
[83]Derrida, Falschgeld 129.
[84]Derrida, Falschgeld 22.
[85]Derrida, Falschgeld 162.
[86]Derrida, Falschgeld 129.
[87]Derrida, Falschgeld 134, Anm. 38.
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