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Sabine Kock
Zentrum
für interdisziplinäre Frauenforschung Christian Albrechts Universität zu Kiel
kock@zif.uni-kiel.deThema: Pathos und Pathologie von Engagement. Probleme eines Gedenkens des Nationalsozialismus in Philosophie und LiteraturZum theoretischen ’Ort’ eines Dikurses über das GedenkenDie Frage, die Auschwitz stellt, ist die nach der Textur des Textes, der „an” Auschwitz „schließt”.[1] Jean-Francois Lyotard
Vom
Standpunkt der Systematik des Faches Literaturwissenschaft aus betrachtet,
stellt die Forschung über die problematische Möglichkeit eines
Gedenkens in der Nachgeschichte des Nationalsozialismus einen Sonderfall der
Forschungen über ‘kulturelles Gedächtnis’ dar - einen,
dem durch das 50jährige Jubiläum des Endes der NS-Herrschaft eine
relative Präsenz im Gefüge gegenwärtig relevanter
literaturwissenschaftlicher Fragestellungen zukommt.
Der
Diskurs des Gedenkens berührt den Gedächtnisdiskurs als Konfiguration
eines kollektiven, traumatisierten, kulturellen und symbolischen
Gedächtnis mit spezifischen Ausprägungen von Sprachlosigkeit,
Überlebensschuld, Deckerinnerungen auf der Seite der Verfolgten und ihrer
Nachfahren und einem immer noch währenden Vergessensbegehren, das mit
Schuldangst kompensiert wird und Verdrängung perpetuiert, auf der Seite
der Täter - hier im Land der Nazismusspuren.
Vom
Diskurs des Gedenkens aus läßt sich hingegen jede Rede, die sich
außerhalb seiner Grenzen stellt, als Ignoranz,Verdrängung,
Verleumdung - bestenfalls als Unsensibilität deuten. Die Präsenz der
Realität von Auschwitz erhält im Diskurs des Gedenkens den Status
des ‘Absoluten’ der gegenwärtigen Kulturerfahrung - wobei der
Begriff als Transformation des philosophischen Terminus aus dem Kontext der
europäischen Aufklärung in einem ambivalenten Bedeutungs- bzw.
Konnotationsfeld erscheint: Er besagt gleichzeitig eine Wendung zur
‘absoluten ‘ Immanenz - denn nichts kann einen höheren
Wirklichkeitsstatus beanspruchen als die grausame Realität von Auschwitz -
und gleichzeitig läßt er sich lesen als Metapher, die in Anspielung
auf die historische Begriffsbedeutung verweist auf die Unmöglichkeit einer
Darstellung des Grauens - vom ‘Absoluten’ können wir nichts
wissen.
[2] Beschreiben
Horkheimer und Adorno ihre These von der Unmöglichkeit jeglicher Kultur
nach Auschwitz als Folge eines pathologischen Impulses der europäischen
Aufklärung, so nehmen sie jedoch trotz deren Deklaration als negatives
‘Absolutes’ eine Zuordnung im historischen Zeitverlauf und
geographischen Raum vor.
Hingegen
läßt sich in der folgenden Passage von James Watson die Tendenz
einer gegenwärtigen Globalisierung ihrer These als im Wortsinn
‘universale’ Setzung beobachten:
Die
Nazi-Todeslager haben für immer alles verändert. Ob dies nun
eingestanden wird oder nicht, innerhalb der Formation von Auschwitz sind wir
anders geworden als alles, das jemals über uns geschrieben worden ist. In
den letzten fünfzig Jahren haben wir uns mehr verändert als in den
letzten fünftausend. Plötzlich trennte uns eine Diskontinuität
namens Auschwitz von der Welt unserer Vorfahren. Unsere neue Welt ist die
Auschwitz Galaxy, eine Unwelt mit Satelliten, so getrennt und unkommunizierbar
wie die entfernte Welt unserer Vorfahren. Alles, was durch den kalten Raum
kommt, der uns von der Tradition trennt, muß nun mit neuen Ohren
gehört werden, mit äußerst mißtrauischen Ohren, die
sensibilisiert sind für den Stiefelschlag marschierender Postboten. Der
hermeneutische Zirkel dieser zwei Welten besitzt einen Abgrund als sein
Zentrum. Die Gefahr liegt in Überquerungen, die diesen Abgrund
übergehen, ihn ignorieren und so seiner vernichtenden Aneignung dienen.
[3] Im
Begriff der
Auschwitz
Galax
y,
den die österreichischen Herausgeber zum Buchtitel aufwerteten, kulminiert
die Sorge wider das Vergessen zur Allausasage über die gegenwärtige
menschliche Zivilisation und nötigt Watson zu einer Generalisierung, die
ihrerseits den Gestus einer totalen Setzung hat. Der Text, dessen
Argumentation sich später als von Dekonstruktionen bestimmt erweist,
präsentiert sich hier als normatives ‘absolutes’ Credo.
Gegenüber
einer solchen Setzung formuliert Jean-Franzois Lyotard das Bedenken, daß
hierin möglicherweise eine pathologische Selbstreferenz des Gedenkens als
Diskurs vorliegt:
Man
müßte sich das folgende vorstellen: daß die durch
‘Auschwitz’ in das abendländische Denken eingeführte
Spaltung nicht über den spekulativen Diskurs hinaus reicht, d.h., da der
letztere kein Aussen kennt, ihre Wirkung im Innern des Diskurses als
unvollständiger, ungültiger Ausgang nicht festgelegt ist, wie eine
Art neurotischer Stau auf einer Figur (der des Todes ‘in
Auschwitz’), der, genau betrachtet, nur ein Moment sein kann; daß
diese Spaltung aber der spekulativen Logik selbst, und nicht nur ihren Folgen
einen Riß beibringt,das Funktionieren bestimmter, und nicht aller ihrer
Operationen hemmt, und sie zur Unordnung eines Unendlichen verurteilt [...].
[4] Läßt
sich vom Diskurs des Gedenkens aus jede Argumentation, die auf eine
Relativierung seiner Perspektive zielt, als pathologischer, politisch
letztendlich immer als revisionistisch zu deutender Akt einer mentalen
Verdrängung lesen, beschreibt Lyotards Überlegung gerade die
umgekehrte mentale Bewegung: die (diskursive) Totalsetzung von ‘Auschwitz
‘ als Pathologie.
Ist
es möglich, zwischen beiden Perspektivpolen eine ‘Balance’ zu
halten - und damit gleichzeitig Widerstand gegen Kurzschlüssigkeiten der
je einen Perspektive auszuüben, oder muß eine solche Haltung gerade
ihrer Unentschiedenheit wegen als kurzschlüssig verurteilt werden ?
Dabei
fließen in die Überlegungen zu dieser Problematik zusätzlich
Bestimmungen aus der ambivalenten Traditionsbestimmung des Ästhetischen
innerhalb der Genese des Vernunftdiskurses ein, deren Reflexion in der
Argumentation Berücksichtigung finden muß:
Gegenwärtige
Diskussionen um einen möglichen ‘Ort’ eines ästhetischen
Diskurses im Gefüge der Rationalität - und das heißt
pragmatisch auch: um seinen Status innerhalb der Kulturwissenschaften -
erscheinen in weiten Teilen geprägt von der Blindheit gegenüber einem
philosophiegeschichtlichen Befund, mit dem Christoph Menke seine Arbeit
über
Ästhetische
Erfahrung nach Adorno und Derrida
beginnt:
Die
moderne Reflexion auf die ästhetische Erfahrung ist durch eine
unaufgelöste Ambivalenz bestimmt. Sie manifestiert sich in den beiden
Traditionslinien, die seit ihrem Beginn die moderne Ästhetik prägen.
Während die eine die ästhetische Erfahrung als Moment neben anderen
Erfahrungsweisen und Diskursen in die ausdifferenzierte Vernunft der Moderne
einträgt, spricht ihr die zweite ein die Vernunft der
nicht-ästhetischen Diskurse überschreitendes Potential zu. Schon in
der Kantischen Ästhetik miteinander verwoben, haben diese beiden
Traditionslinien der modernen Ästhetik in Adornos ‘Ästhetischer
Theorie’ ihren vorerst letzten verdichtenden Kreuzungspunkt gefunden.
[5]
Die
eine Seite dieser Tradition ist nach Menke bestimmt durch den Begriff der
Autonomie.
Ästhetische Erfahrung wird in dieser Traditionslinie ( Kant, Weber) als
eigengesetzliches
Geschehen
begriffen. Das impliziert einen selbstständigen Status des
Ästhetischen gegenüber den nichtästhetischen Diskursen - und
gleichzeitig verbindet sich mit dieser Vorstellung das Postulat, daß der
ästhetische Diskurs als einer neben anderen notwendig
geltungspartikular
ist.
Die
andere Seite der Traditionslinie kennzeichnet Menke mit dem Begriff der
Souveränität
.
Souverän
ist demnach das Ästhetische, sofern es sich nicht in das ausdifferenzierte
Gefüge der pluralen Vernunft einordent, sondern sie überschreitet.
[6] Damit
erhält der ästhetische Diskurs als Erfahrungsmodus ein
vernunftkritisches Potential als
Medium
zur Auflösung der außerästhetisch herrschenden Vernunft
[7]. Beide
Seiten dieser von Adorno als ästhetische Antinomie gefaßten
Tradition stehen einander in einem unvermittelten Spannungsverhältnis
gegenüber. Dabei besteht gegen die erste Variante der Einwand, die
radikale Absonderung des Ästhetischen führe zu dessen Vereinnahmung
als
Verdinglichung.
Gegen die zweite Variante wird der Einwand geführt, daß mit dem
postulierten vernunftkritischen Potential des Ästhetischen eine heteronome
Überfrachtung der Kunst geschehe (Eine Vermittlung zu schaffen, ohne die
bestehende Antinomie zu verkürzen, ist das Anliegen Menkes).
Eine
ideologische Festlegung auf je eine dieser beiden Traditionslinien
[8]
bildet heute einen bedauerlichen Hintergrund der ‘Lagerbildung ‘in
der - die beschriebenen ästhetische Antinomie reproduzierend -
antinomisch geführten Debatte um das Verhältnis bzw. die Geltung von
Moderne- und Postmodernekonzepten.
Die
polemische Argumentation gegen die sogenannte ’ postmoderne
Beliebigkeit’ läßt sich als Fortführung des
Verdinglichungsvorwurfs lesen. Unberücksichtigt bleibt beim Rekurs auf den
Begriff der ‘Beliebigkeit’, daß hierbei auch eine neuartige
‘Gleichwertigkeit’ der Sätze,Wörter oder Zeichen als
antihierarchisches Prinzip postuliert wird, das seinen Ursprung (etwa bei
Derrida) in einer politischen Sensibilität hat, die auf den
französischen Begriff der égalité rekurriert - und damit das
genaue Gegenteil der polemischen Interpretation ‘alles ist egal’
besagt.Gegen die Verfechter des Modernekonzeptes wird in Anlehnung an den
zweiten Einwand einer heteronomen Überfrachtung von Kunst der Vorwurf
erhoben, sie strapaziere die Kunst mit der Frage nach ihrer
(gesellschaftlichen) Relevanz, die angesichts politischer und
gesellschaftlicher Dissoziationsprozesse
[9]
obsolet erscheint.
An
dieser Stelle ist der Schnittpunkt der Fragestellung der vorliegenden Arbeit
mit der gegenwärtig disziplinübergreifenden Diskussion um die Geltung
bzw. Destruktion von Moderne in der Gegenwart zu bestimmen.
Vom
Blickwinkel der Genese des Vernunftdiskurses erweist sich die Problematik der
‘Krise der Moderne’ als historisches Phänomen, das bereits vor
der historischen Realität des Nationalsozialismus in der Weimarer Republik
diskutiert wurde.
Ein
historisches Kontinuum der Auseinandersetzung über einen möglichen
‘Ort’ des ästhetischen Diskurses steht dem bei
Adorno/Horkheimer geforderten totalen kulturellen Bruch nach der Realität
von Auschwitz als kontroverseThese gegenüber.
Christoph
Menkes in seiner Argumentation überzeugender Text läßt sich im
Kontext der von Watson befürchteten Verdrängungsmechanismen im
Zentrum
des hermeneutischen Zirkels
so auch als Beispiel einer ‘gelungenen’ Verdrängung
anführen: Der Autor gründet seine gesamte Konzeption und
Argumentation auf die Entwicklung des ästhetischen Diskurses in der
Genese des Vernunftdiskurses seit der Aufklärung. Dabei blendet er die
Problematik eines (un)möglichen Gedenkens der NS Zeit vollkommen aus,
obwohl sowohl Adorno als auch Derrida diese als axiomatischen Anlaß
ihrer Theoreme benannt haben.
Er
vollzieht eine ‘Figur des Ausschlusses’, um die Systematik seiner
Konzeption nicht zu gefährden. Die Aufrechterhaltung eines systematisch
orientierten philosophischen Diskurses erweist sich so als symptomatische
Figuration einer Verdrängung.
[10] In
diesem Kontext deutet Lyotards Äußerung
:
Die Frage, die Auschwitz stellt, ist die nach der Textur des Textes, der
„an” Auschwitz „schließt”
[11]
auch auf eine spezifische Notwendigkeit zur Auflösung der Dichotomie von
ästhetischer Theorie und literarischer Praxis in der Nachgeschichte des
Nationalsozialismus. Ich möchte sie als Überleitung verwenden:
Obgleich
der folgende Teil der Arbeit als theoretischer Teil vorangestellt ist, geht es
um keine grundlegend anderen Befunde als bei der Betrachtung der literarischen
Texte. So wie der systematische philosophische Text Menkes sich vom Standpunkt
des Gedenkendiskurses auch als symptomatischer Text einer vollzogenen
Verdrängung lesen läßt, werden im Folgenden die Kantischen
Kritiken betrachtet als historische Texte, deren Argumentation die
‘Dialektik der Aufklärung’ als ihre Vorgeschichte mitbedingt.
Darüberhinaus
interessieren ihre Verwertungen und ihr Status im Diskurs des Gedenkens.
Der
punktuelle Textblick auf Adornos
Ästhetische
Theorie
geschieht demgegenüber im Hinblick auf die darin vollzogene Vermeidung und
Destruktion der Möglichkeit eines geschlossenen philosophischen Diskurses.
Der
bei Lyotard aufgefundene Begriff der
Textur
birgt dabei für meine Ausführungen den Wunsch nach Unmittelbarkeit im
Verhältnis zu den Texten - gleichzeitig erhält er im Kontext des
Gedenkendiskurses die Konnotation einer Irritation bisheriger Klassifizierungen
von Texten im Sinne der grundlegenden Kulturkritik in der These Adornos.
Unter
dem Vorzeichen einer Neudefinition des Konzeptes
‘Tatsachenliteratur’ hat 1988 auch James E.Young eine solche
Irritation als Ausgangspunkt seiner Überlegungen bestimmt. Der Impuls,
Beweise für die Realität des Erlebten zu liefern, führte und
führt Überlebende des Holocaust immer wieder zu dem Bedürfnis
nach der Vermittlung von Fakten; dabei entsteht gleichzeitig immer wieder die
Wahrnehmung des Unvermögens, die Realität des Grauens zu
dokumentieren. Dieses Paradox führt Young im Gegensatz zu bisherigen
historischen Forschungsansätzen zu der These, daß es nicht
primär um eine Unterscheidung in Fakten und Fiktion geht, bei denen
diejenige Literatur, die am vermeintlich ’objektivsten’ mit den
historischen Tatsachen verfährt, den höchsten Wahrheitsstatus
erhalten müsse. Young geht vielmehr davon aus:
Da
die Fakten des Holocaust letztlich nur in ihrer erzählenden und
kulturellen Rekonstruktion Bestand haben, können wir sagen, daß die
Fragen der literarischen und historischen Interpretation, die ohnedies
miteinander verknüpft sind, im Gegenstand der >literarischen
Historiographie < zusammenfließen. Damit soll freilich die tiefe
Wahrheit in jedem uns überlieferten Bericht keineswegs in Frage gestellt
werden [...].
[12]
Unter
der Prämisse, daß Ereignisse bereits während ihres Geschehens
geprägt sind von den Schemata ihres Wahrgenommenwerdens, versucht Young
hiermit, die Dichotomie von literarischen Erzähltechniken versus
historischem Diskurs aufzukündigen. Bereits die
‘Stilreinigung’ historischer Texte gilt ihm als rhetorischer
Schachzug, mit dem das Konstrukt einer ‘objektiven’
Erzählperspektive erzeugt werden soll.
Dabei
geht es Young nicht um eine
Enthistorisierung
der Texte - vielmehr versteht er sein Konzept als den Versuch ihrer
Rehistorisierung.
Er will mit diesem Ansatz nicht die Ereignisse von ihrer Darstellungsform
abspalten, sondern versucht vielmehr eine Bestimmung, innerhalb der der Status
von fiktiven Texten im Diskurs des Gedenkens aufgewertet wird. Youngs Konzept
läßt zu, auch Texte als Dokumente zu bestimmen, deren AutorInnen
keine direkten Zeitzeugen sind, sondern deren ‘Zeugnis’ auf der
Überlieferung oder psychischen Übertragung von Erlebtem ( etwa: von
einer Generation auf die nächste oder im Modus eines”kollektiven
Gedächtnis”) beruht.
Dabei
wendet er sich gleichzeitig gegen die Gefahr, durch Dekonstruktion und
Semiotik den Blick von den Ereignissen auf das ‘Wie’ ihrer
Poetisierung zu verlagern - d.h. Ziel seiner Untersuchungen ist nicht die
Klassifizierung bisher unbekannter Werke über den Holocaust. Vielmehr gilt
sein Plädoyer dem Blick auf die Konsequenzen aus den Texten - für
Überlebende und Opfer.
Mit
Youngs Thesen bildet so eine dritte Irritation den Hintergrund der hier
angestellten Überlegungen:
Weder
das Verhältnis theoretischer Texte und literarischer Praxis noch deren
Status als Fiktion oder dokumentarisches Faktum scheinen unhinterfragbare,
‘gültige’ Klassifizierungen in der Nachgeschichte des
Holocaust. Gleichzeitig wird der Versuch einer Standortbestimmung im Diskurs
des Gedenkens ‘durchkreuzt’von Fragestellungen zum Status von
Ästhetik in der Gegenwart, die sich erweisen als Resultat der
interdisziplinären Auseinandersetzung um die Gültigkeit bzw.
Dekonstruktion von Moderne.
Mein
Anliegen gilt dem Versuch, eine Modellbildung zur ‘Bereinigung’
solcher und anderer möglicherweise auftretenden Irritationen soweit
möglich, zu unterlassen - diese vielmehr als eine existentielle
Vorraussetzung einer Arbeit im ‘Diskurs des Gedenkens’zu begreifen,
um nicht auf der Metaebene der Forschung den Gestus der Verdrängung zu
perpetuieren .
[1]
Jean-Franzois Lyotard: Streitgespräche, oder Sprechen „nach
Auschwitz”.[>Lyotard: Streitgespräche] Bremen?? (orig.:
Diskussions , ou: phraser „après Auschwitz”, in: Les fins de
l’homme. A partir du travail de Jacques Derrida. Colloque de Ceriay
(23.juli-2. August 1980). Ed. Galilé 1981), S.16
[2]
Dies ist im Diskurs der europäischen Aufklärung ein
erkenntnistheoretisches Problem. Im Kontext der Nachgeschichte von Auschwitz
wird hieraus fundamentale Kulturkritik und die Fragestellung durchläuft
eine Metamorphose, in deren Zentrum nun die Wahrnehmungs- bzw.
Erlebensfähigkeit des fühlenden und auch des mitfühlenden
Subjekts steht.
[3]
James R. Watson: Die Auschwitz Galaxy: Reflexionen zur Aufgabe des Denkens.
Wien 1998 (orig.: Between Auschwitz and Tradition, Amsterdam, Atlanta 1994), S.17
[4]
Lyotard: Streitgespräche, S.18
[5]
Christoph Menke: Die Souverenität in der Kunst. Ästhetische Erfahrung
nach Adorno und Derrida. Frankfurt am Main 1991, S. 9
[6]
ebenda, S.10
[7]
ebenda
[8]
Während Menke die beiden Traditionslinien in der Kantischen Ästhetik
als
verwoben
ansieht, gehe ich im Folgenden davon aus, daß Kant
widersprüchliche
Bestimmungen vornimmt .
[9]
Politisch liegt hierin gleichzeitig der begründete Vorwurf , damit einer
Entsolidarisierung Vorschub zu leisten.
[10]
Vom Standpunkt der Totalität des kulturellen Bruchs durch das Geschehen
des Nationalsozialismus ließen sich sicher eine große Anzahl von
Texten verschiedener Gattungen in der BRD auch vom Standpunkt ihrer
Nichtbehandlung (Ausgrenzung/Verdrängung/Ignoranz) dieser Thematik her
bestimmen – Sinnvoll scheint eine solche Fragestellung, wenn sie
quantifizierend geschieht, unter literatursoziologischen Aspekten. Für die
Interpretation einzelner Texte scheint mir das Raster der
‚Nichtbehandlung‘ als Kriterium nur dann angemessen, wenn damit
ein tieferer Analysegewinn im Verständnis eines Textes zu erzielen ist. So
erscheint mir beispielsweise das
Fazzer
Fragment von Heiner Müller als ein Text, dessen Szenario in einer
Tiefenschicht bestimmt ist von der Textgeste des ‚nicht Sprechen
können‘, so daß hinter der expliziten Thematik (eingeschlossen
den Rekurs auf die Brechtsche Vorlage) der Text in einer symptomatischen
Ambivalenz zum Täter/Opferdiskurs Spuren des Nazismus birgt – ohne
daß diese als ‚Schicht‘ diskursiv zu erfassen wären.
[11]
Lyotard: Streitgespräche, S.16
[12]
James
E. Young:
Beschreiben
des Holocaust. Darstellung und Folgen der Interpretation. Frankfurt am Main
1992 (orig.: Writing and Rewriting the Holocaust Narrative and the Consequences
of Interpretation Wo? 1988), S.14
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